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„Immer volle Pulle, auch wenn es weh tut“

Schwimmen „Immer volle Pulle, auch wenn es weh tut“

Er ist jung, er ist fleißig, er ist ehrgeizig, er ist erfolgreich, er sammelt Medaillen – und zwar reichlich.

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Immer eine gute Figur: Tom Reuther gibt im Schwimmbecken alles und belohnt sich mit einem Start bei den „Deutschen“.

Quelle: pr.

Von Jens Niggemeyer

Schwimmen. Dennoch lässt er sich von einer eher bescheidenen Maxime leiten. „Als kleines Kind habe ich im Fernsehen immer die Olympia-Übertragungen gesehen“, erinnert sich Schwimmtalent Tom Reuther. „Und da hörte ich dauernd: Hauptsache dabei sein.“ Genau dieses olympische Prinzip „Dabei sein ist alles“ hat sich der 13-jährige Stadthäger als Leitmotto auserkoren. „Ich schaue nicht so sehr auf Platzierungen, sondern auf meine Zeiten – die will ich verbessern.“ Und sich damit für die nächsthöhere Ebene qualifizieren.

 Erst schwamm er bei Kreis-, dann bei Bezirks-, dann bei Landesmeisterschaften mit. Seit dem vergangenen Jahr mischt Tom Reuther auf höchstem Niveau mit – und die Konkurrenz auf: Der Schaumburger hat 2012 erstmalig das Ticket für das Kräftemessen der nationalen Elite gelöst: Er durfte bei den „Deutschen“ in Magdeburg ins Becken springen und sicherte sich auf Anhieb die Silbermedaille in der Freistil-Mehrkampfwertung seines Jahrgangs.

 In diesem Jahr ließ es das Kraultalent dann in Berlin noch mehr krachen: Über 50, 100, 200 und 400 Meter gewann er jeweils Silber und musste dabei stets lediglich den „Dominator“ Johannes Hintze (SV Wasserfreunde Brandenburg) den Vortritt lassen. Das wurmte Reuther derart, dass er auf seiner letzten Freistil-Distanz, den 1500 Metern, nachdrücklich nachwies, von welcher zweiten Regel er sich beeinflussen lässt: „Ich weiß im Wasser oft nicht, wo ich genau liege. Aber ich schwimme immer volle Pulle und haue raus, was geht – egal, ob es wehtut.“ Da wo andere aufgeben, weil sie glauben, keine Chance mehr zu haben, da legt Tom Reuther erst richtig los. Als Belohnung gab es Gold und den ersten deutschen Meistertitel. Am Ende hatte Reuther seinen Erzrivalen „aufgefressen“ und ihn um rund acht Sekunden auf Distanz gehalten. Und er gibt grinsend zu: „Okay, in diesem speziellen Fall war ich dann doch mal froh über meine Platzierung.“ Keine Konkurrenten, sondern Mitstreiter

 Insgesamt empfinde er den sportlichen Wettstreit mit seinen ärgsten Rivalen in Trainingsgruppe und Wettkampf aber als vergleichsweise entspannt: „Ich sehe sie nicht als Konkurrenten, sondern als Mitstreiter.“ Das Gros der Rivalen mache auf ihn den Eindruck, als gingen sie ähnlich an die Sache ran. „Man gönnt sich was.“ Auf Bundesebene gebe es dann allerdings doch den einen oder anderen, der seinen Sport arg verbissen ausübe. „Die wurmt das schon, wenn sie nicht gewinnen.“ Dass Tom da anders ist, spürt man.

 „Wenn es bei mir Grund zum Ärgern gibt, bin ich meist selbst schuld daran“, sagt er und spielt dabei auf sein Hauptdefizit an: den Start. Er springe oft im Bogen und habe deshalb eine zu tiefe Tauchphase. Das koste Zeit – und Kraft, weil es dann gilt, verloren Gegangenes wiedergutzumachen. „Außerdem kommt es ja beim Start auch auf die Reaktionszeit an.“ Und aus Angst vor einem Fehlstart springe er hin und wieder zu spät ab. „Gefühlt bleibe ich da zwei Stunden stehen“, unkt der 13-Jährige. Kurzum: Es gibt im Training immer etwas zu tun und zu verbessern.

 Genau deshalb halte er das für Außenstehende vielleicht etwas monoton wirkende Schwimmtraining auch keinesfalls für langweilig. Es sei kein bloßes Kacheln-Zählen, und es gehe nicht nur um das pure Optimieren von Schnellkraft und Kondition. „Technik, Wende, Startsprung, Tauchphase – man macht immer was falsch.“ Das klingt extrem vernünftig, realistisch und nach einem Jugendlichen, der zielgerichtet denkt – und handelt. Allerdings fügt er auch etwas hinzu, das geradezu unentbehrlich ist für diesen Sport: „Ich schwimme einfach gerne, und ich mag es zu trainieren.“ Fünfmal die Woche trainiert er nachmittags im Becken, dazu kommt eine Morgeneinheit. „Und ein-, zweimal geht es in den Kraftraum.“ Das sieht man.

