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Aus der Klinik zum Kreismeister

Tischtennis Aus der Klinik zum Kreismeister

Das Leben schreibt viele Geschichten, einige werden erzählt, andere nicht. Bernd Bosselmann hat seine Erlebnisse aus der jüngeren Vergangenheit weitergegeben, um anderen zu helfen.

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Ein Leben ohne Sport ist für den Sachsenhäger Bernd Bosselmann undenkbar.

Quelle: hga

Tischtennis. „Es ist mir eine Herzensangelegenheit“, sagt der Sachsenhäger, der das Lachen, vor allem aber sein Leben wiedergewonnen hat. „Aus der Klinik zum Kreismeister“, sagt er rückblickend auf sechs Monate Aufenthalt im Wunstorfer Landeskrankenhaus, wo er nach einem Burn-out-Syndrom vor allem mental wieder aufgebaut wurde.

 Denn um das geistige Ausbrennen geht es ihm, eine Krankheit, mit der die meisten Betroffenen nach seiner Meinung falsch umgehen. „Wer Schwäche zeigt, hat Stärke“, so Bosselmann und meint, dass nur der offene und ehrliche Umgang mit der Krankheit Schlimmeres verhindert. Die Bereitschaft, seine Geschichte zu erzählen, wird durch den Tod eines Freundes ausgelöst. Da war er gerade aus dem Krankenhaus in das normale Leben zurückgekehrt.

 Dass Bosselmanns Geschichte mit dem Gewinn der Seniorenkreismeisterschaft im Tischtennis endet, passt zum Leben des sportbegeisterten Familienmenschen. Im Schaumburger Fußball war Bosselmann in den vergangenen Jahrzehnten ebenso eine feste Größe wie auch im Tischtennis. „Sport ist für mich positiver Stress“, erklärt Bosselmann. Seit 30 Jahren im Musikvertrieb tätig, verheiratet und Vater zweier Töchter, war eigentlich alles paletti im Leben. Die Krankheit kam schleichend und drohte alles zu zerstören, was sein Leben ausmachte.

 Es begann mit der Demenzerkrankung seines Vaters. Den Schock, bei den täglichen Besuchen im Pflegeheim nicht mehr auf den Vater, sondern eigentlich eine fremde Person zu treffen, verarbeitet Bosselmann nur schlecht. „Jeder Besuch war eine unglaubliche mentale Belastung“, blickt er zurück. Seine Mutter leidet an Depressionen, die Krankheit seiner Eltern drückt mehr und mehr auf seine Seele. Im Beruf stellte sich plötzlich ebenfalls Stress ein, allerdings kein positiver.

 Auch die Erwartungen seiner Familie werden zur Belastung, die zur Verfügung stehende Zeit wird immer knapper. „Ich habe immer weiter versucht, Tischtennis und Fußball zu spielen“, sagt er. Zu diesem Zeitpunkt wird eine Veränderung offensichtlich: Aus dem fröhlichen und offenen Menschen wird ein verschlossener, in sich zurückgezogener. Seinen Mannschaftskameraden fällt das auf, noch mehr seiner Familie, die am stärksten darunter leidet.

 Doch der alles entscheidende Punkt fehlt. Zwar wird er von allen Seiten angesprochen, nur er selbst stellt sich der Sache nicht. Das geschieht erst, als er übermüdet – durch Schlafmangel und die mentale Belastung auch körperlich stark geschwächt – einen Verkehrsunfall verursacht. Seine Frau Simone nimmt ihm eine Entscheidung ab und zieht die Reißleine: „Bitte, lass Dich einweisen.“

 Jetzt bringt die Gesamtlage Bosselmann an den Punkt, sich seiner Situation zu stellen, um zurückkommen zu können. „Du selbst siehst das nicht“, erinnert er sich an die Zeit. Sechs Monate lang wird er neu aufgebaut, zunächst körperlich, dann mental. Seine Sportkameraden wissen um die Situation. „Die waren in der schweren Zeit für mich da“, sagt Bosselmann. Auch sein Arbeitgeber stand ihm zur Seite. Ihm habe er viel zu verdanken, so Bosselmann. Dass seine Familie zuallererst die Genesung unterstützte, versteht sich von selbst.

 Der geliebte Sport war ein weiterer Ansporn. „Wenn ich keinen Sport treibe, bin ich sehr unzufrieden“, sagt er und lacht. So gesehen passte der Kreismeistertitel eigentlich genau in die Genesungsgeschichte.

 Jetzt gehe es ihm besser als zuvor, er habe eine ganz andere Art, an die Dinge heranzugehen, so Bosselmann. „Zu sich selbst sollte man ehrlich sein“, lautet sein Fazit der gut neun Monate langen Geschichte. Und er hat Pläne: „Vielleicht kann ich ja auch mal als Trainer meine Art von Mannschaftsgeist weiter vermitteln“, erklärt er. hga

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