Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Hannover 96 "Hier ist alles entspannter als bei 96"
Sportbuzzer Hannover 96 "Hier ist alles entspannter als bei 96"
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:00 24.12.2016
„Das Besondere an Graz sind das Lebensgefühl und der lockere Umgang“: Christian Schulz genießt die entspannte Atmosphäre und das schöne Winterwetter in Österreich. Quelle: Christian Purbs
Hannover/Graz

Hallo Herr Schulz, Sie sind jetzt seit einem halben Jahr in Graz. Bereit für einen kleinen Ösi-Sprachtest?
Klar, legen Sie los.

Was ist ein kleiner Brauner?
Das ist ein Kaffee, ganz genau ein Espresso.

Okay, das war aber auch einfach. Was ist ein Karfiol?
Das sagt mir gar nichts, habe ich noch nie gehört.

So nennen die Österreicher Blumenkohl.Und zum Schluss ein Begriff aus dem Fußball: Wofür steht Eisenbahnerschmäh?
Also, ein Eisenbahner ist ein Pferdekuss. Als ich mal im Spiel einen Schlag abbekommen habe, hat ein Mitspieler zu mir gesagt, ich hätte einen Eisenbahner. Aber Eisenbahnerschmäh …

Eher kalt.
Schmäh steht ja für Quatsch, Blödsinn.

Schon wärmer. Es bedeutet, jemanden beim Fußball austricksen, auf’s falsche Gleis stellen.
Okay, jetzt bin ich dran. Wissen Sie, was eine Wurzel ist? Also jemandem eine Wurzel schieben?

Keine Ahnung, klingt nicht gut, irgendwie nach Zahnarzt.
Das sagt man hier, wenn man einen Spieler tunnelt.

Schöner Ausdruck, den werde ich mir merken. Test gerade so bestanden, da ist aber noch Luft nach oben.
Ich bin ja noch eineinhalb Jahre hier, das passt schon.

Mal abgesehen von der Sprache: Wie groß ist die Umstellung, wenn man als Norddeutscher im Süden von Österreich lebt?
Ihre Leser können es zwar nicht sehen, aber wir sitzen hier bei herrlich blauem Himmel im Dezember in der warmen Sonne, was nicht die Ausnahme, sondern eher der Normalzustand ist. Das Wetter hier ist schon sehr angenehm. Ich habe mich sehr gut eingelebt und auch Zeit gehabt, die Stadt zu erkunden. Die Leute sind freundlich, wir fühlen uns hier als Familie sehr wohl.

Woran mussten Sie sich in Graz erst gewöhnen, was sind die größten Unterschiede zum Leben in der norddeutschen Tiefebene?
In manchen Bereichen habe ich den Eindruck, dass es hier so ist wie in Deutschland vor zehn Jahren. Etwa was die Öffnungszeiten von Restaurants oder Geschäften angeht. Wenn man da am Sonnabendnachmittag noch einkaufen gehen will, hat man keine Chance, da ist alles schon geschlossen. Es ist alles einen Tick ruhiger, gelassener, was wir aber auch meistens genießen.

Und sportlich?
Auch da ist es beim Sturm Graz alles ein bisschen ruhiger, entspannter als bei Hannover 96. Der Fußball hat zwar einen hohen Stellenwert, aber gerade im Winter ist er gleichbedeutend mit dem Wintersport, für den die Österreicher auch Feuer und Flamme sind.

Spielen Sie doch mal kurz den Fremdenführer von Graz.
Das habe ich doch die letzten drei Stunden schon gemacht.

Und zwar sehr gut, ich bin beeindruckt. Was noch fehlt, ist ein Fazit: Warum lohnt es sich, in Graz mal vorbeizuschauen?
Graz ist keine Stadt, in der es wie etwa in Wien ein Dutzend Attraktionen gibt, die man dann nach und nach anschauen kann. Das Besondere an Graz ist die entspannte Atmosphäre, das Lebensgefühl, der lockere Umgang miteinander. Ein bisschen was zu gucken gibt es aber auch. Am bekanntesten ist der Schlossberg, aber auch das Rathaus und die Oper lohnen einen Besuch.

Neues Outfit: Auf der Weihnachtsfeier von Sturm Graz präsentierte sich Christian Schulz in der Krachledernen. Quelle: privat

Was vermissen Sie am meisten?
Ich würde gerne mal wieder ein 96-Spiel live sehen. Und meinen Freundeskreis vermisse ich auch. Man lebt halt so weit voneinander entfernt, dass man sich nicht mal eben auf einen Kaffee treffen kann. Das fehlt mir schon.

