Niedernwöhren (gus). Herbert Dierks und Heinrich Grundmeier können nur die Köpfe schütteln angesichts vom mehreren Zentimetern Höhenunterschied zwischen Radweg und Fahrbahn, die zudem noch mit einer kurzen Rampe überwunden werden müssen. Und zwar gleich mehrmals, will jemand mit dem Rad von Niedernwöhren nach Stadthagen oder umgekehrt.
Viermal werden Radfahrer dann kurz hintereinander kräftig durchgeschüttelt. Wer weiter zu Discounter und Drogerie fahren möchte, dem stehen vier weitere vertikale Schubser bevor. „Das ist unmöglich“, findet Dierks. Als der Niedernwöhrener Ernst Koch mit dem Rad vorbeifährt, stimmt er zu: Auch er habe sich bereits über die Huckelpiste geärgert. Und es gebe noch mehr Bürger, die so denken. Auch die Kanten an den Fußgängerüberwegen findet Grundmeier gefährlich.
Eine Entschärfung wird es wohl nicht geben. Die Experten, die sich zum Thema geäußert haben, zeigten sich zwar nicht ausdrücklich überzeugt von der Gestalt der Übergänge, verwiesen aber auf geltende Richtlinien. So sind nach Worten Markus Brockmanns, Leiter der Hamelner Geschäftsstelle der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr, zwei Varianten für die Rad- und Fußwege an dem Kreisel möglich.
Die erste sieht eine Muldenrinne an den Übergängen zur Fahrbahn vor. Darin könne das Wasser ablaufen, doch es ergäbe sich die Gefahr von Pfützenbildung und somit auch von Glätte im Winter. Die zweite Variante sieht einen sechs Zentimeter hohen Absatz vor, der bei den Radfahrern mit einer zwanzig Zentimeter langen Schräge ausgeglichen wird.
Sechs Zentimeter deshalb, weil es sich bei dem Kreisel um einen „Zwitter“, eine halb innerörtliche und halb außerörtliche Verkehrsanlage, handelt, wie Planer Matthias Müller vom Ingenieurbüro Kirchner erklärt. Innerorts wäre ein Drei-Zentimeter-Absatz ausreichend gewesen.
Die Beschwerden sind Müller ebenso bekannt wie Niedernwöhrens Gemeindedirektor Walter Hartmann. „Wir haben uns auch gewundert“, erinnert sich Hartmann an die Planungsphase. Gerade für ältere Menschen berge gerade der Absatz am Fußweg Gefahren.
Laut Müller ist diese Kante für Sehbehinderte gedacht, die so exakter ertasten können, wo die Fahrbahn beginnt. Die Vorgaben zur Höhe und Bauweise gebe eine nationale Richtlinie vor. An der sei nicht zu rütteln, was Brockmann bestätigt. Dieser räumt indes ein, dass eine andere Bauweise für Radfahrer „viel angenehmer“ wäre.
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