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„Irgendwann wird Notstand ausbrechen“

Fußball / Jugendwahn „Irgendwann wird Notstand ausbrechen“

Auf Schaumburger Fußballplätzen ist der Jugendwahn ausgebrochen. Dieses Phänomen betrifft nicht nur die Mannschaften, deren Altersdurchschnitt immer geringer wird.

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Siebzehn Jahr, Bezirksliga: Schiedsrichter Yves Schädel (links) hat als Youngster den Sprung in die Bezirksliga geschafft.

Quelle: uk

Auch bei den Schiedsrichtern wird Erfahrung ein immer seltenes Gut. Aber auch die Gesamtzahl der Schaumburger Fußballschiedsrichter wird immer kleiner. Der Schaumburger Schiedsrichter-Obmann Wilhelm Kläfker hat die Liste der Aktiven bereinigt und nur noch 180 Schiedsrichter zur Verfügung. „Wir haben ausgemistet und sogenannte Karteileichen entfernt. Außerdem haben einige erfahrene Schiedsrichter aus verschiedensten Gründen aufgehört“, erklärt Kläfker.

 77 der Schaumburger Unparteiischen sind unter 20 Jahre alt, weitere 35 unter 30 Jahre. Das ist ein großes Problem, denn die jungen Schiedsrichter sind nicht überall einsetzbar, oft nur als Schiedsrichter-Assistenten unterwegs oder haben gar keinen fahrbaren Untersatz. „Wenn 17-Jährige keine Herrenspiele leiten würden, wäre es jetzt schon eng“, sagt Kläfker und schlägt Alarm. Deshalb habe der Schiedsrichter-Ausschuss für die 1. Kreisklasse und die Kreisliga einen breiten Kader eingeteilt. „Die Jungs können keine Erfahrungen sammeln, werden ins kalte Wasser geschmissen. Darunter leidet natürlich auch die Qualität der Spielleitungen“, gibt Kläfker zu. Viele Schiedsrichter würden schon nur wegen ihres Alters kritisiert, einige würden die Pfeife angesichts der Anfeindungen schnell wieder an den Nagel hängen, so der Obmann.

 Es fehle an allen Ecken und Enden an gestandenen Erwachsenen, „die sich auch mal in den Wind stellen“. In der Altersgruppe der 30 bis 50-Jährigen stehen dem Ansetzer gerade mal 36 Schiedsrichter zur Verfügung. „Irgendwann wird der Notstand ausbrechen“, prophezeit Kläfker, „ich will keine Prognose abgeben, aber es kann sein, dass auch Spiele der Kreisliga mal ohne Schiedsrichter stattfinden.“

 100 Schiedsrichter werden an jedem Wochenende gebraucht, um alle Spiele im Bezirk, Kreis und Jugend zu besetzen. Dazu kommen Wochenspiele und freitags Altherren und Altsenioren. „Außerdem nehmen die Abmeldungen am Wochenende stark zu. Der eine fährt zu Hannover 96 oder nach Dortmund, der nächste will lieber feiern. Das ist aber wohl ein Trend bei der heutigen Jugend“, vermutet Kläfker. Um über die Runden zu kommen, müssen viele Schiedsrichter bis zu viermal in der Woche ran. Manche haben bis zu 100 Einsätze in der Saison. „Ich stelle mir die Frage, ob die vielen Wochenspiele überhaupt sein müssen“, sagt Kläfker.

 Den Fußballmannschaften kommen viele junge Spieler durch Beruf oder Studium schnell wieder abhanden, genauso verhält es sich bei den Unparteiischen. Viele seien schnell wieder weg, so Kläfker. Ein Beispiel ist das große Talent Marian Bodenstedt vom TSV Krankenhagen, der wegen seines Studiums nicht mehr zur Verfügung steht. Von den Vereinen erwartet Kläfker nicht viel. „Da ist viel Bequemlichkeit dabei. Ich höre von manchen Vereinen seit zehn Jahren, dass sie keine Schiedsrichter finden“, ärgert sich Kläfker.

 Bleiben die Strafen, denn die Vereine müssen für ihre Mannschaften Schiedsrichter melden. Der eine oder andere höherklassige Schaumburger Verein bezahlt pro Jahr 600 Euro an Strafen für eine Fehlleistung, die nicht sein müsste. Im Kreis gibt es noch das ungeliebte Mittel des Punktabzuges. Das könnte in Zukunft auch die Mannschaften im Bezirk oder höher betreffen, im Verband sind derartige Überlegungen nicht mehr tabu. Aktuell können nur der höchstspielenden Herrenmannschaft im Kreis Punkte abgezogen werden.

 Um noch für die laufende Saison etwas für den Bestand zu tun, bietet der Schiedsrichter-Ausschuss im August einen weiteren Lehrgang an. „Wir brauchen vor allem gestandene Schiedsrichter-Anwärter, die können auch ruhig 50 Jahre alt sein“, sagt Kläfker.

 Im benachbarten Kreis Nienburg geht man einen anderen Weg. Dort pfeifen noch weit über 60-Jährige in der Kreisliga und kommen zwangsläufig mit dem Spieltempo nicht mehr mit. Den Alterswahn will in Schaumburg auch niemand. uk

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