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Auf eine letzte Familienreise

Urlaub mit den Kindern Auf eine letzte Familienreise

Irgendwann beginnen Kinder, ihre eigenen Wege zu gehen. Dann wollen sie nicht mehr zusammen mit den Eltern verreisen. Aber vorher sollte es noch einen – vielleicht letzten – gemeinsamen Familienurlaub geben: eine Kreuzfahrt. Kann das gut gehen?

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Besondere Herausforderung: Eine Kreuzfahrt mit Jugendlichen

Quelle: Carolin Otersen

Das Ferienhaus in Dänemark? Die Wohnung auf Juist? Das Hotel am See in Kärnten? Das ist lange her. Die Kinder wollen nicht mehr mit. Sie gehen ihre eigenen Wege, und das muss ja auch so sein. Mit 14, 15 Jahren fangen Kinder an, ohne Eltern Urlaub zu machen. Sie mieten sich ein Bauernhaus in der Ödnis und feiern. Sie fahren auf Festivals und feiern. Landschaften sind uninteressant. Monumente sind uninteressant. Alte Kirchen sind uninteressant.

Leute sind interessant. Aber nur solche, die ungefähr gleich alt oder die drei bis fünf Jahre älter sind. Musik ist wichtig. Dass nichts Peinliches passiert, ist wichtig. Eltern sind nicht wichtig.

Familienurlaub mit Jugendlichen - unmöglich?

Es ist nicht etwa schwierig, eine Urlaubsform zu finden, die Teenagern und Eltern gleichermaßen gefällt – es ist geradezu unmöglich. Trotzdem aber wäre es schön, noch einmal zusammen Urlaub zu machen. Aber wohin? Und wie? Ein Ferienhaus reicht nicht mehr. Es muss schon etwas Besonderes sein. USA würde gehen, Skifahren würde gehen. Und eine Kreuzfahrt? Ja, doch, eine Kreuzfahrt ginge wohl auch, signalisierten die Jugendlichen. Klar, so etwas macht man schließlich nicht jeden Tag.

Unsere Kreuzfahrt mit der "Mein Schiff 3" war eine ganz besondere. Eine Reise von einem Fahrgebiet ins andere. Im Winter kurvt das Schiff um die Kanarischen Inseln herum, im Sommer kreuzt es durchs Mittelmeer. Die Route ist toll: Gran Canaria, Lanzarote, Lissabon, Cádiz, Málaga, Barcelona. Zwei volle Seetage waren bei unserer einwöchigen Reise dabei, Stadtbesichtigungen, Palmen, Papageien, Festungen, Tapas, ein Vulkan, Sonne, Cocktails, und am vorletzten Tag haben wir beim Frühstück sogar Delphine gesehen. Schön.

Keine Lust auf Neues

Aber: Es gab auch Streit. Denn Jugendliche sind oft schwer zu verstehen. Und Erwachsene womöglich auch.

An den Pool? – "Keinen Bock"

Überraschenderweise gehören Jugendliche zu den eher konservativen Kreuzfahrtgästen. Ungern probieren sie etwas Neues aus. Experimenten sind sie eher abgeneigt, jedenfalls solange ihre Eltern auf irgendeine Weise daran beteiligt sind. Und Durchhaltevermögen haben sie auch nicht.

Die Zeit für Stadtspaziergänge und Besichtigungen ist bei Kreuzfahrten naturgemäß begrenzt, genauso wie die Lust der Kinder, durch enge Gässchen zu spazieren, rustikale Galerien zu besuchen oder sich Reiterstandbilder fremder Herrscher anzuschauen. Die Kinder wollen zurück zum Schiff. Und was treiben sie dann an Bord? Sie hocken in der Kabine vorm Fernseher. Bei allerschönstem Wetter. Eltern können so ein Verhalten nicht verstehen. Kinder können nicht verstehen, dass Eltern immer alles mitnehmen wollen. Wo doch eine Kirche wie die andere aussieht.

Einfach unerreichbar

Und dann diese unglaubliche Unlust der Jugend, mal etwas anderes auszuprobieren.

"Geht doch mal in die Teens-Lounge", sagen die Eltern.

"Da waren wir schon."

"Und?"

"Lauter Vierzehnjährige."

"Dann geht doch an den Pool."

"Keinen Bock."

"Und was ist mit Fitness? Ihr könntet aufs Laufband."

"Hmm."

Das Angebot für Kinder und Jugendliche an Bord von "Mein Schiff 3" ist groß. Aber es gibt auch die Gruppe der Unerreichbaren. Da ist alle Mühe vergebens.

Leben im Paralleluniversum

Jugendliche können schwer begreifen, dass Zeit etwas sehr Kostbares ist. Und Erwachsene können schwer begreifen, dass Jugendliche so verschwenderisch sind im Umgang mit der Zeit. Es liegt wohl auch im Wesen einer Kreuzfahrt, dass sie das Verrinnen der Zeit so spürbar macht. Jedenfalls haben wir den Kindern irgendwann die Fernbedienung abgenommen. Schön war das nicht. Für beide Seiten.

Zwischen 16 und 19 leben Jugendliche in einer Art Paralleluniversum. Und das müssen sie auch. Eltern sollten das einsehen. Die Welt der Eltern darf nicht die Welt der Kinder sein. Trotzdem wäre es ganz schön, wenn es Schnittmengen zwischen den Welten gäbe.

