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„Die Langen“ halten Popadic den Rücken frei

Niedernwöhren / Führungsspieler „Die Langen“ halten Popadic den Rücken frei

Slavisa – schon der Vorname macht deutlich, dass der Mann weder aus Wiedensahl, Schoholtensen oder Hohenrode stammt. Die Wurzeln von Slavisa Popadic liegen in Bosnien-Herzegowina, doch das ist lange her. Schon mit vier Jahren kam er mit Eltern und Schwester nach Deutschland, deshalb sagt er: „Ich kenne nur Deutschland, ich fühle mich hier wohl und mag die Mentalität.“ Sein Herz hänge zwar immer noch an Bosnien, aber das liege nur an der Verwandtschaft, die er dort noch hat und die er einmal im Jahr besucht.

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Fußball. Wenn Slavisa Popadic die Eigenschaften der Schaumburger schätzt, dann liegt das wohl vorwiegend daran, dass auch er ein treuer, verlässlicher und gewissenhafter Typ ist. Er passt perfekt hierher, beruflich, und auch sportlich. Popadic spielt seit fünf Jahren beim Bezirksligisten TuS Niedernwöhren, wechselte damals gemeinsam mit Spielern wie Marcel Kasseck und Tobias Büngel vom TuS Sülbeck an den Beerbusch. „Ich wollte ausprobieren, ob es klappt, wenn ich höher spiele“, erzählt er. Es klappte, sogar auf Anhieb. Popadic macht selten große Schlagzeilen, war im Mittelfeld des TuS Niedernwöhren aber ein Leistungsträger, verlässlich und gewissenhaft, ganz so, wie er es liebt. In der vergangenen Saison erzielte er ganz nebenbei acht Tore.

 Trainer Lars Reuther räumt dem 29-Jährigen hinter den Spitzen Freiheiten ein, weil ihm die „zwei Langen“, Nico Rüffer und Nico Kerkmann, den Rücken frei halten. Popadic ist rundum zufrieden beim TuS Niedernwöhren, er hat seine sportliche Heimat gefunden. „Der damalige Vereinswechsel war mein erster und mein letzter“, weiß er. Er wohnt in der Nähe des Sportplatzes, kann fast zu Fuß zum Training gehen und kennt seinen aktuellen Auftrag in der Mannschaft: „Wir haben gute junge Leute dazubekommen. Um in dieser Saison Erfolg zu haben, sind jetzt die erfahrenen Spieler wie ich gefordert.“

 So wie ihn einst der Ehrgeiz zum TuS Niedernwöhren brachte, so strebt er auch beruflich nach höherwertigeren Aufgaben. Popadic lernte Bauzeichner, arbeitete beim renommierten Ingenieurbüro Kirchner in Stadthagen, bildet sich jetzt aber an der Technikerschule weiter und will im Frühjahr 2015 sein Examen machen. Danach soll es in ein Ingenieurbüro, ein Bauunternehmen oder eine Baubehörde gehen. „Es wäre natürlich schön, wenn ich etwas in der Nähe finden würde“, sagt Popadic, der ein gutes Beispiel dafür ist, wie wertvoll und bereichernd die Einwanderung junger Leute für Deutschland ist.

 Seine Wurzeln wird Popadic allerdings nie völlig aus den Augen verlieren. Im Gegenteil: Er interessiert sich immer noch für die Verhältnisse in Bosnien, beobachtet dort viel Korruption, und glaubt, dass Bosnien-Herzegowina noch viele Jahre für einen EU-Beitritt benötigen wird. Er stammt aus Tuzla, einer 120000-Einwohner-Stadt, die während des Bürgerkrieges als Flüchtlingsziel häufig in den Nachrichten auftauchte. Seine Familie gehört der serbisch-orthodoxen Kirche an. Der Niedernwöhrener besucht seine Verwandtschaft gerne, aber wo mittlerweile seine wirkliche Heimat ist, erschließt sich mit der „Länderspielfrage“: Für welches Land würde Popadic spielen, wenn er als Nationalspieler berufen würde? „Natürlich für Deutschland, weil ich hier zu Hause bin“, sagt er voller Überzeugung. Trotzdem sind ihm die anregenden Eindrücke aus den Besuchen in Bosnien wichtig, zum Beispiel dieser: „Die Leute sind arm, viel ärmer als wir, aber sie wirken häufig zufriedener und glücklicher auf mich.“  jö

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