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Hört auf diese Stadt

Eröffnung der Elbphilharmonie Hört auf diese Stadt

Am 11. Januar eröffnet die Elbphilharmonie – ein Paukenschlag, nicht nur für das Kulturleben Hamburgs. Das Bauwerk begeistert schon jetzt als Architekturikone. Und die Musiker? Wie arbeitet es sich an einem Ort, von dem alle Welt ein Klangwunder erwartet?

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Nach fast zehnjähriger Bauzeit wird die Hamburger Elbphilharmonie am 11. Januar 2017 eröffnet: Ein Blick hinter die Kulissen des Konzertbaus der Superlative.

Quelle: Maxim Schulz

Iveta Apkalna ist frisch verliebt. Sie hat sie alle gehabt. In Amerika, Asien und Europa. Jetzt ist sie eine feste Bindung eingegangen. "Der erste Eindruck zählt. Es ist wichtig, wie es beginnt. Damit sich eine langfristige Beziehung daraus entwickelt", sagt die Frau mit dem blonden Bob und klingt dabei fast zärtlich. Wie man eben über den Liebsten spricht.

Ihr neuer Partner, das ist die prachtvolle Orgel der Hamburger Elbphilharmonie. Apkalna, in Berlin lebende Lettin und weltweit gefeierte Musikerin, ist die Titularorganistin des neuen Musiktempels, der kurz vor der Eröffnung steht. Sie gibt selbst Konzerte, ist zugleich aber auch Intendantin des gesamten Orgelprogramms des Hauses. Speziell für ihre Orgel sollen zeitgenössische Musiker Stücke komponieren.

Eigentlich sind Konzertorganisten kein sesshaftes Volk. Sie kommen zum Instrument, nicht umgekehrt. Erst recht in Zeiten, in denen kaum noch ehrgeizige Orgelneubauten realisiert werden, aus Kostengründen, aber auch weil Orgelmusik jenseits des Gottesdienstes immer mehr zur Nischensache wird. Was aber wäre ein Konzerthaus der Weltklasse ohne Orgel, die Königin der Instrumente?

Wagt eine feste Bindung: Iveta Apkalna ist Titularorganistin der Elbphilharmonie.

Wagt eine feste Bindung: Iveta Apkalna ist Titularorganistin der Elbphilharmonie.

Quelle: Elbphilharmonie

Mit einer wahrhaft königlichen Orgel der Bonner Traditionswerkstatt Klais setzt die Hamburger Elbphilharmonie deshalb ein Ausrufezeichen: 69 Register, verteilt auf 4765 Pfeifen, bietet das 25 Tonnen schwere Instrument.

Seine ganze Raffinesse entfaltet das Instrument, wenn Iveta Apkalna die "Endstufe" zündet: eine aus vier Registern bestehende Fernorgel, die diskret hinter dem Ufo-förmigen Klangreflektor über der Bühne versteckt ist. Mehr als 2 Millionen Euro hat der allein über Spenden finanzierte Bau des Instruments gekostet. Angesichts der Kostenexplosion des Gesamtprojekts Elbphilharmonie ein Klacks.

Nicht nur der Klangfarbenreichtum hat es der jungen Hausorganistin der Elbphilharmonie angetan: "Die Orgel klingt runder und wärmer als andere Instrumente. Ich kann mit ihr zwar auch ganz laut und konfrontativ sprechen, mich aber auch diplomatisch ausdrücken", sagt Apkalna. Jedoch kennt sie auch die Macken ihres neuen Partners inzwischen genau: "Eine Orgel ist ein kompliziertes Wesen. Manchmal hat sie schlechte Laune", sagt sie und lässt den Blick durch das weite Rund des Großen Saals schweifen.

Tränen bei der ersten Orchesterprobe

Was für ein Arbeitsplatz! Sanft ansteigend erheben sich die Ränge über der Bühne. Hier, in der Mitte des Konzertsaals, wird man sich der gewaltigen Dimensionen erst richtig bewusst. Und doch fühlen sich Musiker wie Besucher hier geborgen wie in einer Arche. Alle 2100 Plätze werden besetzt sein, wenn die Elbphilharmonie am 11. Januar "eingespielt" wird – und Apkalna wird einen gewichtigen Part beim Auftaktkonzert des dreiwöchigen Eröffnungsmarathons spielen.

Lampenfieber hat die Organistin dennoch nicht: "Wir Organisten spielen ständig in bombastischen Räumen wie dem Kölner Dom. Da sind uns solche Dimensionen eher vertraut als etwa einem Cellisten." Bei der ersten Orchesterprobe aber sind bei manchen Musikern Tränen geflossen. So überwältigend, erzählt die Geigerin Marietta Kratz, sei der Klang. So frei.

