Samtgemeinde Niedernwöhren (gus). Zusätzlich zum Sparpotenzial, das die Streichung einer Kindergartengruppe (wir berichteten) birgt, ist laut Verwaltungschef Fritz Anke eine Bevölkerungsentwicklungs-Prognose Anlass für die Debatte. Danach soll die Samtgemeinde Niedernwöhren bis 2025 950 Einwohner (elf Prozent) verlieren. Von Juli 2004 bis Juli 2011 ist die Kommune bereits um 439 geschrumpft. Die Folge sei ein Geburtenrückgang. Laut Prognose verliert die Samtgemeinde bis 2025 bei Kindern und Jugendlichen am stärksten, nämlich um 37 Prozent.
Nach Darstellung der Verwaltung sind in den Kindergärten der Samtgemeinde aktuell aber sogar 46 Plätze nicht besetzt. 14 sind in Meerbeck frei, sieben in Niedernwöhren („Alte Schule“), drei in Pollhagen. In Pollhagen gehen die beiden Erzieherinnen in 2012 in Ruhestand. Verzichtete die Kommune auf Ersatz, sparte sie viel Geld. Doch den Pollhägern die einzige Kita zu streichen, fällt Politik und Verwaltung offenkundig schwerer, als eine der drei Betreuungseinrichtungen in Niedernwöhren zu schließen. Zumal die Geburtenrate in Pollhagen steigend ist,
Hinzu kommt die Kritik am Standort des Schülerhorts, der aktuell in der Grundschule Niedernwöhren untergebracht ist. Die für den Schulausschuss naheliegende Lösung wäre daher, den Kindergarten „Alte Schule“ zu schließen und dort den Hort einziehen zu lassen.
Eine Zuhörerin fragte, warum ausgerechnet die „Alte Schule“ dichtmachen soll, dort seien nicht viele Plätze frei – und das Personal gehe auch nicht in Pension. Schulausschussvorsitzender Dieter Kubba entgegnete, es gebe auch die Möglichkeit, den Kindergarten Pollhagen zu schließen, doch es wäre „sozialverträglich“, das Personal der „Alten Schule“ nach Pollhagen zu versetzen, und sinnvoll, den Hort an den dortigen Standort zu verlegen.
Ein anderer Zuhörer war der Ansicht, es werde eine Entscheidung „übers Knie“ gebrochen. Statt jetzt auf die Schnelle etwas umzusetzen, solle lieber ein Konzept für die nächsten drei Jahre erstellt werden. Es gehe auch um die bestehenden Kooperationen mit den Grundschulen. Dafür erntete er Applaus. Dagmar Kretschmer (Schulausschuss) gab zu, die Zeit sei knapp. Aber der Rat stehe unter enormen Druck. Drei Jahre zu warten, könne sich die Kommune nicht leisten, allein wegen der bevorstehenden Pensionierungen.
Von Elternseite wurde darauf hingewiesen, dass die Schließung der „Alten Schule“ bedeuten würde, dass die Kinder in alle Himmelsrichtungen verstreut würden. Die Nähe zu Schule wäre nicht mehr gewährleistet. Ratsam sei zudem ein Blick auf die einzelnen Kita-Budgets. So sei der Zuschussbedarf pro Platz in der Kita „Abenteuerland“ und der Kita Nordsehl am höchsten.
All dies soll in die Beratungen des Schulausschusses einfließen. Dieser bereitet einen am 20. Februar zu fällenden Ratsbeschluss vor. Somit ist eigentlich alles offen. Doch eine Elternvertreterin resümierte die fast zweieinhalbstündige Debatte so: „Alles ziemlich unbefriedigend.“ Die Antwort der Platznachbarin: „Stimmt.“ Und im Anschluss setzten viele Besucher die Diskussion in Grüppchen fort.
Weichen bereits im Vorfeld gestellt?
• Gleich zu Beginn des Elternabends störte sich Andreas Neuber daran, dass Samtgemeindebürgermeister Fritz Anke gesagt hatte, es sollten alle Eltern denselben Kenntnisstand bekommen. Doch zum Elternabend seien lediglich Mütter und Väter aus Niedernwöhren und Pollhagen eingeladen worden. Ist möglicherweise bereits eine Vorentscheidung gefallen, dass die geplante Streichung diese beiden Gemeinen betrifft?
Schulausschussvorsitzender Dieter Kubba verneinte dies. Aber es müsse schnell reagiert werden, im Haushalt der Samtgemeinde gebe es dramatische Verhältnisse, es drohe ein Defizit von 600000 Euro. Etwa 60000 Euro will die Kommune bei den Kitas einsparen.
Auch Anke sagte, es sei noch nichts entschieden. Damit gab sich Neuber nicht zufrieden. Es heiße, es gehe um die Kita-Situation in der Samtgemeinde, eingeladen seien aber nur Vertreter der beiden genannten Kindergärten. Dies sage doch einiges.
Hortgruppe nach Nordsehl verlegen?
• Ob die „Alte Schule“ in Niedernwöhren ideal ist für den Hort ist, stellte Elternvertreterin Petra von Berlepsch in Frage. Dort gebe es Platz für maximal 20 Schulkinder. Samtgemeinderatsmitglied Friedrich Eickmann sagte, für ihn sei die Kita Nordsehl ein sinnvoller Hort-Standort. Dort gäbe es beste Bedingungen, schlösse man die Krabbelgruppe und die Kindergartengruppe zusammen. Die Lebenshilfe wolle sich aus der Einrichtung ebenfalls zurückziehen.
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