Wissen die Leute hier überhaupt, wo Hannover liegt und kennen sie 96?
Wer mit Fußball etwas am Hut hat, der kennt auf jeden Fall auch 96. Man hat fast das Gefühl, dass die Österreicher sich mehr mit der Bundesliga und 
2. Liga beschäftigen als mit dem österreichischen Fußball.

Warum haben Sie sich im Sommer für Sturm Graz entschieden?
Nachdem klar war, dass es in Hannover nicht weitergehen wird, haben meine Frau und ich uns erst einmal eine Auszeit genommen. Wir wollten gerne als Familie ins Ausland gehen, aber dabei auch keine Harakiri-Aktion starten. Es war schnell klar, dass es in Richtung Schweiz und Österreich gehen würde. Dann kam das Angebot von Sturm Graz. Wir sind dann runtergeflogen und haben oben auf dem Schlossberg mit dem Sportdirektor und dem Trainer zusammengesessen. Da ist der Funke dann übergesprungen.

Nach einem super Start lief es zuletzt nicht mehr ganz so gut, die Tabellenführung ist futsch. Was sagt der Kapitän, ist die Meisterschaft noch drin?
Wir sind und bleiben auf jeden Fall oben dabei. Der große Meisterschaftsfavorit ist Salzburg. RB hat auch in den vergangenen Jahren dominiert und die besten Voraussetzungen.

Ordnen Sie doch bitte den österreichischen Fußball ein. Könnten die Spitzenteams in der Bundesliga mithalten?
Salzburg sicherlich. Austria und Rapid Wien, Sturm Graz, das ist dann, um ehrlich zu sein, eher obere 2. Liga.

Da mischt zurzeit auch 96 mit. Wie intensiv verfolgen Sie den Weg Ihres ehemaligen Clubs?
Ich habe viele 96-Spiele im Fernsehen verfolgt, leider konnte ich das 2:1 in Stuttgart nicht sehen, da wir an diesem Abend Weihnachtsfeier hatten.

Ihr Eindruck?
Sie sind in einem Bereich, in dem alles möglich ist. Natürlich drücke ich ganz fest die Daumen, dass es mit dem Aufstieg klappt.

„Es gibt Dinge, die sind wichtiger als Fußball“

Ihre Frau Natalia und Sie sind im Sommer 2015 Eltern geworden. Wie fühlen Sie sich in der Vaterrolle?
Ich habe seitdem gelernt, viele Sachen aus einem anderen Blickwinkel zu sehen. Für mich war der Fußball vorher mehr als nur ein Beruf, er stand immer an erster Stelle. Jetzt merkt man erst mal, dass es andere Sachen gibt, die wichtiger sind.

Guter Fremdenführer: Beim Stadtbummel durch Graz beeindruckte Schulz HAZ-Redakteur Christian Purbs mit viel Wissen. Quelle: privat

Bekommt Tochter Alina noch Gesellschaft? Über einen kleinen Fußballer als Bruder würde sich doch bestimmt auch der Papa freuen.
Wir sind durchaus offen dafür, dass sie ein Geschwisterchen bekommt. Zurzeit sind wir aber noch zu sehr damit beschäftigt, die Kleine auf Vordermann zu bringen.

Sind Sie ein Weihnachtstyp, oder gehören Sie zu den Menschen, die darauf auch verzichten können?
Weihnachten ist eine schöne Zeit, weil es für mich auch immer ein Familienfest ist. Der geschmückte Tannenbaum, die Tradition, Zeit zu haben, einfach zusammenzusitzen und zu reden – das hat schon was.

Wo werden Sie Weihnachten verbringen?
Es geht zurück nach Hannover. Heiligabend werden wir bei Freunden sein, die Weihnachtstage verbringen wir mit unseren Familien.

Ihre Tochter Alina ist jetzt eineinhalb Jahre alt. Bekommt Sie mit, dass da etwas ganz Besonderes vor der Tür steht?
Natürlich ist unsere Wohnung auch weihnachtlich geschmückt. Dass sie daraus ableiten kann, dass etwas Besonderes ansteht, wage ich zu bezweifeln. Als Nikolaus war, haben wir gemerkt, dass sie aber am Geschenkeauspacken großen Spaß hat. Das war spannender als das Geschenk. Ich bin gespannt wie es an Heiligenabend sein wird. Und wir freuen uns sehr darauf.