Beflügeln soll die Elbphilharmonie schließlich nicht nur Klassikliebhaber, Architekturfreaks und Städtetouristen, sondern vor allem die Künstler, die den vollmundigen Anspruch der Hansestadt, einen der zehn besten Konzertsäle der Welt zu haben, aus grauer Theorie in klingende Wirklichkeit überführen sollen. In erster Reihe steht das NDR Sinfonieorchester, das nun NDR Elbphilharmonie Orchester heißt, ein Klangkörper von europäischem Rang. Vor zwei Monaten hat das Orchester, das seit 2011 von Thomas Hengelbrock geleitet wird, seine Räume in der Elbphilharmonie bezogen.

Der Große Saal vermittelt trotz seiner Größe Wärme und Geborgenheit. Kein Platz ist weiter als 30 Meter von der Bühne entfernt.

Der Große Saal vermittelt trotz seiner Größe Wärme und Geborgenheit. Kein Platz ist weiter als 30 Meter von der Bühne entfernt.

Quelle: Elbphilharmonie

"Dieses Konzerthaus ist das Allerschönste, was einem Orchester passieren kann. Klanglich, architektonisch, ästhetisch. Wir haben noch nie in einem so wunderbaren Saal gespielt", sagt die stellvertretende Konzertmeisterin Marietta Kratz. Musizieren im Großen Saal, für dessen Akustik der Japaner Yasuhisa Toyota, eine Art Godfather des kristallklaren Klanges, verantwortlich zeichnet, ist ihr Dienstalltag.

"Wenn Gastdirigenten oder Solisten dazukommen, machen sie nach den ersten Tönen Augen wie das Kind vorm Weihnachtsbaum", beschreibt die Geigerin dieses "Elphi"-Gefühl, dem sich selbst abgeklärte Bühnenprofis kaum entziehen können. Für die Musiker des Residenzorchesters aber beginnt das Glücksgefühl schon viel früher, gleich nach der Ankunft im elften Stock.

"Seit 27 Jahren bin ich beim NDR stellvertretende Konzertmeisterin, aber ein wirkliches Orchesterzuhause hatten wir nie – und so komfortable Arbeitsbedingungen auch nicht", sagt Kratz. Ob im Funkhaus oder in der Hamburger Laeiszhalle, wo das NDR Sinfonieorchester regelmäßig gespielt hat, die Musiker sind immer nur zu Gast gewesen. Hier aber spielen sie die Hauptrolle.

Mehr als ein Kultur-Raumschiff

Es äußert sich im Kleinen: Jeder hat seinen eigenen, abschließbaren Spind, der passgenau aufs Instrument zugeschnitten ist –  und wer es nicht will, muss nicht mehr für jede Probe und jedes Konzert sein Instrument durch die Stadt schleppen. Und es äußert sich in der Architektur: "Das Schönste sind die Stimmzimmer im elften Stockwerk", sagt Kratz. "Ganz intim, ganz ruhig, mit Fenstern bis auf den Boden – und einem sensationellen Blick auf den Hafen. So einen Ort zum Einstimmen meiner Geige finde ich auf der Welt nicht noch einmal."

Die Wertschätzung, die die Musiker hier erfahren, gehört zum Gesamtkonzept. Majestätisch und federleicht zugleich thront das Konzerthaus auf dem alten Kaispeicher A im Hamburger Hafen. Aber: Die vom Baseler Architekturbüro Herzog & de Meuron entworfene Philharmonie will mehr sein als ein Kultur-Raumschiff, mehr als das spektakuläre, dem Alltag entrückte neue Wahrzeichen der Hansestadt. Die Elbphilharmonie soll ein Haus für alle Hamburger sein, die inoffizielle Stadtmitte. Der Plan scheint aufzugehen.

Seit Hamburgs derzeit wohl schönster Balkon, die in 37 Metern Höhe gelegene Aussichtsplattform der Elbphilharmonie, Anfang November eröffnet hat, fahren jeden Tag bis zu 13 000 Besucher auf der 80 Meter langen Rolltreppe hinauf, lustwandeln auf der Plaza, genießen den grandiosen Panoramablick. Ein Ambiente wie auf den öffentlichen Marktplätzen der Antike: ein Ort des Sehens, des Fachsimpelns und eben der Kultur.

