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Das Beziehungsmuster

Comeback des Karos Das Beziehungsmuster

Die Mode ist in Revivallaune: Im Herbst 2017 kehrt das Karo zurück, und zwar mit Wucht. Quadrate gibt es jetzt in jeder Form: als Glencheck-, Vichy- oder Pepita-Muster. Sogar der Hosenanzug ist wieder mutig – und kariert.

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Nicht zu übersehen: Karomuster sind in diese Saison überall.

Quelle: iStock

Berlin. Manchmal könnte man meinen, die Mode habe sich in einer Zeitschleife verheddert. Die Sechziger-, Siebziger-, Achtziger- und Neunzigerjahre tauchen schließlich mit einer solchen Regelmäßigkeit wieder auf den Laufstegen auf, dass es scheint, als seien die Entwürfe geradewegs einer Zeitmaschine entnommen. Die größte Wiederentdeckung in diesem Herbst ist, mal abgesehen von der Schlaghose und dem Hosenanzug, das Karomuster.

Aber waren die Karos denn wirklich jemals weg? Schließlich liegen in den Auslagen der Herrenabteilungen seit Jahrzehnten stapelweise Herrenhemden mit kleinteiligen Karos darauf aus. Da mag sich die Kragenform zwischendurch auch verändert haben – Karos auf Herrenhemden sind ein Klassiker, der niemals verschwunden war. Das gilt übrigens auch für Holzfällerhemden aus kuscheligem Flanell, die in den Neunzigerjahren Al Borland (Richard Karn) in der Kultserie “Hör mal, wer da hämmert“ berühmt gemacht hatte, und die jetzt wieder einmal den Weg aus der Werkstatt auf den Laufsteg gefunden haben.

War das Karo lange stilistisch eher klassischen Modehäusern wie Burberry und Prada vorbehalten, haben sich nun auch die Chefdesigner von Balenciaga, Vetements, Ungaro und Alexander Wang auf das Muster besonnen. Das Karo mag nie so ganz weg gewesen sein – jetzt ist es voll da.

Klassiker für den Herbst

Klassiker für den Herbst: Karomuster kommen diese Saison ebenso lässig wie auch elegant daher – wie hier bei Prada.

Quelle: AP Images

Für Gerd Müller-Thomkins vom Deutschen Mode-Institut ist diese Rückbesinnung auf Altbewährtes übrigens keine Überraschung, sondern passt wunderbar in unsere Zeit: “Karomuster haben immer auch mit Heritage zu tun. Übersetzt bedeutet dieser Begriff nichts anderes als Erbe – gemeint sind damit Modetendenzen mit Geschichte.“ Die Modewelt bestaunt zurzeit das Gute von gestern. Noch dazu sehnen sich die Menschen nach Stoffen, in denen sie sich sicher und geborgen fühlen, die aber gleichzeitig auch lässig und elegant sind.

Die Aufregung des aufgedrehten Modezirkus der vergangenen Saisons hat sich ein wenig gelegt. Die Mode im Herbst 2017 ist etwas ausgeruhter und weniger ausgefallen als noch in den Wintern zuvor. Die Kreationen sind unauffälliger, dafür haben die Muster. wenn möglich, mehr Bedeutung. Da ist beispielsweise das zurzeit allgegenwärtige Schottenkaro, am liebsten in Rot. Dieses Muster wird auch Tartan genannt und entsteht beim Verweben unterschiedlich farbiger Fäden. Stücke mit Original-Schottenkaro sind meist aus Wolle oder sogar Tweed nach einem speziellen, dem Familienclan zugehörigen Muster gewebt. Sie haben also Geschichte.

Auch das traditionelle Glencheck-Muster setzt sich aus mehreren Farben zusammen, bei denen sich die einzelnen Felder im Ton jedoch unterscheiden. Glencheck wird übrigens oft mit dem Prince-of-Wales-Karo verwechselt, bei dem über dem Grundkaro noch ein sogenanntes Überkaro verläuft.

Glencheck, Pepita, Hahnentritt

Genauso leicht verwechseln lassen sich übrigens auch Pepita und Hahnentritt, die zurzeit vor allem auf Röcken, Blazern und Hosenanzügen zu sehen sind. Die Verwechslung liegt meist daran, dass beide Dessins oft in Schwarz und Weiß auftauchen. Dabei ist Hahnentritt eigentlich gar kein klassisches Karo: Das Muster, im französischen Original “pied de poule“ genannt, hat an den Ecken der Karos kleine Verlängerungen, die das ganze Muster so aussehen lassen, als habe ein Hahn seine typischen Abdrücke darauf hinterlassen. Das Pepita-Muster dagegen bildet tatsächlich klar abgegrenzte Karos, wenn auch im Kleinformat: Die Größe der einzelnen Karos liegt bei einem Zentimeter.

Neben den bunten Karos liegen vor allem die konsequenten Schwarz-Weiß-Muster im Trend. Sie werden kombiniert mit Accessoires oder Kleidungsstücken in kräftigen anderen Farben, zum Beispiel Stiefeln in knalligem Rot oder Blau. Und natürlich besteht die Gefahr, von großen Karos auf der Kleidung optisch ein wenig erdrückt zu werden. Zum Glück aber gibt es in diesem Herbst ausreichend Auswahl – also Karos in jeder Größe.

Von Andrea Abrell

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