Eine haben wir an Bord bald gefunden: das Essen.

Zeit zum Essen - Zeit zum Reden

Satt werden ist auf einem Kreuzfahrtschiff überhaupt kein Problem, es gibt reichlich Gelegenheiten für Snacks und Leckereien zwischendurch. Früh schon haben die jungen Mitreisenden die "Außenalster-Bar" im Heck entdeckt: Hier gibt es Hamburger und zwar zu jeder Tageszeit. Und auch Ipanema, ein alkoholfreier Cocktail mit geviertelten Limetten, braunem Rohrzucker, zerstoßenem Eis und Ginger-Ale. Sehr lecker.

Trotzdem richteten sie es so ein, dass sie nicht gerade pappsatt waren, wenn wir uns in einem der Schiffsrestaurants zum Abendessen trafen. Die Restaurants bieten täglich wechselnde Fünf-Gänge-Menus, die wirklich sehr gut sind. Abendgarderobe wird zwar nicht erwartet, trotzdem hat so ein großes Abendessen einen gewissen festlichen Charakter. Anders als im Büfettrestaurant, nimmt man sich hier Zeit zum Essen – und zum Reden. Bei "gegrillten Langustenmedaillons mit Zucchinipfannkuchen und Aioli" oder "geschmorten Kalbswangen mit Bries auf getrüffeltem Risotto mit Gemüsestroh" ließen wir die Tage Revue passieren.

"Smartphones sind ein Problem"

In den Restaurants galt die Abmachung (die ab und zu bekräftigt werden musste), dass hier keine Smartphones auf den Tisch kommen. Die Stunden in den Restaurants waren kostbar – und das lag nicht nur an den Köstlichkeiten von der Karte. Zu Hause meldet sich bei Jugendlichen stets das Smartphone, wenn sie mit den Eltern beim Abendessen am Tisch sitzen. Dann müssen sie sofort nachschauen, was sich in ihrem Freundeskreis wieder Neues ereignet hat.

An Bord kann man sich zwar auch ins Internet begeben. Man kann die Zeiten aber auch ganz einfach reglementieren. So schafft man Gelegenheiten für längere Gespräche.

"Die Smartphones sind ein Problem", sagt Magda Blaschke, die Leiterin des "Kids Club" auf "Mein Schiff 3", "aber ein lösbares." Für Kinder und Jugendliche gibt es ein großes Unterhaltungsangebot an Bord. Sport, Basteln, Spiele, sogar "Meerjungfrauen"-Schwimmen für Mädchen wird angeboten. Die Sache ist nur: Jugendliche müssen auch bereit sein, das anzunehmen. "Wichtig ist, sie früh abzuholen", sagt die Jugendbetreuerin. Deshalb werden Kinder und Jugendliche beim Einchecken am Schiff besonders begrüßt und erhalten eine Broschüre mit den Angeboten.

Tränen in der Knutschecke

"Der erste Tag ist der wichtigste", sagt Magda Blaschke. Denn da bilden sich die ersten Grüppchen. Vor allem über die Sportangebote ("Heute 12.30 Uhr in der Arena: Volleyball für jedermann") können Jugendliche aber auch später Anschluss finden. Wenn sie wollen. Manche wollen aber auch gar nicht. Und das geht auch. "Jeder kann mitmachen", sagt die Jugendbetreuerin, "aber keiner muss." Irgendwann nehmen auch die Jugendlichen, die lieber nicht mitmachen wollen (Blick-)Kontakt mit den anderen auf.

Unter den 2500 Gästen an Bord fallen die Jugendlichen durchaus auf. Eine Kreuzfahrt ist heute zwar keine Alte-Leute-Veranstaltung mehr, trotzdem sind die Jugendlichen an Bord in der Minderheit. Irgendwann aber knüpfen sie Kontakte. Und zum Abschied können in den Knutschecken in der Teens-Lounge auch ein paar Tränen fließen.

Und was soll das kosten?

Billig ist ein Kreuzfahrturlaub mit Kindern nicht. Aber was, außer Zelten, ist mit Kindern schon billig? Andererseits: Ein Hotelaufenthalt – und damit sollte man eine Kreuzfahrt vergleichen – hat auch seinen Preis. Eine einwöchige "Mein Schiff"-Kreuzfahrt in einer Balkonkabine ist für etwas weniger als 1000 Euro pro Person zu haben. Das Angebot bei "Mein Schiff", das die Sache erträglich macht, ist das "Premium-alles-inklusive-Konzept". Das heißt: Wer keine Extras bucht, zahlt nichts dazu. Die meisten Getränke und auch die Fünf-Gänge-Menüs in den Restaurants sind gratis. So fallen eine Menge Ausgaben weg.

Es ist möglich, bei Seetagen keinen Cent zusätzlich auszugeben. An Landtagen wird es schwieriger. Das Problem für Familien ist der Multiplikationsfaktor, bei vier Personen fällt selbst ein günstiger Ausflug ins Gewicht. Aber man muss auch nicht für jeden Hafen ein Ausflugsprogramm buchen. Viele Mittelmeerhäfen lassen sich gut auf eigene Faust erkunden.

Damit eine Familienkreuzfahrt nicht zu teuer wird, empfiehlt es sich auch, die Reise so zu wählen, dass Hin- und Rückflug nicht allzu weit sind. Insofern kann das Mittelmeer interessanter sein als die Karibik.

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