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Die Formel 1 im Westernsport

Rolfshagen Die Formel 1 im Westernsport

Die Qarterhorse-stute „Lady Limerik“ tänzelt wie unter Strom. Dabei ist sie normalerweise die Coolness selbst. Man könnte einen Hubschrauber neben ihr landen.

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Adrenalin pur: Westernreiterin Bianca Granzow muss sich beim Tonnenrennen, dem „barrel race“, voll konzentrieren.

Quelle: wm

Rolfshagen. Bianca Granzow muss Seitengänge reiten, fast die perfekte hohe Dressur – sonst würde die Stute einen Blitzstart hinlegen. Das tut sie dann auch, als Bianca Granzow an der Lichtschranke die Zügel loslässt. „Lady“ fegt über die Sandbahn, visiert drei Tonnen an, die sie in Schräglage mit ihrer Reiterin umrundet. Dann der Endspurt: 23 Sekunden zeigt die große Anzeigetafel an. Das für die Zuschauer faszinierende: Hat die „Lady“ ihrer Job gemacht, verlässt sie wieder völlig relaxt den Parcours. Bianca Granzow scherzt: „Gute Westernpferde haben da einen An- und Ausschalter.“

Tonnenrennen, „barrel race“ nennt sich dieser Rodeo-Spaß, den, logisch, Cowboys erfunden haben und der anscheinend auch Pferden liegt. Man kann sie ja nicht fragen, aber so temperamentvoll, wie sie bei der Sache angehen, spricht das für sich. Bei den Cowboyrennen, sozusagen die Formel 1 im Westernsport, gibt es noch zwei weitere Varianten: „flagg race“, dabei geht es darum Flaggen von Tonne zu Tonne umzustecken und „pole bending“, das ist ein Slalom durch Stangen. Beides selbstverständlich im Galopp. Da ziehen selbst Turniercracks der klassischen Reiterei den Hut. Denn um flott durch die Stangen zu kommen, müssen Reiter und Pferd laufend von Rechts- auf Linksgalopp und zurück umschalten. Das ist wie ein eleganter Tanz. Auch hier entscheidet die Stoppuhr über Sieg und Niederlage.

Im „Ruhrpott“ und südlich der Mainlinie ist diese Westernreitsportdisziplin längst etabliert. Jan und Bianca Granzow aus Rolfshagen haben sie in die Schaumburger Region geholt. Beide sind im Vorstand der Regionalgruppe Nord der National Barrel Horse Association of Germany engagiert. Die Regionalgruppe hat nach drei Jahren inzwischen rund 100 Mitglieder. Im Juni fand jetzt in Stadthagen auf dem Gelände des dortigen Reitvereins zum zweiten Mal die Qualifikation für die Deutsche Meisterschaft statt. Und die beiden Rolfshäger sind entschlossen, auch im nächsten Jahr wieder eine Westernreitveranstaltung zu organisieren.

Es war auch deshalb etwas Besonderes, weil in unserer Region bisher Westernreiten so gut wie keine Rolle gespielt hat. Klassische Reit- und Springturniere gibt es landauf, landab, aber Westernreiter sind nach wie vor Exoten. Das sieht man auch: Sie ziehen sich anders an, reiten in Jeans, sitzen in anderen Sätteln, lassen die Zügel locker.

Der Rodeospaß „barrel race“ ist Adrenalin pur. Die Idee der schnellen Wendungen kommt aus dem „Cutting“, da werden vom Sattel aus Rinder zusammengetrieben. Auch das haben die Granzows schon gemacht. Doch Rinder, die sich dafür eignen, Bauern, die bereit sind ihre Tiere für diesen Sport bereitzustellen, findet man nicht auf jedem Hof. Da ist es doch einfacher Tonnen auf einen Sandplatz zu stellen. Und Gas zu geben.

Zum ersten Mal haben die beiden Rolfshäger diesen Sport beim legendären Westernreitertreffen in Junkern Beel im Emsland erlebt und waren sofort Feuer und Flamme. Und weil – nicht nur – in Deutschland alles eine Organisationsform braucht, haben sie sich für eine Regionalgruppe engagiert.

Außerdem bieten sich auf ihrer privaten Ranch in Rolfshagen Basiswochenenden im Westernreiten und Lehrgänge mit bekannten Trainern an. Axel Straub war schon da und Werner Lieb. Beide kennt man in der Westernszene.

Jan und Bianca Granzow sagen: Westernpferde, meist Quarters, sind Alleskönner. Einfach, weil sie von Cowboys für die tägliche Arbeit gezüchtet worden sind. Die Pferde müssen an einem rutschigen Abhang klettern können, einen Bach durchqueren und zuverlässig stehen bleiben, sobald der Reiter absteigt und gerade nichts zum Anbinden vorhanden ist. Das Pferd darf nicht scheuen, wenn sich der Reiter einen Mantel im Sattel anzieht, der dabei im Wind weht. Es muss sich einhändig dirigieren lassen, es muss auf schmalem Pfad rückwärts und im Zickzack gehen können, wenn der Weg versperrt ist und zu schmal, um zu wenden. Das Leben des Cowboys hängt davon ab, dass er sich auf sein Pferd verlassen kann.

Und das ist eine Qualität, die gute Quarter noch heute haben. wm

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