 Möglich ist das, weil Tom Reuther seit Sommer 2012 auf die Humboldtschule in Hannover geht, die mit dem Leistungszentrum und dem Olympiastützpunkt kooperiert. Er besucht das dortige Teilzeitinternat und hat damit beste Voraussetzungen, Schule und Sport zu vereinbaren. Ein weiterer angenehmer Nebeneffekt für das Sport-As: „Ich habe in der Klasse und in meiner Trainingsgruppe viele Freunde gefunden, mit denen ich auch privat gerne was unternehme.“ Das sei auf dem Stadthäger Ratsgymnasium noch anders gewesen. „Da kam ich nicht so gut klar.“ Nun aber läuft’s – sportlich, privat und schulisch. Er sei zwar kein überragender Schüler, aber er komme klar. „Chemie mag ich am liebsten.“ Kein Wunder, könnte man meinen. Denn auf die Chemie kommt es schließlich an, die muss stimmen.

 Zum Schwimmsport kam er im Alter von vier Jahren durch Papa Jens, der selbst aktiv war und Coach beim SC Stadthagen ist. Die Reuthers dürfen fraglos als schwimmverrückte Familie bezeichnet werden. „Meine Mama leitet die Seepferdchen-Gruppe, mein Bruder Arne und meine Schwester Maja schwimmen auch.“ Unterstützung vonseiten der Eltern gebe es folgerichtig reichlich. „Das tut auch gut“, sagt Tom, betont aber zugleich: „Ich bin ein sehr stabiler Typ.“ Er könne Niederlagen oder Krisen ganz gut verarbeiten. „Ich krieg das selbst ganz gut hin.“ Landeskader-Training sorgt für Explosion

 Mit sieben Jahren ging es zu den ersten Wettkämpfen – und stetig bergauf. Der große Leistungssprung folgte aber erst nach der Aufnahme in den Landeskader vor zwei Jahren. Während eines Lehrgangs des DSV, bei dem auch der Bundestrainer anwesend war, sei er aufgefallen, und Landestrainerin Beate Schroeder habe ihn zum Probetraining eingeladen. Der Rest entpuppte sich als Formsache. Toms Talent war nicht zu übersehen. Seitdem gehört er zur Trainingsgruppe von Carsten Gooßes – und explodiert. Podiumsplätze, Siege, Meistertitel, Rekorde, Best- und Kaderzeiten – Tom bahnt sich seinen Weg.

 Stilistisch liegen ihm Kraul und Delfin am besten, auch in Lagen ist er stark. „Ich komme eher über die Kraft, verfüge über sehr gute Ausdauerwerte“, kennt er seine Stärken. Die Wenden seien schon recht gut, technisch und stilistisch aber gebe es noch Luft nach oben. Tom Reuther kann sich gut selbst einschätzen: „Ich weiß, was ich kann und wo es noch hakt, und ich merke immer, wenn ich etwas falsch gemacht habe.“ Fehler oder Disqualifikationen schocken ihn dabei nicht. „Wichtig ist, daraus zu lernen.“ Und selbst bei einem Ausschluss sieht er immer auch das Positive: „Wenn ich eine gute Zeit hingelegt habe, weiß ich zumindest, dass ich es drauf habe.“

 Tom hat auch einige Jahre beim VfL Stadthagen Handball gespielt. „Das hat mir echt Spaß gemacht, und ich war auch relativ gut.“ Schwimmen allerdings konnte er schlicht besser, und wegen des erheblichen Trainingsaufwandes war beides parallel nicht mehr zu vereinbaren. Nun schwimmt er also, Tag für Tag, und immer besser. Seine Ziele? „Noch mehr Bundeskaderzeiten – und ich würde gern bei den EYOF mitmachen.“ EYOF – das ist das „European Youth Olympic Festival“, eine Art Olympische Spiele für den Nachwuchs.

 Und was macht er, wenn er mal „groß“ ist? „So weit denke ich nicht.“ Tom nimmt es so, wie es kommt. Vorstellen könne er sich, nach der Schule zunächst für zwei Jahre zur Bundeswehr in eine Sportförderkompanie zu gehen. Er schwimmt halt für sein Leben gerne – und gut noch dazu. Seine Taktik beim Schwimmen klingt ein wenig simpel, scheint aber auf ihn wie zugeschnitten, auch als Lebensmotto: „Volle Kanne vorneweg, nicht verkrampfen – und sehen, was am Ende rauskommt.“

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