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WM-Ausweitung: Der Fußball leidet

Kommentar WM-Ausweitung: Der Fußball leidet

Noch mag der Fußball als Melkmaschine funktionieren. Die Expansion in die Märkte in Asien und Afrika hat erst begonnen. Dafür das Teilnehmerfeld der Weltmeisterschaft aufzustocken ist aber das falsche Signal.

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FIFA-Präsident Gianni Infantino

Quelle: imago

Hannover. Gianni Infantino wollte die globale Fußballmacht. Dafür hat er – in der Tradition seiner skandalumwitterten Vorgänger João Havelange und Sepp Blatter – Versprechungen gemacht, die er als Fifa-Präsident jetzt einhalten muss. Deswegen – und weil diese Variante eine Milliarde Dollar Umsatzplus verspricht – dürfen in gut neun Jahren 48 Mannschaften zur Endrunde der Weltmeisterschaft fahren. Das System Fifa, diese hochverdächtige Melange aus Mauschelei, Moneten und Machtabsicherung, funktioniert also wie eh und je. Trotz der Skandale der Vergangenheit, trotz der so wohlfeil nach außen dargebotenen Transparenzbemühungen.

Den Schaden hat: der Fußball.

Denn wozu eine Aufstockung führt, hat die auf 24 Teams aufgeblähte Vorrunde der Europameisterschaft im vergangenen Sommer gezeigt. Oder fand irgendjemand, dass Spiele wie Russlands 1:2 gegen die Slowakei oder Rumäniens 0:1 gegen Albanien auch in Zukunft das Niveau einer EM bestimmen sollten?

Wie lange lassen sich die Fans das noch gefallen?

Kicks auf Qualifikationsniveau sind bei einer WM mit 48 Teilnehmern noch häufiger zu erwarten. Dazu kommen für irreguläre Absprachen anfällige Dreiergruppen und womöglich tief in das Spiel eingreifende Regeländerungen wie ein Elfmeterschießen nach regulärer Spielzeit.

So stellt sich mehr und mehr die Frage: Wie lange lassen sich die Fans das hierzulande noch gefallen? Wie lange taugen folkloristische Randgeschichten wie die der isländischen „Uh“-Rufer, um vom Kern der Fußballfaszination – nämlich dem Spiel mit dem Ball – abzulenken?

Es mehren sich im europäischen Kernmarkt die Stimmen, die eine Implosion des Geschäfts herbeisehnen, damit das Spiel wieder mehr auf das Wesentliche reduziert werden kann. Die Anzeichen dafür, dass der Kommerzgipfel in Europa erreicht oder sogar überschritten ist, sind nicht mehr zu ignorieren. In England sind die Einschaltquoten trotz eines Vertrags, der den Klubs der Premier League Rekordeinnahmen beschert, in der laufenden Saison um 19 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gesunken. Steht ausgerechnet England, das Mutterland, das Land, in dem der Fußballboom keine Grenzen zu kennen schien, vor dem Fußball-Bumm?

Noch mag die Melkmaschine Fußball funktionieren. Die Expansion in die nach Fußball hungernden Märkte in Asien und Afrika hat erst begonnen. Dafür das WM-Teilnehmerfeld aufzustocken ist aber das falsche Signal. Denn eine WM lebt vom faszinierenden Auftritt der Weltbesten, nicht vom verordneten Massenkick der Fußballexoten. Sinkt das Niveau, leidet der Sport.

Und speziell der Fußball hat schon genug gelitten unter der Gier des Fifa- und Funktionärsimperiums.

Von RND/Sebastian Harfst

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