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Sehen “Star Wars: Rogue One“ und mehr DVD-Tipps
Sonntag Tipps & Kritik Sehen “Star Wars: Rogue One“ und mehr DVD-Tipps
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19:51 12.05.2017
Quelle: Fotolia
Hannover


Star Wars: Rogue One: Damals, 1977, am Ende des alleresten “Star Wars“-Films war der Todesstern der dunklen Seite der Macht, die gravierendste aller Massenvernichtungswaffen des Imperiums, so einfach zum Zerplatzen zu bringen wie ein Blechbriefkasten durch Silvesterböller. Als dann der Abspann lief und die erste Begeisterung der Science-Fiction-Fans abgeklungen war, fragte man sich doch, wie diese Ingenieursdilettanten von der Dunklen Seite je an die Macht gelangen konnten.

Genau diese Unstimmigkeit wird in “Star Wars: Rogue One“ Gegenstand eines Films, der außerhalb der regulären dritten “Star Wars“-Trilogie steht. Boshafte Zeitgenossen würden den Film die wohl teuerste Korrektur eines Plot-Lochs nennen. Das eine Einzelstory erzählende “Star Wars“-Spinoff „Rogue One“ ist indes ein handfester Kriegsfilm, dessen Düsternis an Irvin Kershners “Das Imperium schlägt zurück“ (1980) erinnert, den zuvor besten Film des Franchise. Felicity Jones und Diego Luna geben als Rebellenduo Jyn Erso und Cassian Andor ein natürliches und identifikationsstiftendes Heldengespann ab.

Regisseur Gareth Edwards (“Godzilla“) verzichtet wohltuend suf die gewaltsame Einschraubung von Witz und Witzfiguren, die schon so viele ernst gemeinte 200-Millionen-Dollar-Blockbuster ruiniert haben. Kein “Star Wars“-Film zuvor hat uns diese im Gefechtsstand befindliche Welt so nahe gebracht – eine Welt von Vereinnahmung, Widerstand, Flucht, Gewalt und Tod, in der Glück auf Dauer unmöglich scheint. Ein Märchenfilm gegen Nationalisten, Rassisten, Populisten und alle bedenklichen -isten unserer Zeit, ein Film, der einem sagt, dass man alles wagen muss für die Freiheit, dass diejenigen stets von besonderem Übel sind, die Frieden reden und Tod betreiben.

Star Wars: Rogue One Quelle: Verleih

Taboo, Staffel 1: James Keziah Delaney hat alles geerbt, auch Nootka Sound, das Land, das sein wahnsinnig gewordener Vater an der Westküste Amerikas bei Vancouver erlangte und das dessen Anwalt als wertlos darzustellen nicht müde wird. Es ist Schlüsselland für den Handel mit China und eine Handelsgesellschaft will es sich von seiner Schwester unter den Nagel reißen. Aber der durch und durch mysteriöse Sohn, der mit 14 Diamanten und vielen Geheimnissen aus Afrika zurückgekehrt ist, ist nicht der Mann, den man mit vorgespielten Nettigkeiten und Geld über den Tisch zieht. Er will das Land selbst übernehmen, treibt eine Gruppe merkwürdiger Vertrauter zusammen, um in die Neue Welt aufzubrechen und sein Glück zu machen beim Aufbau Amerikas.

Stephen Knights Serie “Taboo“ ist ein langsam anrollendes Historiendrama, das die prachtvoll schmutzstarrende Welt vom Anfang des 19.Jahrhunderts mit einem gehörigen Schuss indianischer Magie würzt. Es dürfte all jenen gefallen,denen die Westernserie “Deadwood“, das Wikingerdrama “Vikings“ oder die Piratenepos “Black Sails“ lieben. Tom Hardy führt als rauer Geselle mit knarrender Stimme ein Ensemble an, in dem auch Oona Chaplin, Franka Potente und Jonathan Pryce spielen.

Taboo, Staffel 1 Quelle: Verleih

Das Morgan-Projekt: Die Replikantin Morgan hat sich in einem Verhör provozieren lassen und ihrem verbalen Peiniger (Paul Giamatti) die Kehle durchgebissen. Damit hat sie ihr Dasein verwirkt, ein klärendes Gespräch mit der Firmenbeauftragten Lee (Kate Mara) scheint zu riskant. Zu ihrer Entschuldigung: Morgan (Anya Taylor-Joy, bekannt aus “The Witch“) steckt im Körper einer Erwachsenen, ist aber erst fünf Jahre alt und folglich in fast allen Belangen noch ein Kind. Silbrige Haut und eine kaum beschreibbare Haarfarbe kennzeichnen sie als prototypisches Wesen aus synthetischer DNA. Sie ist reaktionsschnell, bärenstark und hegt eine Sehnsucht, ihre Zelle im Labor zu verlassen, um Teil der Natur zu werden.