Was stand denn auf Ihrem Wunschzettel?
Ganz hoch im Kurs steht zurzeit das Rutschen. Immer wieder auf die Rutsche rauf, das könnte sie den ganzen Tag machen.

Da baut der gute Vater natürlich gleich die Wohnung in ein Rutschparadies um.
Das vielleicht nicht gerade. Aber es könnte sein, dass wir ihr den Wunsch nach einer Privatrutsche erfüllen.

Und Ihre Wünsche an den Weihnachtsmann und an das neue Jahr?
Dass wir gesund bleiben, dass Hannover aufsteigt und wir Meister werden. Ach ja: Und eine direkte Fluglinie von Graz nach Hannover.

Es bringt nichts, da hinterherzukarren

Nach neun Jahren als Profi von Hannover 96, in denen der 33-Jährige 261-Bundesliga-Spiele für die „Roten“ machte, verlängerte 96 nach dem Abstieg den auslaufenden Vertrag des Kapitäns im Sommer nicht. Ein Ende, kurz und schmerzvoll, mit dem kaum einer gerechnet hatte – auch Christian Schulz nicht.

Ihre offizielle Verabschiedung Mitte September hat, im Gegensatz zum Gespräch, in dem Ihnen mitgeteilt wurde, dass Sie keinen neuen Vertrag erhalten, wesentlich länger als drei Minuten gedauert. Ist da immer noch ein fader Beigeschmack geblieben?
Ich bleibe immer Fan von Hannover, dafür habe bei 96 zu viel Positives erlebt, meine Frau dort kennengelernt, unsere Tochter ist in Hannover auf die Welt gekommen. Nach der Karriere kommen wir garantiert zurück.

Schöne Liebeserklärung an eine unterschätzte Stadt. Die Frage haben Sie aber nicht beantwortet.
Ich habe mich einmal öffentlich dazu geäußert, dass ich die Art und Weise nicht okay fand, wie mir mitgeteilt wurde, dass mein Vertrag nicht verlängert wird. Damit ist die Sache dann auch erledigt, es bringt ja auch nichts, da noch hinterherzukarren.

Gab es seitdem Kontakt zu 96-Boss Martin Kind und Geschäftsführer Martin Bader?
Bei meiner Verabschiedung haben wir auch darüber gesprochen, dass ich mir gut vorstellen kann, nach meiner Rückkehr für 96 etwas zu machen. Im Jugendbereich, oder wo auch immer. Da gab es deutliche Signale, dass auch der Verein ein Interesse daran hat. Ich kenne Herrn Kind lange genug, um zu wissen, dass er sein Wort hält. Deshalb bin ich sicher, dass sich dann etwas finden wird.

Wir wär’s mit Ko-Trainer bei Ihrem alten Kumpel Steven Cherundolo?
(lacht) Mit Stevie habe ich erst vor ein paar Tagen gesprochen und zu ihm gesagt: „Wir beide als Trainerteam, das hätte doch was.“ Mal sehen.

Im Sommer wurde Christian Schulz bei Hannover 96 aussortiert und wechselte
 zu Sturm Graz. Quelle: dpa

Die Fans von Hannover 96 haben sich in dieser Saison so manches Mal über die Schiedsrichter aufgeregt - und in der Gesamtbetrachtung gar nicht mal zu Unrecht. Denn korrigiert man die Tabelle der zweiten Bundesliga um die Fehlentscheidungen, dann wäre 96 Herbstmeister in der 2. Bundesliga geworden.

23.12.2016

Während des Sommer-Trainingslagers wurde die YouTube-Serie "Baka und Hübi" von Hannover 96 zum Kult. Nun haben Florian Hübner und Marvin Bakalorz nachgelegt. In der neuesten Ausgabe des Formats, die am Mittwoch von 96 auf YouTube veröffentlicht wurde, veralbern die beiden Profis die Besucher des 96-Fanshops am Kröpcke.

22.12.2016

32 Punkte, vor genau einem Jahr hatte man so viele Punkte (14) und Tore (18) zusammen. Für Geschenke ist es also zu früh, deshalb darf sich in diesem Jahr der Platzwart was wünschen - und hat natürlich eine Wunschliste geschrieben.

21.12.2016