Das einstige NDR Sinfonieorchester zieht in die Elbphilharmonie – und freut sich über seine neue Wirkungsstätte, die etwa dem Hornisten Dave Claessen im Stimmzimmer einen atemberaubenden Ausblick beschert.

Das einstige NDR Sinfonieorchester zieht in die Elbphilharmonie – und freut sich über seine neue Wirkungsstätte, die etwa dem Hornisten Dave Claessen im Stimmzimmer einen atemberaubenden Ausblick beschert.

Quelle: Elbphilharmonie

Im Inneren setzt der markante Glaskubus mit der wellenförmigen Dachkonstruktion auf Großzügigkeit, Transparenz und wohltuend weiche Formen. Das Motiv des Kreises dominiert von den kleinen Punkten auf den bedruckten Fenstern über die Programmbildschirme bis zu den runden Lampen. Rechte Winkel gibt es nicht in den Foyers und Sälen. Alles scheint in organischen Schwüngen dahinzufließen. Und der Besucher fühlt sich selbst wie Teil einer Welle, die sanft durch die Räume schwappt.

Der einladende Charakter des Hauses zeigt sich selbst dort, wo es Besucher am wenigsten erwarten. Zum Beispiel auf den berühmten "billigen Plätzen". Auf wundersame Weise, behaupten die Musiker, sei der Klang dort oben am allerschönsten. An anderen Stellen des Großen Saals scheinen die Pfeifen der Orgel durch die altweiße Akustikverkleidung aus 10 000 Gipsfaserplatten hindurch wie Adern durch Haut.

Einige der Pfeifen direkt neben den Sitzplätzen darf man sogar anfassen. Eigentlich ein absolutes No-Go, für das hochempfindliche Material sind Hautfett und Schweiß pures Gift. Doch um dem niedrigschwelligen Anspruch der Elbphilharmonie gerecht zu werden, wurden die Pfeifen mit einer Versiegelung überzogen, der berührungsfreudige Besucher nichts anhaben können.

Das Ergebnis überstrahlt die Skandale

Noch steht auf der Treppe zu den Foyers ein Schild mit der Aufschrift "Hier spielt ab 11. Januar die Musik". Das Motto des Eröffnungsabends stammt aus Richard Wagners "Parsifal": "Zum Raum wird hier die Zeit". Eine Anspielung auf die Baudauer des Konzerthauses von stolzen zehn Jahren? Beweis für Selbstironie ist auch die Einladung der Einstürzenden Neubauten, die am 21. Januar Klänge der Klassik bieten.

Inzwischen scheint sich das bisher eher wankelmütige, erst euphorische, dann verbitterte Verhältnis der Hamburger zu "ihrer" Elbphilharmonie in eine belastbaren Beziehung entwickelt zu haben. Angesichts des sensationellen Ergebnisses, das weit über Hamburgs Grenzen hinaus strahlt, wird der Skandal um die Verschiebung der eigentlich für 2010 geplanten Eröffnung und die Kostenexplosion des öffentlichen Baukostenanteils von 272 auf 789 Millionen Euro (Baukosten insgesamt: 866 Millionen Euro) zur Fußnote.

Vor ein paar Jahren, als das Projekt zur Hamburger Variante des Hauptstadtflughafens BER zu werden drohte, hätten das die wenigsten gedacht. Heute sprechen die meisten in der Stadt hingegen so liebevoll wie lässig von der "Elphi". Sie holen das neue Wahrzeichen gewissermaßen von seinem backsteinernen Sockel. Ein erster Schritt der Aneignung.

Querschnitt durch die Elbphilharmonie

Alles in einem Haus: Vom großen Saal über die öffentliche Plaza bis zu integriertem Hotel und Parkhaus ist der gesamte Elbphilharmonie-Bau auf kulturelle Rundumversorgung ausgelegt.

Quelle: Elbphilharmonie

Auf ganz eigen Art haben sich die Musiker das magische Rund des Großen Saals angeeignet. Eine derart transparente und tiefenscharfe Akustik stellt das Orchester vor neue Herausforderungen. Um zu einem perfekt ausbalancierten Ensembleklang zu finden, haben die Musiker lange mit der Sitzordnung experimentiert. "Dieser Aufwand lohnt sich", meint die stellvertretende Konzertmeisterin Kratz: "Ich glaube sogar, dieser fabelhafte Saal wird uns noch besser machen."

