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Auf der Zielgeraden

Schaumburger Brauerei Auf der Zielgeraden

Vor 16 Monaten schlitterte die Schaumburger Privatbrauerei in die Insolvenz. Inzwischen mehren sich die Anzeichen, dass die Inhaberfamilie Lambrecht das Unternehmen nach überstandener Krise weiterführen wird.

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Der firmeneigene Fuhrpark der Brauerei soll aufgelöst werden. „Das können andere preiswerter“, sagt Insolvenzverwalter Sascha Bibiha.

Quelle: rg

Stadthagen. Der Verkauf der Brauerei an einen Dritten ist offiziell zwar immer noch eine Option. Insolvenzverwalter Sascha Bibiha macht aber keinen Hehl daraus, dass er eine interne Lösung bevorzugen würde.
 Es spreche viel dafür, Geschäftsführer Friedrich-Wilhelm Lambrecht an der Spitze des Traditionsbetriebs zu belassen. Gebäude und technische Anlagen seien wegen der Aufsplitterung des Unternehmens in mehrere Firmen ohnehin in Lambrechts Besitz. „Damit hat er gegenüber Dritten einen klaren Vorteil. Und er kennt das Unternehmen wie kein anderer“, sagt Bibiha.
 Lambrecht selbst ist offenbar durchaus gewillt, an Bord zu bleiben. Als Indiz dafür werten Beobachter auch den Umstand, dass er unlängst trotz der andauernden Insolvenz seine älteste Tochter ins Unternehmen geholt hat. Die 29-jährige Yvonne Permin arbeitet seit Anfang Oktober als Direktionsassistentin bei der Brauerei und damit an der Seite ihres Vaters. Die Stelle – nach Worten Bibihas eine Schlüsselposition – ist frei geworden, nachdem die Vorgängerin in den Ruhestand gegangen war. Mit Permin ist nun die sechste Generation der Familie Lambrecht in das Traditionsunternehmen eingezogen.

Will künftig Verantwortung im Familienbetrieb übernehmen: Lambrecht-Tochter Yvonne Permin (29).

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Lambrecht spricht von einem „deutlichen Signal in unruhigen Zeiten. Ich sehe Licht am Ende des Tunnels.“ Seine Tochter hat eigenen Angaben zufolge zwei Volontariate bei anderen Brauereien absolviert. Nebenher habe sie den väterlichen Betrieb immer mal wieder unterstützt, vor allem im Bereich des Marketing, erzählt die Betriebswirtin.
 Unstrittig ist, dass die Brauerei seit einigen Monaten wieder schwarze Zahlen schreibt. Das „deutlich positive Ergebnis“ habe verschiedene Ursachen, sagt Insolvenzverwalter Bibiha. Zum einen zahle die GmbH heute eine sehr viel geringere Pacht an Lambrecht beziehungsweise dessen „Schaumburger Brauerei Lambrecht GmbH & Co KG“ (u Kasten). Dass es gelungen sei, die Margen zu erhöhen und gleichzeitig die Kunden dem Unternehmen in der Krise treu geblieben seien, habe ebenfalls zur Stabilisierung beigetragen.
 Die letzte große Konsolidierungsmaßnahme steht unmittelbar bevor: Bibiha will den bislang brauereieigenen Fuhrpark auflösen. Künftig sollen Bierfässer und -kisten durch ein externes Unternehmen an Gastronomie und Handel geliefert werden. „Das ist nicht unsere Kernkompetenz, das können andere preiswerter“, begründet der Insolvenzverwalter.
 Auch wenn derzeit vieles darauf hindeutet, dass Lambrecht bald wieder allein das Sagen auf St. Annen hat – für Bibiha ist ein Verkauf an den Alt-Inhaber längst nicht abgemachte Sache. „Wir haben noch nicht über einen Preis gesprochen.“ Zudem gebe es nach wie vor zwei weitere Interessenten aus der Branche, „die den Standort ebenfalls übernehmen wollen“.
 Andere potenzielle Übernehmer sind derweil abgesprungen. Einigen ging es nicht schnell genug. „Es ist schon sehr ungewöhnlich, dass ein Insolvenzverwalter derart lange ein Unternehmen führt“, klagt der Chef einer mittelständischen Brauerei, der vor Monaten in Stadthagen vorstellig geworden ist. „Das Unternehmen hätte längst verkauft sein können.“
 Bibiha ficht eine solche Kritik nicht an. Er glaubt fest an die Zukunft des Unternehmens, will seine Zerschlagung unbedingt verhindern. „Nach Abschluss der Umstrukturierung sei die Brauerei so aufgestellt, dass sie „wieder für jeden in der Branche interessant ist“. mf, bes

Kaufpreis in sechsstelliger Höhe

  • Am wahrscheinlichsten ist der Verkauf der sanierten Brauerei in Verbindung mit einem Insolvenzplan . Darin würde über Quoten geregelt, welche Gläubiger wie viel Geld aus dem Veräußerungserlös bekommen.
  • Der Kaufpreis dürfte sich laut Insolvenzverwalter „im niedrigen bis mittleren sechsstelligen Euro-Bereich“ bewegen. Allerdings müsste ein Käufer deutlich mehr Geld mitbringen, um nach dem Neustart auch über die nötige Liquidität zu verfügen.
  • Nur eine Firma des Gesamtunternehmens ist insolvent – die Schaumburger Privatbrauerei GmbH . Darin gebündelt: der Geschäftsbetrieb mit Mitarbeitern, Know-how und Warenlager.
  • Nicht betroffen von der Insolvenz ist die „ Schaumburger Brauerei Lambrecht GmbH & Co KG “, in deren Besitz sich Immobilien und Anlagevermögen befinden – also der Großteil des materiellen Vermögens. Hier ist Friedrich-Wilhelm Lambrecht weiter Herr im Haus. Wenn er das nötige Kapital aufbringt, darf er auch den insolventen Unternehmensteil „zurückkaufen“.
  • Der Erwerber des Geschäftsbetriebs ist mit Abschluss des Insolvenzverfahrens rechtlich von allen früheren Lasten befreit . Dazu zählen Pensionsverpflichtungen für ausgeschiedene Mitarbeiter, aber ebenso alte Vertragsbindungen, beispielsweise mit Lieferanten, Versicherungen und Energieunternehmen. Die etwa 20 noch im Unternehmen befindlichen Mitarbeiter müssen hingegen beim Betriebsübergang übernommen werden. mf
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