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Erfolg ohne Worte

Tischtennis Erfolg ohne Worte

Ihn umweht der Duft des Erfolges – sogar im wahrsten Sinne des Wortes: Dem Litauer Gintautas Juchna gehört in Vilnius nicht nur eine gut gehende Tischtennisschule samt integriertem Shop, er vertreibt auch erfolgreich Parfüm.

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Mit dem Bundesligatrainer zum Seat

Gintautas Juchna ist der Punktelieferant beim TSV Hagenburg.

Quelle: Person

Tischtennis. Zudem ist der 39-jährige Geschäftsmann als sportlicher Handlungsreisender in Sachen Tischtennis enorm effizient: Juchna brilliert nicht nur als Star des Oberliga-Aufsteigers TSV Hagenburg, er ist zudem sowohl im Einzel als auch im Doppel die Nummer eins der Liga. „Außerdem führt er die litauische Rangliste an“, ergänzt TSV-Manager Wolfgang Linke.

 Dabei lässt sich der Routinier, der seit seinem siebten Lebensjahr dem Zelluloidball hinterherjagt, von einem erheblichen gesundheitlichen Handicap gar nicht stören: Juchna ist von Geburt an taub. „Rechts höre ich gar nichts, links nur wenig“, sagt er. Stören tut ihn das nicht, er kennt es ja nicht anders. Der 39-Jährige spielt nicht nach Gehör. „Ich sehe ja, was auf mich zukommt.“ Und im Doppel klappt die Verständigung auch nonverbal – er und sein Landsmann Andrius Preidzius verstehen sich sozusagen blind.

 Festgestellt wurde Juchnas Hördefizit kurioserweise allerdings erst im Alter von sieben Jahren bei einer sportärztlichen Untersuchung. „Das hat natürlich geholfen“, betont der Litauer. Nun wussten die Eltern und er, woran sie waren, und lernten damit umzugehen.

 Ein Trainer in seiner Schule hatte das Talent des kleinen Gintautas erkannt, der ließ sich auch prompt vom Tischtennis-Virus infizieren – und dieser ließ ihn nie wieder los. „Ich mag das Duell Mann gegen Mann. Du musst dich bewähren“, sagt der Litauer. „Und es ist ein schneller, sehr attraktiver Sport.“ Zudem könne man ihn bis ins hohe Alter ausüben, fügt der 60-jährige Linke schmunzelnd hinzu und spielt dabei sowohl auf Juchna, der am 31. Mai 40 geworden ist, als auch auf sein eigenes Alter an, denn auch der Hagenburger Manager steht noch selbst an der Platte.

 Und wie lange will Juchna noch spielen? „Fünf, vielleicht zehn Jahre“, sagt der Litauer und fügt grinsend hinzu: „Aber ab 40 geht’s nicht mehr ganz so gut.“ Also geht es demnächst wohl abwärts.

 Seit vier Jahren spielt die aktuelle litauische Nummer eins, die zuvor einige Jahre für die SpVg Niedermark aktiv war, jetzt schon in Hagenburg, in der Provinz – in der Seeprovinz, um genau zu sein. Linke kennt sich in den osteuropäischen Ligen exzellent aus, hat seit den Zeiten von Kestutis Zeimys und Arturus Orlovas beim TSV Hagenburg gute Erfahrungen mit Sportlern aus Litauen gemacht – und er hat Beziehungen. Es ist nicht das Geld, das den Ausschlag gibt. „Gintautas geht es gut: Er hat eine tolle Familie, seine Schule läuft, er arbeitet dort mit seinem Lehrmeister zusammen und hat Spaß“, sagt Linke. „Und finanziell gäbe es woanders mehr“, ergänzt der TSV-Macher. „Wir bieten mehr: eine eigene Wohnung und Familienanschluss, denn sie wohnen an den Punktspielwochenenden von Freitag bis Montag bei uns im Haus“, berichtet Linke. „Meine Frau bekocht die Jungs, und ich sorge für das Sightseeing-Programm.“

 Die Gäste aus Litauen fühlen sich spürbar wohl. Juchna war sogar schon mal mit Ehefrau Laura und seinen zwei kleinen Töchtern zu Besuch. „Mir gefällt es hier“, sagt der Litauer: in Hagenburg, im Hause Linke, im Team. „Die Chemie passt einfach“, betont Linke. „Die Jungs sind pflegeleicht, höflich und total sympathisch.“ Nur als sportliche Gegner eben nicht, wie zwei Aufstiege am Stück beweisen. Plötzlich liegt ein leichter Hauch in der Luft. Es riecht nach Eisbein und Sauerkraut. Der Duft des Erfolges eben. „Zeit fürs Mittagessen“, sagt Linke, „die Jungs brauchen eine gute Basis für das folgende Punktspiel.“

 Und das wird gewonnen – wieder einmal. Ein Näschen für eine gute Verstärkung hat Gintautas Juchna unlängst überdies bewiesen. Da der Aufsteiger in der Region Hannover trotz aller Bemühungen nicht fündig geworden ist, hat der Balte einen weiteren Landsmann ausfindig gemacht. Mit Angriffs-Spezialist Rimas Lesiv stößt der 16-jährige Jugend-Vizemeister Litauens zum Team. Er könnte an Position zwei zum Einsatz kommen. Das Doppel Juchna/Preidzius dürfte aber zusammenbleiben. Es harmoniert zu gut. Ohne Worte. ni

Starkes Duo aus Litauen

Mit 13 Jahren startete Gintautas Juchna erstmals bei den litauischen Meisterschaften, mit 15 war er bereits Dritter der nationalen Rangliste, als 17-Jähriger erstmalig die Nummer eins seiner Heimat. Er schaffte schnell den Sprung ins Nationalteam und sammelte 17 litauische Meistertitel, dazu ist er dreifacher Europameister der Gehörlosen (Einzel, Doppel, Team). „Gintautas hat eine überragende Vorhand, eine starke Rückhand und ist ein richtig guter Doppelspieler“, lobt Manager Wolfgang Linke. „Und dass er Linkshänder ist, gibt dem Ganzen eine noch charmantere Note.“ In der Verbandsliga Süd liest sich seine Statistik beeindruckend: Im Einzel sammelte er 35 Siege bei nur einer Niederlage, im Doppel steht 20 Siegen ebenfalls nur eine verlorene Partie gegenüber. „Der Junge könnte auf jeden Fall noch locker Regionalliga spielen“, sagt Linke über die Hagenburger Nummer eins. An seiner Seite sorgt mit Andrius Preidzius ein zweiter Litauer für Punkte. Der 21-Jährige ist die aktuelle Nummer drei der Liga (24:10 Punkte). „Der Junge kann eigentlich alles“, schwärmt Linke. Rückhand, Vorhand, das Spiel aus der Halbdistanz – dazu sei er ein Fighter. Es mangele jedoch noch an der Konstanz und der Erfahrung.   ni

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