Nordsehl (gus). Der Seemannsverein Niedernwöhren und Umgebung und die Gemeinde Nordsehl laden alle Interessierten zu einer Ausstellung und Referaten ein. Es werden auch Zeitzeugen, also frühere Seefahrer, vor Ort sein. Besondere Aufmerksamkeit dürften außerdem einige Schiffsbaumodelle aus der Sammlung von Ernst und Boris Wanjura auf sich ziehen.
Ernst Wanjura war einst selbst auf einem Heringslogger in der Nordsee unterwegs. In den sechziger Jahren war das, als die Heringsfängerei von Seeleuten aus dem Schaumburger Land langsam aber sicher endete. Das Schiff „Stadthagen“, auf dem er angeheuert hatte, bringen die Wanjuras als Modell mit nach Nordsehl. Außerdem wird dort die „Bayern“ zu sehen sein, mit der zeitweise eine Besatzung in See stach, die zu etwa 80 Prozent aus Schaumburger Heringsfängern bestand. Und zudem soll ein urtypischer Logger aus der Zeit um 1800 ausgestellt werden.
Hinzu kommt eine Ausstellung mit landwirtschaftlichen Geräten. Und es sind Schautafeln mit Dokumenten wie Urkunden und Fotos zu sehen – beispielsweise Abbildungen des Nordsehler Kapitäns Ernst Redeker und des Seemanns Werner Haberecht aus Nordsehl. Letztgenannter ist noch heute Mitglied des Seemannsvereins.
Der Grund für das Interesse an der Seefahrertradition kommt nicht von ungefähr. Die Siedlung Schipperkamp wurde einst so benannt, weil dort zahlreiche Matrosen und auch einige Kapitäne wohnten. Das Motto „Kartoffel trifft Hering“ spiegelt sich auch in der Kost des Abends wider: Pellkartoffeln mit Hering und Speckstippe gibt es. Dieses Gericht spielte bei der Ernährung von Seefahrerfamilien eine große Rolle, wie Hartmut Erben, Pressesprecher des Seemannsvereins, erklärt.
Dieser weist auf eine interessante Parallele von Hering und Kartoffel hin. Beide waren Importschlager des 18. Jahrhunderts. Brachten die Hollandgänger und Heringsfänger den Fisch zunehmend mit in ihre Heimat, so verbreitete Friedrich der Große den Anbau der Kartoffel in Preußen, womit der Erdapfel auch im Schaumburger Land bekannter wurde. Ein Grund mehr, sich beiden Nahrungsmitteln einmal intensiver zu widmen, finden die Veranstalter.
Anmeldungen sind mit Wilfried Block, Telefon (05721) 79 259, und bei Ernst Liebrecht, Telefon (05721) 75 462, zu vereinbaren.
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