Die Berlinerin beruft sich da auch auf einen Onkel, der lange bei den Berliner Philharmonikern gespielt hat: "Er erzählt gerne davon, was für einen musikalischen Schub die Eröffnung der hochmodernen Philharmonie 1963 dem Orchester gebracht hat. Und er sagt: Wenn ihr eure Chance als Orchester der Elbphilharmonie nicht wahrnehmt, dann seid ihr selbst schuld."

Auf einen derartigen Satz nach vorn hoffen in Hamburg derzeit viele – vor allem die Musikszene der Hansestadt, die hinter Städten wie Berlin, München oder Dresden bislang nur zweite Geige spielte. Das Konzerthaus, das diesem Spitzenanspruch gerecht wird, hat Hamburg jetzt. Und Spitzenmusiker, die wie Iveta Apkalna und Marietta Kratz durch den Zauber des Raumes zu künstlerischen Sternstunden beflügelt werden.

Von Nina May und Susanne Iden

Wo gibt es Karten:
Für das erste Halbjahr 2017 sind alle Konzerte im Großen Saal ausgebucht. Mit etwas Glück ergattern Kurzentschlossene aber noch Tickets für Symphoniekonzerte im Juni sowie Konzerte im Hamburg Foyer oder im Kleinen Saal. Preise zwischen 109,90 Euro und 6 Euro; Karten auf www.elbphilharmonie.de oder über die Ticket-Hotline unter 040 357 666 66.

Interview mit Elbphilharmonie-Intendant Christoph Lieben-Seutter
Christoph Lieben-Seutter

Christoph Lieben-Seutter, geboren 1964 in Wien, ist seit 2007 Generalintendant der Elbphilharmonie und der Laeiszhalle in Hamburg.

Quelle: Elbphilharmonie

Sie sind seit 2007 in Hamburg: als Generalintendant der Laeiszhalle – aber vor allem der Elbphilharmonie, die erst jetzt, zehn Jahre später, eröffnet wird. Was ist das für ein Gefühl, endlich durchstarten zu können?
Ein fantastisches. Zumal die Elbphilharmonie auf den letzten Metern, am Ende eines nicht immer leichten Weges, noch atemberaubender geworden ist, als wir uns das all die Jahre erhofft haben.

Zweifellos ist die Elbphilharmonie atemberaubend – aber eben auch viel teurer, als die Vernunft erlaubt. Sind die maßlos überzogenen Baukosten auch eine Hypothek für den Intendanten Lieben-Seutter?
Wie jeder andere Steuerzahler bedaure ich natürlich, dass die Baukosten aus dem Ruder gelaufen sind. Zugleich war aber auch immer klar, dass diese Probleme nichts mit dem Konzept und den Inhalten zu tun hatten. Insofern fühle ich mich durch die Baukosten nicht zusätzlich gefordert. Entscheidend ist – abgesehen davon, dass sich die Stadt einen der besten Konzertsäle der Welt gewünscht hat –, dass die Elbphilharmonie ein Haus für alle Menschen sein soll. Darin sehe ich die größte und wichtigste Herausforderung meines Jobs. Dieser Anspruch erfüllt sich schon vor der Eröffnung ganz hervorragend auf der Plaza, die schon nach sechs Wochen mehr als 300 000 Besucher hatte. Die Anziehungskraft ist gewaltig, man spürt, dass die Begeisterung für die Elbphilharmonie durch alle Schichten geht. Das macht sich auch im Kartenvorverkauf bemerkbar:  Wir haben etwa in kulturferneren Stadtteilen Konzertreihen für kleines Geld angeboten. Das Interesse dort ist ebenso hoch wie in Blankenese oder Harvestehude.

Das Konzertleben in der Elbphilharmonie wird zum großen Teil von Fremdveranstaltungen geprägt sein. Wie wollen Sie da Ihrer Aufgabe gerecht werden und dem Programm eine schlüssige und unverwechselbare Handschrift geben?
"Handschrift" ist weniger meine Aufgabe. Es geht darum, die Hamburger Musikszene zu fördern, bestmöglich mit den lokalen Orchestern und Veranstaltern zu kooperieren und Programme zu machen, die hochkarätig, breit gefächert und zugänglich sind. Der Anteil eigener Veranstaltungen ist mit einem Drittel ausreichend genug, um profilbildende Programme und Festivals zu machen. Und die sogenannten Fremdveranstaltungen sind ja eher Veranstaltungen von Freunden, vor allem des NDR Elbphilharmonie Orchesters und des Philharmonischen Staatsorchesters Hamburg, die fortan all ihre Konzerte in der Elbphilharmonie bestreiten werden. Aber auch zu den Privatveranstaltern pflegen wir nach nicht immer reibungslosen Jahren inzwischen ausgezeichnete Kontakte. Gemeinsam stricken wir für die Elbphilharmonie ein Programm von durchgehend hoher Qualität und Dichte.