Luke Scott, Sohn von Ridley (“Alien“, “Gladiator“), füllt den verwaisten Platz von Onkel Tony (“Unstoppable“) mit einem vielversprechenden Regiedebüt, einer modernen Frankensteiniade, die in der ersten Hälfte ruhig und subtil verläuft. Dann wehrt sich Morgan gegen ihr Todesurteil und wer ihr bei der versuchten Exekution nicht rettend zur Seite stand, wird fortan als Feind betrachtet. Einzig die empathische Amy (Rose Leslie, bekannt als Wildfrau Ygritte aus der Serie “Game of Thrones“) wird verschont. Und so wird die Forschungsstation im tiefen Wald zur Todesfalle und der nachdenkliche Film in der zweiten Hälfte zum actionlastigen Scifi-Thriller.

Wenn Morgan konstatiert “Ich fühle mich lebendig“ oder “Ich bin noch ein Kind“, wenn eine Träne auf ihrer Wange glitzert, spürt man Scotts Verbeugung vor Papa Ridleys “Blade Runner“, der ebenfalls in einer tödlichen Begegnung zwischen Kreatur und Kreator gipfelt. Viele namhafte Darsteller (Toby Jones, Brian Cox, Jennifer Jason Leigh) tun ein Übriges, damit man diese Scifi-Eskalation nicht allzu schnell vergisst.

Das Morgan Projekt Quelle: Verleih

Girl on the Train: Tom und Anna haben ein Kindermädchen, Megan, das den Job aufgibt, weil sie Mutterglück nicht ertragen kann und ihr Partner Scott sie bedrängt, mit ihm eine Familie zu gründen. Sie beginnt eine Psychotherapie und ist eines Tages verschwunden. Toms Ex Rachel ist nie über das Ende ihrer Ehe hinweggekommen. Sie trinkt sich durch die sieben Täler der Traurigkeit und fährt jeden Tag an ihrem alten Haus vorbei, wo Tom und Anna glücklich sind. Sie sieht in der Nachbarschaft auch Megan und Scott auf dem Balkon, die sie sich in ihrer Fantasie als das perfekte Paar ausmalt, bis sie sie dort in den Armen ihres Psychotherapeuten erwischt.

Rachel, die gelegentlich Blackouts hat, befürchtet, ob einiger Erinnerungsfetzen etwas mit Megans Verschwinden zu tun haben zu können, versucht, der Wahrheit auf den Grund zu gehen, betritt Megans und ihr altes Leben, verstrickt sich in Lügen und kommt der Wahrheit schließlich lebensgefährlich nahe. Tate Taylor (“The Help“) inszeniert einen der Chronologie zuwider tänzelnden Thriller, der mit Emily Blunt, Rebecca Ferguson, Justin Theroux, Luke Evans und Haley Bennett ein starkes Ensemble aufweist.

Girl On The Train Quelle: Verleih

Snowden: Geheimhaltung ist Sicherheit und Sicherheit ist der Sieg, das wird Edward Snowden von seinem CIA-Chef (Rhys Ifans) vermittelt. Was Snowden in Diensten der Staatspitzelei aber vor allem lernt, ist, dass Patriotismus und Verrat manchmal dasselbe sein können. Oliver Stone schafft es in seinem stärksten Film seit “JFK“ mit visuellen Mitteln, die universelle digitale Beobachtung durch den amerikanischen Geheimdienst als Bedrohung in ihrem ganzen Horror festzumachen, als Wahnsinn, Paranoia, dienend der Sicherstellung nicht zuletzt der wirtschaftlichen Vormacht des eigenen Landes. “Snowden“ stellt auch Barack Obama ein schlechtes Zeugnis aus, weil der Präsident des Neubeginns gegen die Überwachung nicht einschritt und damit die Freiheit der freien Welt vom Ideal zur Lüge machte.

Joseph Gordon Levitt liefert mit Edward Snowden eine wahre Heldenrolle ab, größer als die angedeutete von Batmans Sidekick Robin, die nach Christopher Nolans “The Dark Knight Rises“ nie in einen eigenen Film mündete. Der kleine Mann stellt sich gegen den Biggest Brother aller Zeiten. Man ist geneigt, all das empört für bare Münze zu nehmen, aber natürlich ist dieser Film eine subjektive Darbietung. Kann man Oliver Stone vertrauen? Man hat die Wahl.

Snowden Quelle: Verleih

Jack Reacher – Kein Weg zurück: Edward Zwick hat mit Tom Cruise das ansehnliche Historienstück „Der letzte Samurai“ inszeniert, sein Versuch Jack Reacher, den Romanhelden von Lee Child, in einem zweiten Film zum Protagonisten einer Filmreihe zu machen, geht nicht ganz so gut aus. Zwick hat keine Erfahrung darin, wie man einen simplen Actionstreifen in Schwung bekommt. Er erzählt eine Geschichte, über die zu wissen ausreicht: Der Ex-Militärpolizist Reacher wird von seinem alten Brötchengeber nach Washington beordert, findet dort seine Kontaktperson (Colbie Smulders) wegen Hochverrats verhaftet vor, steht selbst unter Mordverdacht und befindet sich alsbald auf der Flucht.

