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Eine Bärenpfeife zur Sicherheit

Leichtathletik Eine Bärenpfeife zur Sicherheit

„Man muss schon ein wenig durchgeknallt sein, um solche Strapazen auf sich zu nehmen“. Diese Worte stammen von Bernd Fiedler. Der 58-Jährige startete wohl bei einer der härtesten Laufveranstaltungen der Welt. Der für den VfL Bückeburg gemeldete Läufer war einer von 496 Teilnehmern beim Transylvania-Ultra-Marathon über die Strecken 30, 50 und 100 Kilometer.

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Stolz präsentiert Bernd Fiedler die Finisher-Medaille des Transylvania-Ultra-Marathons über 50 Kilometer.

Quelle: pr

Leichtathletik. Fiedler benötigte für die 50-Kilometer-Distanz 15:47:00 Stunden und kam völlig entkräftet als Zweiter in seiner Altersklasse M55 ins Ziel.

Das ganz besondere Lauferlebnis ist nichts für Weicheier. Man muss ein erfahrener Ultra-Läufer sein, um überhaupt starten zu dürfen. Sportler aus aller Welt trafen sich im rumänischen Örtchen Bran. Dort liegt das Schloss der Dracula-Verfilmung. Im gefährlichen Terrain des Bucegi-Gebirges ist eine umfangreiche Ausrüstung erforderlich. „Mein Rucksack ist mindestens sechs Kilogramm schwer. Darin ist eine Erste-Hilfe-Tasche, ein Notfallzelt, ein überdimensionaler Schlafsack, eine Stirnlampe, Ersatzbatterien sowie zwei Liter Wasser enthalten“, zählt Fiedler auf. Und eine Bärenpfeife. „In diesem Gebiet wimmelt es von Braunbären. Kreuzen sich die Wege, dann soll man kräftig in die Pfeife pusten. Das soll die Bären vertreiben. Zum Glück bin ich noch keinem direkt begegnet“, erklärt ein erleichterter Fiedler. Das sei auch der Grund, dass er möglichst nur im Hellen laufe und die 50 Kilometer bevorzuge. „Die doppelte Distanz wäre Wahnsinn“, formuliert der Bückeburger Ultra-Läufer mit großem Respekt.

Bei der Durchquerung des Prahova-Tals im Osten und des Bran-Tals im Westen müssen die Teilnehmer 6400 Höhenmeter überwinden. „Das ist ohne Tracking-Stöcke überhaupt nicht möglich“, weiß der bei den Abwasserbetrieben in Rinteln beschäftigte Fiedler. Der Körper ist durch das stundenlange bergauf laufen auf schwierigem Untergrund wie Geröll, Fels, Eis und tiefem Schnee maximal gefordert. „Man erlebt alle vier Jahreszeiten. Sonne, eiskalter Wind, Hagel, Schnee und Regen gehören zum Standardprogramm. Es gibt Stellen mit einer Steigung von 88 Prozent“, beschreibt der 58-Jährige das Streckenprofil.

Alle guten Dinge sind drei

In diesem Jahr kam Fiedler verletzungsfrei ins Ziel. Das war im vergangenen Jahr nicht der Fall. Damals stürzte der Ultra-Läufer und zog sich neben zahlreichen Schürfwunden auch einen Nasenbeinbruch zu. „Blutverschmiert kämpfte ich mich ins Ziel“, erinnert sich Fiedler. Diesmal ging alles gut. Nach fast 16 Stunden erreichte Fiedler als 194. in der Gesamtwertung das Ziel. Und aller guten Dinge sind drei. Auch im nächsten Jahr wird der 58-Jährige in Rumänien an den Start gehen. „Ich hoffe, dass dann mein Lauffreund Jobst von Palombini mit mir die Tortur durchsteht“, würde er sich über Gesellschaft freuen.

In jungen Jahren war Fiedler ein Schwimmer, hatte mit dem Laufsport nur wenig am Hut. Im Alter von 54 Jahren hat der Portaner seine Liebe zum Nordic Walking entdeckt. „Ich habe keine typische Läuferfigur, bin eher kräftig gebaut“, meint Fiedler mit einem Schmunzeln im Gesicht. Aber das Nordic Walken füllte ihn nicht aus, er wollte sich schneller fortbewegen. Sein Vereinskollege Karl-Heinz Scharf überredete ihn zum Marathon. Die Harzquerung über 51 Kilometer war der erste Ultra-Lauf. „Da bin ich gleich auf den Geschmack gekommen und hatte richtig Feuer gefangen“, berichtet Fiedler. Er verfüge über genügend Ausdauer, Ultra-Läufe seien auch eine Kopfsache. „Man muss bereit sein, den inneren Schweinehund zu besiegen“, klärt der VfL-Läufer auf. Das würde ihm liegen.

Aber nicht nur die Ultraläufe haben es Fiedler angetan. Er hat eine zweite große Leidenschaft und ist in der Flüchtlingshilfe sehr engagiert. „Ich organisiere für die Hilfsorganisation Oxfam Spendenläufe. Die Hilfe in Krisengebieten ist mir extrem wichtig“, stellt Fiedler klar. Ende August steigt das nächste große Event. In Belgien findet ein Spendenlauf über 100 Kilometer statt. „Es wird in Viererteams gestartet. Man läuft in der Gruppe, muss ein gemeinsames Tempo finden. Das Zeitlimit beträgt 30 Stunden“, freut er sich auf die nächste Herausforderung. Um starten zu können, muss jedes Team 1500 Euro gesammelt haben. Oxfam engagiert sich in Flüchtlingslagern, bei Naturkatastrophen in der 3. Welt und kümmert sich um die Wasserversorgung in den Krisengebieten. „Beim letzten Lauf sind 387000 Euro zusammengekommen. Da ist jeder Cent gut angelegt“, erklärt Fiedler. seb

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