Und wenn ein Veranstalter nicht das gewünschte Niveau bieten kann?
Dann sagen wir ihm ab. Das haben wir inzwischen schon einige Male tun müssen. Wir lassen keine Konzerte zu, die dem Image des Hauses schaden könnten.

Welcher Etat steht Ihnen zur Verfügung?
Die Stadt stellt uns jährlich 6 Millionen Euro zur Verfügung. Dazu kommt, was wir von Sponsoren und Förderern akquirieren. Zudem hängt der Etat natürlich auch von der Auslastung der Elbphilharmonie ab – und die ist derzeit hervorragend.

Hochkultur ist stets ein Zuschussgeschäft. Gilt das auch für die Elbphilharmonie?
Da die Konzertkarten für jedermann erschwinglich sein sollen, können die Kosten eben nicht allein durch den Kartenverkauf gedeckt werden. Zudem ist die Elbphilharmonie viel größer als ein normales Konzerthaus, das schlägt sich auch in den Betriebskosten nieder. Dennoch spielt Wirtschaftlichkeit eine große Rolle. Wir streben an, im Rahmen unserer Budgets den künstlerischen Output zu maximieren.

Die Elbphilharmonie erhebt den Anspruch, zu den wohlklingendsten Konzertsälen der Welt zu zählen. Einige namhafte Akustiker stellen das infrage, etwa, indem sie die Tauglichkeit des Weinbergkonzepts, also die Anordnung der Zuhörer rund um das Orchester, bezweifeln. Kritik wurde auch laut, weil es bei der Planung keine klaren definierten Zielwerte gegeben hat, zum Beispiel bezüglich der Nachhallzeit. Ein weiterer Einwand betrifft das Volumen des Saals, das zu groß sein soll, um auf allen Plätzen die volle dynamische Bandbreite des Orchesterklangs wahrzunehmen. Was halten Sie dagegen?
Diese Vorwürfe stammen aus der Zeit des Baubeginns und werden durch den fertiggestellten Saal auf das Beste entkräftet. Letztlich ist die Beurteilung der Akustik immer auch subjektiv. Wir hören eben nicht nur mit den Ohren, sondern erfahren die Musik im Konzert ganzheitlich. Die Schönheit des Saales, die Nähe zum Orchester und zu den anderen Zuhörern, das alles trägt zum Erlebnis bei. Ein Schuhschachtelsaal ist akustisch leichter zu beherrschen als der Weinberg. Dennoch hat sich diese durch die Berliner Philharmonie zum Klassiker avancierte Bauform durchgesetzt, weil sie eben besonders viel Nähe und Geborgenheit ausstrahlt. Abgesehen davon: Yasuhisa Toyota, der für die Akustik der Elbphilharmonie verantwortlich zeichnet, gilt ja nicht umsonst als absoluter Meister seines Fachs. Er hat schon einige großartige Säle gemacht.

Was sagen die Musiker, die bereits Gelegenheit hatten, in der Elbphilharmonie zu proben?
Einhellige Begeisterung! Wirklich: Ich habe nicht eine negative Äußerung gehört – und keine Zweifel, dass die Elphilharmonie höchsten Ansprüchen an die Akustik gerecht werden wird. Diese lebendigen Eindrücke, diese spontane Begeisterung, das zählt letztlich mehr als die Einhaltung von Zielwerten.

Die Elbphilharmonie ist auch ein neues Wahrzeichen für Hamburg. Wie wollen Sie das vermarkten?
Die Elbphilharmonie ist eines der schönsten und spannendsten Gebäude der Welt, das Wahrzeichen vermarktet sich praktisch von selbst. Meine Aufgabe ist es, das Qualitätsversprechen, das die Architektur macht, durch ebenso hochklassige Inhalte einzulösen.

Ihr Vertrag läuft vorerst bis 2021. Welches Ziel haben Sie sich bis dahin gesteckt?
Wenn ich dann sagen kann, die Elbphilharmonie ist ein fester Bestandteil des Alltags der Hamburger geworden, ein Treffpunkt, ein Erlebnisort für die unterschiedlichsten Menschen und Altersgruppen, würde ich mich glücklich schätzen. Ich würde mich freuen, wenn die Bürger dieser Stadt unsere Begeisterung teilen und die Elbphilharmonie als "ihr" Haus betrachten würden.

Interview von Daniel Behrendt

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