Rennen. Schießen. Kämpfen. Tom Cruise spielt seinen Reacher, den Ex-Miltärpolizist, den einsamen Wolf ohne Gestern wie auf Autopilot,der jahrzehntelange ewig junge Sonnyboy zeigt dabei erste Anzeichen, seine besten Zeiten hinter sich zu haben. Einen unlustigen Running Gag gibt’s auch: Auf die militärische Anrede “Major“ besteht Reacher immer wieder sauertöpfisch darauf, ein Ex-Major zu sein.

Höhepunkt der Sause ist eine Rauferei, während der es auchmal ein ganzes Stockwerk tiefer geht, während auf den Straßen ein Halloween-Umzug stattfindet. Christopher McQuarrie hatte mit den ersten Reacher-Film ein deutlich eindrucksvolleres Action-Statement abgeliefert,wobei in heutigen Zeiten freilich jede Actionfigur begrüßt wird, die keinen irren Anzug trägt und mit Superkräften ausgestattet ist.

Jack Reacher – Kein Weg Zurück Quelle: Verleih

Die Legende des Ben Hall: Australien 1864. Die Polizei zieht ihr Netz um die Räuberbanden enger, die sich Buschranger nennen. Hohe Kopfgelder machen die Jagd auf die Vogelfreien zu einer Sache auf Leben und Tod. Der berühmteste war Ned Kelly, den 1970 Mick Jagger spielte. Der interessanteste von allen aber war Benjamin Hall, dessen Raubzüge unter der Maxime “keine Toten hinterlassen“ abliefen. Die Verfilmung der letzten Monate seines Lebens war ein jahrelang verfolgtes Herzensprojekt des Regisseurs Matthew Holmes, der mit schmalem Budget einen respektablen Film drehte. Gut, nicht alle Schauspieler hier sind Asse ihres Berufsstands, die Dialoge sind manchmal zu gestelzt und die Länge ist … nun ja … lang.

Historisch ist „Ben Hall“ aber der akkurateste der hierzulande kaum bekannten Filme über die Buschranger, wiewohl er den mysteriösen Absturz Halls in die (Schwer-)Kriminalität auch nicht erklären kann. Er ist atmosphärisch, spannend, detailbewusst - ein gutes Beispiel für ein Filmland, das international immer noch am Rand steht. Das indes historische Geschichten zu erzählen hat, die sich locker mit denen des amerikanischen Westens messen können. Die Story, wie Ben Hall (Jack Martin) mit seinem alten Kumpel John Gilbert (Jamie Coffa) und dem Neuzugang John Dunn (William Lee) seine alte Gang wieder aushebt und in den Untergang reitet, ist ein Western – nur eben von anderswo. Durchaus empfehlenswert.

Die Legende des Ben Hall Quelle: Verleih

The Whole Truth: Das Urteil ist schon zu Beginn des Prozesses so gut wie gesprochen. Der Richter teilt vor dem Beginn der Sitzung mit, er “schätze ein schnelles Verfahren“ und ist im Geiste schon wieder zu Hause. Mike Lassiter (Gabriel Basso), 17 Jahre alt, hat seinen Vater Boone mit dem Messer getötet, er hat die Tat gestanden – alles klar. Aber nicht für Strafverteidiger Richard Ramsay (Keanu Reeves). Er war der Anwalt der Familie, will den Jungen seiner zerbrechlichen Mutter (Renée Zellweger) zuliebe unbedingt vor dem Gefängnis bewahren, doch der offensichtliche Täter bleibt im Gerichtssaal stumm.

In nicht immer ganz zuverlässigen, weil zuweilen subjektiven Rückblenden zeigt Courtney Hunt, dass der Vater ein angespannter, gestörter Macho war, der den sensiblen Sohn hart rannahm und jede Gelegenheit nutzte, seine Ehefrau zu demütigen und zu betrügen. Was durch die Flashbacks nicht erklärt wird, geben Ramsays Off-Kommentare preis. Ohne jede Spannungserzeugung eilt die Regisseurin (“Frozen River“), die etwas über die Manipulation der Wahrheit im Gerichtssaal erzählen möchte, mit dem unterforderten Zuschauer ihrem vorhersehbaren Ende entgegen.

Schwacher Film, starkes Spiel: Zellweger liefert erschreckend gute Arbeit als erschöpfte, verhärmte Frau eines empathiefreien, reichen, gewalttätigen Mannes – unsere geliebte Bridget Jones ist auch bei zweimaligem Hinsehen nicht wiederzuerkennen.

The Whole Truth Quelle: Verleih

Von Matthias Halbig

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