Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Hannover 96 „So etwas kotzt die Mannschaft an“
Sportbuzzer Hannover 96 „So etwas kotzt die Mannschaft an“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:15 20.12.2014
Von Norbert Fettback
Der Weihnachtsmann konnte gegen Augsburg nicht für Frieden auf den Tribünen sorgen – sein Schal war nicht ganz aktuell. Quelle: zur Nieden
Hannover

Als Anhänger von Hannover 96 hat man es in diesen Tagen und Wochen nicht leicht. Gut: Am Dienstagabend hat es mit dem 2:0 gegen den 
FC Augsburg mal wieder drei Punkte aufs Konto gegeben, auf dem sich zuvor vier Spiele lang herzlich wenig getan hatte. Das wurde im hannoverschen Stadion nach der Melodie des „96-Walzers“ gefeiert wie in guten alten Europa-League-Zeiten. Aber sonst? Beim getanzten Walzer muss ein Paar harmonieren, um Eindruck zu machen und Spaß an der Sache zu haben. Bei den „Roten“ treten sie sich bei Heimspielen hingegen auf die Füße. Man tut sich gegenseitig weh, und das mit voller Absicht. Wie unten auf dem Platz, wo zwei Mannschaften miteinander kämpfen, sind sie sich auch auf den Rängen nicht grün – obwohl sie doch alle ein „rotes“ Herz haben.

Die Anhängerschaft des Fußball-Bundesligisten aus Hannover ist gespalten wie nie zuvor. Am Dienstagabend, als auch Bierbecher flogen, wurde besonders offenkundig, wie tief die Gräben sind. Messbar an den Reaktionen auf die unseligen „Kind muss weg!“-Rufe, die in der Nordkurve schon in der 6. Spielminute einsetzten und wie nach Fahrplan zunächst alle fünf Minuten wiederholt wurden. In der Häufigkeit hatte es das zuvor nicht gegeben. Und das passierte mehrfach zu einem Zeitpunkt, als 96 Ballbesitz hatte und Richtung Augsburger Strafraum unterwegs war. Tausende, darunter viele auch aus der Nordkurve, konterten mit einem Pfeifkonzert, später mit rhythmischen „HSV!“-Rufen.

Ewiger Streit zwischen Ultras und Klubchef

Normalerweise dienen diese dazu, die eigene Mannschaft anzufeuern. Jetzt wurde daraus auch ein Mittel des Protestes. Gegen Stadionbesucher, denen 96 eigentlich ebenfalls nicht egal ist. Es erscheint müßig, die Frage zu stellen, wer die Guten und wer die Bösen sind. Die Vorgeschichte der „Kind muss weg!“-Rufe ist allgemein bekannt und hat mit dem weiterhin schwelenden Konflikt zwischen den sogenannten Ultras Hannover einerseits und dem 96-Klubchef andererseits zu tun. Offiziell haben diese Fans der Profielf zu Saisonbeginn per Dauerkartenverweigerung den Rücken gekehrt. Auch wenn man sie in der Nordkurve der HDI-Arena seitdem nicht mehr sieht und ihre Choreografien durchaus vermisst werden: Man meint, sie immer noch zu hören.

Und das nicht nur bei der infantilen Anti-Kind-Tirade. Am Dienstag riefen dieselben Leute noch einen anderen Namen: den von Ceyhun Gülselam. Auch das war eine Reaktion. Für den 96-Mittelfeldspieler, der sich gerade auf seine Einwechslung vorbereitete und der zuvor schwache Spiele ablieferte, hatte es von der Westtribüne gellende Pfiffe der anderen 96-Fraktion gegeben. Reagiert wurde auch auf dem Platz: Lars Stindl klatschte den „Gülselam“-Rufern in der Nordkurve mit in die Höhe gereckten Armen spontan Beifall. Man kann es auch so sehen: Denen, die zuvor ihren Unmut artikulierten, zeigte der Mannschaftskapitän den Rücken und somit auch den Allerwertesten.

„So etwas kotzt die Mannschaft an“

Ein einzelner Spieler wird bei einem Heimspiel seiner Mannschaft ausgepfiffen – ein Unding, „höchst bedauerlich und schockierend“, wie 96-Sportdirektor Dirk Dufner sagt, der dafür drastische Worte findet: „So etwas kotzt die Mannschaft an.“ Teile des Publikums hätten auf bemerkenswerte Weise reagiert, indem Gülselam angefeuert worden sei.

So wie sich der Sportdirektor über das 2:0 gegen Augsburg gefreut hat, so sehr gibt ihm die Entwicklung zu denken, die sich im Stadion vollzogen hat und die von einer in unterschiedliche Lager gespaltenen Anhängerschaft geprägt ist. Viele, das zeigen auch Zuschriften an die HAZ, ödet das an. „Die Atmosphäre war schon besser“, sagt Dufner. Auf die Frage, wie man das ändern könnte, sagt er: „Ich habe da kein Geheimrezept.“
Drei Punkte in der Liga zu holen scheint dagegen kinderleicht zu sein.     

Hannover 96 Die 96-Spieler in der Einzelkritik - Zieler aufmerksam, 
Joselu eiskalt

Was für ein versöhnlicher Abschluss des Jahres: Hannover 96 siegt bei seinem letzten Heimspiel für dieses Jahr gegen den FC Augsburg. Doch wie schnitten die 96-Spieler ab? Die Einzelkritik. 

Jörg Grußendorf 18.12.2014
Hannover 96 96 gewinnt gegen FC Augsburg - Sané gibt beim 96-Walzer den Takt an

Endlich wieder ein Sieg: Die „Roten“ kommen beim verdienten 2:0 gegen ihren Lieblingsgegner FC Augsburg in Schwung.

Norbert Fettback 19.12.2014
Hannover 96 Hannover 96 gegen Augsburg - 96 besiegt Augsburg mit 2:0

Hannover 96 hat das letzte Heimspiel des Jahres gegen den FC Augsburg mit 2:0 gewonnen. Salif Sané erzielt mit einem Kopfball die Führung, die Joselu mit einem umstrittenen Elfmeter kurz nach der Pause ausbaute. Hier ist das Spiel im Live-Ticker zum Nachlesen:

18.12.2014