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Brauerei: Pleite trifft vor allem Mitarbeiter und Rentner

Stadthagen / Insolvenzantrag betrifft nur einen Teil des Betriebes Brauerei: Pleite trifft vor allem Mitarbeiter und Rentner

Die Schaumburger Privat-Brauerei ist pleite. Diese Nachricht bewegt seit gut einer Woche ganz Schaumburg. Die Brauerei ist pleite? Nein. Ein Blick hinter die Kulissen und in die Konstruktion des Unternehmens zeigt: Nur für einen Teil des gesamten Betriebes hat Geschäftsführer Friedrich-Wilhelm-Lambrecht einen Insolvenzantrag gestellt – allerdings exakt für den, der die Mitarbeiter und Rentner trifft und kostenbehaftet ist.

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Quelle: rg

Von Christoph Oppermann

Stadthagen. Im Handelsregister sind drei Unternehmen im Zusammenhang mit der Schaumburger Privat-Brauerei aufgeführt: Die „Schaumburger Brauerei Lambrecht GmbH & Co KG“ (HRB 1012), die „Schaumburger Privat-Brauerei GmbH“ (HRB 363) sowie die „Lambrecht GmbH“ (HRB 364). Das Amtsgericht Bückeburg hat mit Datum 24. Juli 2013, 11 Uhr, in einem Insolvenzantragsverfahren die vorläufige Verwaltung über das Vermögen der „Schaumburger Privat-Brauerei GmbH“, vertreten durch den Geschäftsführer Friedrich-Wilhelm Lambrecht, angeordnet. Vorläufiger Insolvenzverwalter ist Sascha Bibiha aus Minden.

Nach SN-Informationen sollen der Kommanditgesellschaft (KG, HRB 1012) die Rechte an der Biermarke und den Rezepturen sowie die Immobilien der Brauerei zugeordnet sein. Alles im Zusammenhang mit Personal und Betriebsrenten gehört zur Brauerei-GmbH – und für diesen Unternehmensteil hat Lambrecht einen Insolvenzantrag gestellt. Kurz: Was Geld bringt, ist in der KG zusammengefasst, die dem Vernehmen nach finanziell gesund ist, alles Kostenträchtige in der klammen GmbH. Diese ist mit einem Haftungsvermögen von 31 000 Euro ausgestattet.
Auf den Punkt: Der bisherige Brauerei-Chef verliert mutmaßlich 31 000 Euro mit dieser Insolvenz, behält aber die Rechte an Marke, Rezepten und die Immobilien. Dafür muss er sich allerdings nicht mehr darum kümmern, dass die Mitarbeiter der Brauerei ihre Löhne und Gehälter bekommen – und die Ruheständler ihre Betriebsrenten.

Diese Konstellation hat erhebliche Auswirkungen auf den Fortgang des Insolvenzverfahrens. Sascha Bibiha hat dieses als ein auf die Fortführung des Unternehmens ausgerichtetes Verfahren bezeichnet. Folgende Szenarien sind denkbar:

  • Der Brauereibetrieb wird eingestellt, Lambrecht hat nach Abschluss des Insolvenzverfahrens keine weiteren Verpflichtungen und kann die Immobilie an St. Annen anderweitig nutzen, die Rechte an der Marke und die Rezepturen gegebenenfalls bei einem dann ehemaligen Konkurrenten versilbern. Die Mitarbeiter verlieren ihre Jobs, die Betriebsrentner bekommen ihr Geld vom Pensions-Sicherungs-Verein in Düsseldorf.
  • Ein anderes Unternehmen übernimmt den Braubetrieb und hat nichts außer Mitarbeitern und deren Know how. Die Betriebsstätte gehört nicht zur Insolvenzmasse, ein neuer Betreiber müsste also die bisherige Brauereieinrichtung von Lambrecht und der KG pachten. Das lässt die Fortführung des Unternehmens schwer vorstellbar erscheinen, denn der eigentliche Braubetrieb ist bereits insolvent, und zusätzliche Pachtzahlungen, um überhaupt brauen zu können, lassen die roten Zahlen eher roter als schwärzer werden. Dem Vernehmen nach fehlen im laufenden Braubetrieb jährlich etwa 300 000 Euro, dazu wäre etwa noch einmal mindestens eine Million Euro für dringend nötige Modernisierungen aufzubringen, um etwa Energiekosten senken zu können. Zu den Posten mit dem größten Investitionsbedarf gehört dem Vernehmen nach die Abfüllanlage.

Nach SN-Informationen verschafft der Insolvenzverwalter sich noch Überblick über die Lage, um entscheiden zu können, welchen Weg er mit dem insolventen Betriebsteil einschlagen will.

Die Gesellschaft mit beschränkter Haftung

Die Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) ist eine haftungsbeschränkte Kapitalgesellschaft mit einem oder mehreren Gesellschaftern. Um eine GmbH zu gründen, ist mindestens eine sogenannte natürliche Person nötig, es können aber auch mehrere Gesellschafter beteiligt sein. Bei der Gründung einer GmbH muss der sogenannte Gesellschaftsvertrag von den Gründungsmitgliedern unterschrieben und notariell beglaubigt werden. Anschließend folgt der Eintrag in das Handelsregister.

Das Stammkapital, mit welchem die GmbH haftet, muss mindestens 25 000 Euro betragen. Eine GmbH gilt gemäß § 13 Abs. 1 GmbH-Gesetz als juristische Person. Das heißt, sie kann als Handelsgesellschaft Eigentum erwerben, hat Verbindlichkeiten und Verpflichtungen, denen sie nachkommen muss. Sie kann vor Gericht klagen und selbst auch verklagt werden. Bei einer GmbH haften jedoch nicht die Geschäftsführer oder Gesellschafter mit ihrem persönlichen Vermögen, sondern die Handelsgesellschaft mit dem Gesellschaftsvermögen. tbh

Die Kommanditgesellschaft

Eine Kommanditgesellschaft (KG) ist eine Gesellschaftsform, bei der sich mehrere natürliche oder juristische Personen (zum Beispiel Unternehmen) zu einer Firma zusammenschließen. Im Gegensatz zu der Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) muss bei einer KG mindestens ein Gesellschafter, der sogenannte Komplementär, mit seinem gesamten persönlichen Vermögen haften.

Die Haftung der anderen Gesellschafter (Kommanditisten) einer KG ist auf eine Einlage beschränkt, die die Kommanditisten leisten müssen. Eine Mindesteinlagesumme für die Kommanditgesellschaft ist gesetzlich jedoch nicht festgelegt.  tbh

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