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Wiedensahl / Vereinsleben

Die Pferdekasse wurde einst aus der Not geboren


Die Wiedensahler Vereinslandschaft ist ausgesprochen bunt und vielfältig. Nicht nur große Vereine wie die TuSG, der Schützenverein oder die Kyffhäuserkameradschaft haben darin einen festen Platz, sondern auch „Exoten“ wie der vor über 80 Jahren gegründete Pferdeversicherungsverein Wiedensahl und Umgebung.

Auch „Lawina“, die zehnjährige Hannoveraner-Stute von Heinrich Dreyer (links) ist selbstverständlich bei der Wiedensahler „Pferdekasse“ versichert. Rechts ist Dreyers langjähriger Vorstandskollege Horst Bolte zu sehen.

© jed

Wiedensahl (jed). Die Pferdekasse, wie der Verein in der Umgangssprache genannt wird, wurde 1929 aus der Not heraus geboren. Damals war die Region landwirtschaftlich geprägt und ein Arbeitspferd war ein kostbares Gut. Der Verlust eines Pferdes war somit für jeden Betroffenen ein harter Schlag. Den galt es abzumildern, und so trafen sich am 6. Januar 1929 bei Steuber unter der Leitung von Bürgermeister Wilhelm Nickels und Adolf Peeck insgesamt 54 Pferdehalter, um die Pferdekasse zu gründen.

Im Verlauf der Gründungsversammlung wurde Wilhelm Nickels zum Vorsitzenden sowie Heinrich Blaaß zum Schriftführer und Kassierer gewählt. Dem aktuellen Vorstand gehören außer den beiden Wiedensahlern Urgesteinen Heinrich Dreyer (Vorsitzender seit 1973), Horst Bolte (Schrift- und Kassenführer seit 1980) noch Bernd Wahlmann aus Pollhagen, Hartmut Meier aus Lindhorst, Fritz Wente aus Vornhagen und Tina-Maria Meyer aus Wiedensahl an. Diese wurde vor zwei Jahren als erste und bisher einzige Frau in den Vorstand gewählt.

Die Regularien der „Pferdekasse“ haben sich in all den Jahren kaum verändert. Grundlage für die Festsetzung der Versicherungssumme ist die alljährlich stattfindende Bewertung der versicherten Pferde vom Vorstand, wobei die Summe nach oben aktuell auf 3000 Euro begrenzt ist. Je nach Umfang der gezahlten Entschädigungen hat der Versicherungsbeitrag, für den die besagte Versicherungssumme Grundlage ist, in den vergangenen Jahren zwischen drei und fünf Prozent geschwankt.

Den absoluten Höchststand an versicherten Pferden verzeichnete der Verein 1946, als 270 Mitglieder mit insgesamt 585 Pferden für eine Gesamtversicherungssumme von über einer halben Million D-Mark sorgten. Anfang der sechziger Jahre nahm der Einsatz von Schleppern in der Landwirtschaft zu und die Zahl der Arbeitspferde ging rapide zurück. Von dieser allgemeinen Entwicklung nicht verschont bleibend, ging die Zahl der bei der Wiedensahler Pferdekasse versicherten Pferde 1975 bis auf 42 zurück. Dann begann jedoch die große Zeit der Freizeitpferdehalter und mit der Pferdekasse ging es wieder stetig bergauf.

Aktuell haben 120 Pferdehalter aus ganz Schaumburg und den angrenzenden Regionen insgesamt 197 Pferde mit einer Versicherungssumme von 441 200 Euro in Wiedensahl versichert. Große Zuwachsraten habe man in den letzten Jahren zwar nicht zu verzeichnen gehabt, aber: „Wir bewegen uns mit diesen Zahlen konstant auf einem guten und hohen Niveau.“

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