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Der Ballkünstler

Josef Christ wird 75 Jahre alt Der Ballkünstler

Die Oberliga war die höchste deutsche Fußballspielklasse, bevor die Bundesliga 1963 eingeführt wurde. Die Torjägerkrone in der Nordstaffel holte sich Uwe Seeler (72 Länderspiele) vom HSV, im Westen Timo Konietzka (9) von Borussia Dortmund, im Süden Rudi Brunnenmeier (5) von 1860 München – und im Südwesten Josef Christ, der für Sportfreunde Saarbrücken auf Torejagd ging.

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Derbystimmung in Saarbrücken: Die Sportfreunde treffen auf den 1. FC. Trotz seiner eher geringen Größe gehörte das Kopfballspiel zu den Tugenden von Jupp Christ. Die mangelnde Grundschnelligkeit verhinderte den Sprung nach ganz oben.

Fußball. Von Carsten Beck

Dabei verwies der 1,71 Zentimeter kleine „Zauberer“ mit seinen 25 Treffern spätere Bundesliga-Stars wie Klaus Matischak, Elmar May, Heinz Vollmar oder Helmut Kapitulski auf die Plätze. Später lief Christ, der vor Kurzem seinen 75. Geburtstag feierte, auch für den FC Stadthagen auf.

 Josef „Jupp“ Christ wurde im Dezember 1939 – drei Monate nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges – im schönen Primstal geboren. Genauer gesagt in Schmelz, im Südwesten der Republik. Und in Hüttersdorf, beim Verein um die Ecke, wurde gekickt. So gut, dass der Ruf aus dem 40 Kilometer entfernten Saarbrücken nicht lange auf sich warten ließ. Der technisch versierte Linksfuß imponierte mit seiner Übersicht und seinen feinen Pässen. Zudem wusste der inzwischen 20-Jährige genau, wo das Tor stand. Die Nominierung in die Südwest-Auswahl war die logische Konsequenz. Auch ein Grund mehr, dass der VfB Stuttgart den Goalgetter unter Vertrag nahm. Erich Retter, Günter Sawitzki, Klaus-Dieter Sieloff, Rolf Geiger, Rudi Entenmann – allesamt Nationalspieler – hießen seine neuen Kameraden.

 Doch so richtig wohl fühlte sich der junge Christ in der schwäbischen Metropole nicht und wechselte zurück ins Saarland. Horst Buhtz, der gerade seine Profi-Karriere in Italien beendet hatte, war der neue Trainer bei den Sportfreunden. Und der neue Sturm-Kollege hieß Hannes Löhr. Es war eine erfolgreiche Saison und das Duo Christ/Löhr erzielte 53 Tore für die Sportfreunde. Nebenbei studierte Christ in Trier Bauingenieurwesen. Da passte es richtig gut, dass die Röchling-Werke in Völklingen Personal mit eben dieser Qualifikation suchte. Der junge Ingenieur zog fortan für fünf Spielzeiten das Trikot vom SV Röchling über.

 1969 verschlug es „Jupp“, beruflich bedingt, nach Stadthagen und ein neuer Verein war auch schnell gefunden. Kurt Koch, seinerzeitige Trainergröße im norddeutschen Raum, wechselte zu Arminia Hannover und hatte Christ vermeintlich fest an der Angel. Doch dann kam der neue Vermieter „aus der Tiefe des Raumes“ ins Spiel: Der Röchling-Mann war in Stadthagen im Hause Schophaus eingezogen, und der Senior lobte den heimischen FC über den grünen Klee, präsentierte ihn als den aufstrebenden Verein. Die Worte wirkten nachhaltig und fortan trug der Neu-Schaumburger das blaue Hemd der Kreisstädter. Die Entscheidung hat der gebürtige Saarländer nie bereut. Ganz im Gegenteil: Von Beginn an fühlte er sich im Kreise seiner neuen Fußballerkollegen pudelwohl. Klaus-Dieter „Theo“ Kreft, Helmut Tadge, Wolfgang Schophaus, Reinhard Becker waren seine Mitspieler, die unter der Regie von Gerd Albes aufliefen. „Beim FC Stadthagen war ich mehr Spielmacher als Torjäger. Für das Reinschießen hatten wir ja Hardwin Büsking“, sagt Christ.

 Nach drei Jahren war die aktive Fußballerzeit passé. Da waren zum einen die permanenten Reizungen an den Achillessehnen, die auch Operationen unumgänglich machten, und zum anderen ließ der Beruf immer weniger Freizeit zu – insbesondere in der Phase, als Josef Christ den Schritt in die Selbstständigkeit wagte. Dem FC blieb er aber weiterhin treu, davon zwei Jahre als Vorsitzender.

 So ganz ohne Ball ging es doch nicht. Nur wurde das Spielgerät kleiner und hieß Filzkugel. Der sportliche Ehrgeiz blieb und so wurde Christ in Lindhorst Klubmeister. Die Erinnerung an diese schöne Zeit wurde dennoch getrübt. Mit 44 Lenzen erlitt der Tennisspieler Christ auf dem Platz einen Herzinfarkt. Längst ist wieder alles gut und der Tennisball wurde vor geraumer Zeit gegen Golfbälle getauscht. Die Begeisterung für die neue Sportart ist bis heute geblieben. Um die Jahrtausendwende wurde Jupp mit dem Golfclub Burgdorf Deutscher Mannschaftsmeister. Zudem wurde der Stadthäger niedersächsischer Seniorenmeister (Ü 70).

 Fußball findet für Christ, der seit fünf Jahren Witwer ist, fast nur noch vor dem Fernseher statt. Heimische Spiele besucht er nur, wenn die Kinder seiner Töchter Susanne und Katja dem Ball nachlaufen. Die 16-jährigen Zwillinge (C-Juniorinnen) in Lindhorst, Enkel Louis Tegtmeier beim SV Nienstädt 09 in der Bezirksliga.
 

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