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Technik & Apps Das vernetzte Fahrrad
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20:01 06.01.2017
Die Fahrräder der Zukunft sollen mehr sein als nur ein Fortbewegungsmittel: Sensoren, GPS und Vernetzung sollen für mehr Kontrolle, Sicherheit und Bequemlichkeit sorgen. Quelle: iStock
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Autos sind längst online, Traktoren und Lkw ebenso – nur das zahlenmäßig häufigste Verkehrsmittel in Deutschland ist bislang von der Digitalisierung weitgehend ausgenommen: das Fahrrad. Doch das wird sich in den kommenden Jahren ändern. Erste Hersteller der gehobenen Preisklasse bieten bereits smarte Räder an. Die Einführung auf dem Markt für breitere Käuferschichten soll bald folgen.

"Wir arbeiten an der Entwicklung eines Connected Bike", sagt Georg Honkomp, Chef der Einkaufsgemeinschaft ZEG. Das Unternehmen ist ein Zusammenschluss von knapp 1000 Fahrradhändlern und lässt unter anderem die weitverbreitete Marke Pegasus produzieren. "Ich denke, dass wir das im nächsten Jahr einführen können, den Durchbruch erwarte ich in zwei bis drei Jahren."

Digitale Diebstahlsicherung

Die denkbaren Funktionen digital vernetzter Fahrräder sind vielfältig, vom Navi bis zum über Sensoren gesteuerten Bremslicht. Die Ingenieure und Entwickler der Branche haben vor allem dreierlei im Blick: Sicherheit, Leistungsmessung und Gesundheitsdaten sowie den Service. So bietet der kleine niederländische Edelhersteller Vanmoof digitale Diebstahlsicherung: Im Rahmen ist ein GPS-Chip eingebaut, mit dessen Hilfe das Fahrrad jederzeit geortet werden kann, das Schloss lässt sich per Handy elektronisch verriegeln.

"Das erlaubt es dem Kunden, ein hochwertiges Rad zu fahren, ohne Angst haben zu müssen, dass es gestohlen wird", sagt Vanmoof-Marketingdirektor Dave Shoemack. Und hilfreich sei die GPS-Ortung auch für den zerstreuten Radbesitzer, der routinemäßig vergisst, wo er sein Zweirad abgestellt hat, meint der neuseeländische Manager.

Ein technisches Problem ist die Stromversorgung. "Man braucht entweder ein E-Bike oder einen ausreichend starken Dynamo, um den Energiebedarf von Bluetooth, GPS und anderen smarten Komponenten zu decken", sagt Shoemack.

Jederzeit zu orten: Das SmartBike der Manufaktur Vanmoof verfügt über einen GPS-Chip im Rahmen und kommt mit der passenden App. Quelle: Vanmoof

Neben der GPS-Ortung sind Wartungs- und Erste-Hilfe-Funktionen naheliegende Einsatzgebiete von smarter Fahrradtechnik. Ein digitales Rad könne "beispielsweise den Service verständigen, wenn die Bremsen verschlissen sind", sagt ZEG-Chef Honkomp. "Es kann auch nach einem Sturz automatisch einen Notruf absetzen."

Ganz neu ist dieses Konzept nicht: Bereits im Herbst 2015 lancierte der Radhersteller Bulls gemeinsam mit dem Motorenhersteller Brose und der Deutschen Telekom ein entsprechend ausgestattetes E-Bike, das von 2017 an in Geschäften stehen soll.

Über GPS und diverse Sensoren ist das Zweirad in der Lage, abrupte Bremsmanöver oder einen Sturz des Fahrrads zu erkennen. Tritt eine solche Situation ein, setzt die in den Fahrradrahmen integrierte Steuerungseinheit einen Anruf an das Handy des Zweiradbesitzers ab. Nimmt dieser nicht ab, wird ein Notruf samt Positionsbeschreibung abgesetzt.

Software-Updates und Selftracking

Damit orientiert sich das Bulls-Rad an den sogenannten E-Call-Systemen von Autos, an Notrufsystemen, die von 2018 an in allen Neuwagen Pflicht sind. Auch ein Überwachungsfeature für Verschleißteile, vollautomatische Software-Updates und die Möglichkeit, den Motor via App für bestimmte Streckenprofile zu programmieren, hat das unter dem Namen Connected Bike firmierende Hightech-Fahrrad an Bord.

Neben der Implementierung von Wartungs- und Sicherheitsmerkmalen nehmen Fahrradhersteller zunehmend spaßigere Features in den Blick – vor allem Selftracking-Funktionen wie die Erfassung und Protokollierung von leistungsbezogenen Daten wie Pulsfrequenz, zurückgelegte Distanz und absolvierte Route. Smartphones und Fitnessuhren bieten derartige Möglichkeiten bereits seit Jahren.

Das Connected Bike von Bulls bietet eine Vielzahl digitaler Features. 2015 vorgestellt, soll es 2017 marktreif sein. Quelle: Bulls

Aber auch jenseits sportlicher Aktivitäten, etwa im Berufsleben, könnten digitale Fahrräder nützliche Dienste leisten, meint Dave Shoemack: "Das Rad sagt dir, wann du zum nächsten Termin musst."
Am Fahrrad hat sich seit Ende des 19. Jahrhunderts technisch deutlich weniger verändert als bei Autos. Die Digitalisierung des Drahtesels und vor allem die E-Bikes bringen neuen Schwung in die Branche.

"Wir gehen davon aus, dass in Zukunft jedes zweite Rad im Erwachsenenbereich ein E-Bike sein wird", sagt ZEG-Chef Honkomp. "Seit zwei Jahren haben wir eine starke Verschiebung hin zu jüngeren Käufern – zum Beispiel Mütter, die den Nachwuchs im Anhänger zum Kindergarten fahren", sagt Honkomp.

Das E-Bike streift sein Seniorenimage ab. Noch vor fünf Jahren lag das Durchschnittsalter der Käufer bei über 60 Jahren. Heute setzen vor allem die 40- bis 45-Jährigen auf Elektroantrieb.

Von Carsten Hoefer

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