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Nichts für Frostbeulen

Schwimmen Nichts für Frostbeulen

 Das war nichts für Frostbeulen, aber ein eindrucksvolles Erlebnis: Marcus Reineke von den Schwimm- und Sportfreunden Obernkirchen ist am vergangenen Wochenende bei den 1. Ice Swimming German Open im bayrischen Burghausen über fünf Strecken gestartet und hat in der Königsdisziplin über 1000 Meter in 15:12 Minuten den 3. Platz belegt.

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Marcus Reineke belegt beim Rennen über die 450 Meter den dritten Platz.

Quelle: Passauer Neue Presse

Schwimmen. Der Wöhrsee in Burghausen, am Fuße der weltlängsten Burg, diente als Wettkampfort – ein malerisches Ambiente. Rund 100 Extremschwimmer nahmen an der Premieren-Veranstaltung teil. Neben Deutschland, Österreich und der Schweiz gingen auch Schwimmer aus der Türkei, Spanien, Südafrika, USA, Brasilien und Argentinien an den Start. Reineke meldete über alle Strecken – 25 und 50 Meter Kraul, 25 Meter Brust, 450 und 1000 Meter Kraul. „Ich habe das einfach ausprobiert, ohne zu wissen, ob es möglich ist, mehrmals am Tag ins Eiswasser zu steigen“, berichtet der 45-Jährige.

Die Wassertemperatur des Wöhrsees betrug am ersten Tag 4,8 Grad. Bei frühlingshaften 18 Grad Lufttemperatur brachten viele Hunderte von Zuschauern die Atmosphäre zum Kochen. Über 25 Meter Brust belegte der Schwimmlehrer in der Altersklasse 40 bis 49 in 17,40 Sekunden den 1. Platz. Über 25 Meter Kraul (13,64 Sekunden) und 50 Meter Kraul (33,17 Sekunden) wurde Reineke Zweiter und Dritter seiner Altersklasse. „Bei dieser kurzen Distanz habe ich die Kälte überhaupt nicht gespürt“, sagt er.

Die tolle Stimmung machte mutig. Stefanie Neumann, die Partnerin und ständige Begleiterin von Reineke, trat über 25 Meter Brust an. Üben konnte die 45-Jährige im Vorfeld kaum, da sie nach dem Training immer Reinekes Aufwärmphase beobachten musste. Angefeuert von den Zuschauern überwand sie sich und erreichte nach 31,22 Sekunden als Fünfte das Ziel.

Am zweiten Wettkampftag gab es einen Temperatursturz auf drei Grad mit Schneeschauern. Der Atmosphäre tat das keinen Abbruch. Weiterhin tummelten sich viele Zuschauer rund um das Naturschwimmbecken im Wöhrsee. Über 450 und 1000 Meter (Ice Kilometer) gibt es besondere Sicherheitsvorkehrungen. Ärztliche Untersuchung und Nachweis über das Training im Eiswasser sind Pflicht.

Ein persönlicher Betreuer muss den Schwimmer ständig beobachten. Die Anforderungen an den Körper sind extrem, der Energieaufwand im kalten Wasser gewaltig. Blickkontakt und Zeichen geben, sowie die Kontrolle der Zugfrequenz sind entscheidende Anzeichen, ob es dem Schwimmer noch gut geht. Ein weiterer kritischer Moment ist die Aufwärmphase. Nach dem Verlassen des Wassers kommt es zum Absinken der Körpertemperatur und starkes Zittern beginnt. Zu schnelles Erwärmen ist lebensgefährlich. Nach langem Schwimmen ist die Körpertemperatur nach drei bis vier Stunden komplett wieder hergestellt.

Über 450 Meter schwamm Reineke in 6:21 Minuten auf Platz 3. Lediglich die beiden Ausnahmeschwimmer Christof Wandratsch, Weltmeister über 450 Meter und Weltrekordhalter über die Ice-Meile (1610 Meter), und der Este Henri Kaarma, Weltrekordhalter über 450 Meter und Freiwasserschwimmer des Jahres 2014, waren schneller als der Schaumburger. „Nach diesem Rennen habe ich kaum etwas gemerkt. Ich habe mich in den Whirlpool gesetzt und alles war gut“, berichtet Reineke.

Über 1000 Meter gab es die gleiche Reihenfolge. Damit setzten sich Wandratsch, Kaarma und Reineke an die Spitze der Weltrangliste über den Ice Kilometer. „Die 1000 Meter waren schon härter. Ich bin nicht so ein hohes Tempo gegangen, hatte die Atmung unter Kontrolle und habe mich in den 15 Minuten nie schlecht gefühlt“, erinnert sich der SSFO-Schwimmer. Trotzdem kam nach dem Rennen das große Zittern. „Ich konnte meinen Tee gar nicht festhalten“, so Reineke, dem es aber nach 30 Minuten und einem kurzen Saunabesuch wieder gut ging. Für die abschließende Siegerehrung wollten die sechs Besten der Welt dann aber den warmen Whirlpool nicht verlassen.

Bei der ersten offiziellen Weltmeisterschaft am 20. März im russischen Murmansk wird Reineke aber nicht am Start sein. „Die Meldefrist war schon im November verstrichen“, erklärt der Weltranglistendritte im Eiswasserschwimmen. Und da er diesen Extremsport erst seit Mitte Dezember betreibe und auch nicht wusste, ob er zu den verrückten Typen gehöre, die ins kalte Wasser springen, werde er nicht an der WM teilnehmen. „Aber im nächsten Jahr bin ich wieder in Burghausen dabei“, ist sich Reineke sicher.

Aber auch die Schaumburger können Reineke im Eiswasser bewundern. Bei der Obernkirchener Eiswette am 1. Februar wird er an den Start gehen. „Wenn alles passt, greife ich die Ice-Meile an“, kündigt er an. Im Anschluss gehen auch die Prominenten ins Eiswasser. seb

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