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Ausgebaggert

Beachvolleyball Ausgebaggert

Das Baggern, Pritschen oder Schmettern ist vorbei: In diesem Jahr wird sich der Obernkirchener Kirchplatz nicht in eine Beachvolleyball-Arena verwandeln.

Beachvolleyball. Das Organisationsteam um Günter Szallies hat keine Nachfolger gefunden und sich deshalb „schweren Herzens“ zurückgezogen. Nach 15 Jahren Beachvolleyball der Extraklasse wird es vorerst keine Top-Turniere in der Bergstadt mehr geben.

„Das Orga-Team hat ein Alter von über 350 Jahren erreicht. Nun ziehen wir uns aus Altersgründen zurück. Die Suche nach Nachfolgern blieb ergebnislos, deshalb wird es keine 16. Veranstaltung geben“, erklärt der 78-jährige Szallies den Rückzug. Die Stadt Obernkirchen hätte diesen Entschluss mit großem Bedauern zur Kenntnis genommen. In der Bergstadt schlugen Nationalspieler, WM- und Olympia-Teilnehmer auf. Das Turnier entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einem Top-Zehn-Event – das ist vergleichbar mit der 1. Bundesliga im Fußball.

Angefangen hat aber alles in Bückeburg. Am 29. und 30. Juli 2000 fand das erste Beachvolleyballturnier auf dem Marktplatz statt. Es war ein Turnier der Kategorie A mit dem Nationalspieler Christian Pampel als Zugpferd. Der mehrmalige Meister vom VfB Friedrichshafen trat gemeinsam mit seinem Bruder Stephan vom Oberligisten VG Stadthagen/Bergkrug an und gewann die Turnierpremiere gegen die Außenseiter Andreas Klimm und Peter Krechel mit 2:1. Trotzdem hatte das Organisationsteam keine Lust auf weitere Turniere in Bückeburg. „Wir hatten von der Stadt keine Unterstützung – weder beim Auf- noch beim Abbau. Die 300 Tonnen Sand hat die Bundeswehr gebracht, verteilt und wieder abgeholt. Nach dem Turnier mussten meine Frau Edith und ich acht Stunden lang den Marktplatz fegen, denn der Besenwagen war andernorts im Einsatz. Deshalb reifte der Entschluss: nie wieder Beachvolleyball in Bückeburg“, erinnert sich Szallies.

Das Turnier fand eine neue Heimat in Obernkirchen und wurde zu einer Erfolgsgeschichte. „Die Stadt half uns, wo es nur ging“, freute sich der Orga-Chef über die Unterstützung. Über viele Höhepunkte weiß Szallies zu berichten. Im Jahr 2003 gastierte ein brasilianisches Frauenteam in der Bergstadt. Tatjana Murad-Gruenbaum und Beatrice Perez-Barbieri aus Rio de Janeiro befanden sich auf Europa-Tournee, machten Station in Obernkirchen und waren eine richtige Bereicherung. Für das Turnier im Jahr 2006 hatten die WM-Vierten Marvin Polte und Thorsten Schoen ihr Kommen angekündigt. Das Duo zeigte tollen Sport und brachte die Zuschauer zum Beben. „Am Endspieltag saßen um die 1000 Zuschauer auf der Tribüne“, so Szallies. Die Obernkirchener hatten meist Glück mit dem Wetter und dem Austragungszeitpunkt. Die meisten Turniere fanden im Juli oder August statt. „Ich hatte meine Beziehungen und war immer einer der ersten, der sein Turnier angemeldet hatte. Regen und Kälte waren eher selten, aber es war einige Male fast schon zu heiß, sodass viele potenzielle Zuschauer lieber ins Freibad flüchteten, als sich Beachvolleyball anzuschauen“, ist Szallies mit dem Wettergott eigentlich zufrieden gewesen.

Die Veranstalter stellten in jedem Jahr eine attraktive Tombola auf die Beine. So gab es Hubschrauberflüge, Flugreisen, Ostseekreuzfahrten oder einmal sogar ein Auto zu gewinnen. 41 Sponsoren halfen dabei, die Beachvolleyball-Turniere zu finanzieren. Das Public-Viewing als Michael Schumacher im Jahr 2002 in Ungarn zum vierten Mal Formel-1-Weltmeister wurde, fand großen Zuspruch. Allerdings ist das gemeinsame Fußballschauen im Jahr 2012 ins Wasser gefallen. „Deutschland spielte bei der EM gegen Portugal und siegte 1:0. Aber das Wetter war so mies, dass wir in Decken gehüllt, alleine dort saßen“, erinnert sich Szallies. Die traditionelle Players Night war legendär und die Teilnehmer hatten immer ihren Spaß.

Die Organisation des Turniers erforderte immer eine lange Vorlaufzeit. „Es ist über ein Viertel Jahr lang ein richtiger Fulltime-Job. Die Sponsoren müssen besucht, viele Sachen bedacht werden. In der Turnierwoche beginnt der Aufbau am Mittwoch und erst am Dienstagabend ist mit dem Abbau Schluss gewesen. Das sind sechs Tage lang Stress mit täglich bis zu zwölf Stunden Arbeit“, blickt Szallies zurück.

Das Orga-Team ist müde geworden, deshalb reifte Anfang des Jahres die Entscheidung – auch mangels Unterstützer – dass jetzt Schluss ist. „Ich hätte das Event auch noch mit einem Rollator organisiert. Aber alleine ist das nicht zu stemmen“, weiß Szallies. seb

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