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Hannover 96 Hannover 96 hadert mit vergebenen Chancen
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18:38 07.12.2014
96-Kapitän Lars Stindl (li.) und Manuel Schmiedebach (re.) können es kaum fassen, dass die Wolfsburger nach ihrer ersten Torchance bereits das 0:1 durch Kevin De Bruyne bejubeln können. Quelle: zur Nieden
Hannover

Die Frage ist nicht wirklich zielführend. Denn der Beweis, ob sich ein Spiel in der Fußball-Bundesliga tatsächlich anders entwickelt hätte, wenn die eine oder andere Schlüsselszene einen anderen Ausgang genommen hätte, lässt sich natürlich nie erbringen. Doch auch am Sonnabend, als die Profis von Hannover 96 nach der 1:3-Niederlage gegen den VfL Wolfsburg mit hängenden Köpfen vom Platz schlichen, tauchte sie immer wieder auf, diese „Was wäre wenn?“-Frage.

Genau genommen waren es sogar mehrere Situationen, denen die „Roten“ nachtrauerten. Das begann schon mit der Anfangsphase, in der sie bereits nach vier Minuten zwei gute Chancen durch Hiroshi Kiyotake und Ceyhun Gülselam gehabt hatten – aber wie schon bei den vorausgegangenen Spielen in Hoffenheim und gegen Leverkusen stattdessen nach eigenen Möglichkeiten fast im Gegenzug einem Rückstand hinterherlaufen mussten. Besonders ärgerlich wurde der frühe Gegentreffer dadurch, dass Marcelo und Gülselam dem starken Kevin De Bruyne erst dadurch freie Bahn auf das 96-Tor ermöglichten, weil sie sich im Kopfballduell nahe der Mittellinie in die Quere kamen.

Die Hannoveraner brauchten eine ganze Weile, um sich von dem Rückschlag nach nur vier Minuten zu erholen. Zwar störten sie das Aufbauspiel des Tabellenzweiten auch danach mit hoher Laufbereitschaft schon im Ansatz. Doch nach Ballgewinn wusste das Team von Trainer Tayfun Korkut lange Zeit nicht wirklich viel anzufangen. So war es ein Stück weit bezeichnend, dass die beiden einzigen erwähnenswerten Versuche, die bis kurz vor der Pause in Richtung von Diego Benaglio flogen, aus Standardsituationen von Kiyotake und Gülselam resultierten. Doch als sich die meisten der 41.400 Zuschauer in der HDI-Arena wohl schon mit dem Pausenrückstand abgefunden hatten, fiel doch noch der Ausgleich. Jimmy Briand flankte von links, Joselu hielt den Kopf hin – und plötzlich war die Partie wieder völlig offen.

Dass sich Gästetrainer Dieter Hecking, der nach fast fünf Jahren mal wieder einen Sieg an alter Wirkungsstätte feiern konnte, im Nachhinein sogar froh über den Ausgleich unmittelbar vor dem Pausenpfiff war, sagt einiges darüber aus, wie er die Leistung seiner Mannschaft vor der Pause empfunden hatte. „Es war genau der richtige Zeitpunkt“, sagte Hecking, dessen Team mit der Führung im Nacken nach etwa 20 Minuten schon einen Haken an die Partie gemacht zu haben schien und die Gastgeber danach immer wieder leichtfertig in Ballbesitz brachte.

Vom genau richtigen Zeitpunkt hätte wohl auch Tayfun Korkut nach dem Spiel gerne in Bezug auf die 65. Minute gesprochen. Doch stattdessen musste der hannoversche Trainer wieder die „Was wäre wenn?“-Frage stellen, nachdem Lars Stindl den schönsten 96-Angriff des gesamten Spiels eben nicht zur Führung abgeschlossen hatte, sondern am stark reagierenden Benaglio gescheitert war: Joselu hatte einen langen Pass von Marcelo per Hackentrick an Manuel Schmiedebach weitergeleitet, nach dessen Flanke Kiyotake ebenso überlegt auf Stindl quer legte. Doch der Ball landete statt im Netz am Fuß des VfL-Keepers – und vier Minuten später trafen auf der anderen Seite die Gäste mit ihrer zweiten richtigen Torchance durch den eingewechselten Bas Dost ihrerseits zum 2:1.

Korkut sprach später davon, dass es nach diesem Treffer ein anderes Spiel gewesen sei. Und er hatte recht. Denn plötzlich war der Unterschied zwischen den beiden Mannschaften, die sich eine gute Stunde lang auf Augenhöhe begegnet waren, riesengroß. Auf der einen Seite die Wolfsburger, die mit dem Selbstvertrauen eines Spitzenteams nie wirklich am eigenen Sieg zu zweifeln schienen und mit ihrer gefühlt dritten richtigen Torchance sogar noch das dritte Tor durch Maximilian Arnold erzielten (85.). Und auf der anderen Seite die plötzlich kraft- und ideenlos wirkenden Hannoveraner, die danach kein einziges Mal mehr gefährlich vor dem Gästetor auftauchten.

So verließen die 96er nach dem „Was wäre wenn?“-Spiel als Verlierer das Feld. Und mit der Gewissheit, dass gegen diese Wolfsburger mehr drin gewesen wäre.     

Zieler: „Wir haben die Tore zu einfach hergegeben“

Nachgefragt bei Ron-Robert Zieler, 96-Torwart:

Herr Zieler, beim Spiel gegen 1899 Hoffenheim hat es zuletzt zumindest vorne mit der Effektivität gepasst, diesmal wieder nicht. War das ein Knackpunkt in der Partie gegen den VfL Wolfsburg?

Wahrscheinlich. Die Mannschaft hat ja phasenweise richtig gut gespielt und wir hatten auch einige gute Chancen. Da hätte uns das Tor zum 2:1 sicherlich sehr gut getan. Aber es geht nicht nur darum wie wir vorne agieren, sondern auch darum, was hinten passiert. Die Wolfsburger waren ja gefühlt dreimal alleine vor mir – da haben wir die Tore in einer wichtigen Phase des Spiels zu einfach hergegeben und machen es uns selber schwer.

Sie sprechen es selber an – 
hinten passt es in den vergangenen drei Spielen nicht mehr so richtig. Davor war die Abwehr eine sichere Bank und wurde wegen der wenigen Gegentore gefeiert. Was ist seitdem in der Hintermannschaft passiert?

Vielleicht sind wir nicht mehr ganz so konzentriert. Wir müssen jetzt einfach wieder daran arbeiten, dass wir stabiler stehen und natürlich vorne auch so effektiv wie in Hoffenheim die Tore machen. Hätten wir das 2:1 gemacht, wäre das Spiel bestimmt anders gelaufen. Und 
ärgerlich ist sicherlich auch das Tor zum 0:1 schon nach vier Minuten, als Kevin De Bruyne völlig blank auf mich zulaufen konnte. Da haben wir das Abseits aufgehoben.

Sie haben erst dreimal in Folge zu null gewonnen, jetzt haben sie dreimal verloren und insgesamt zehn Gegentore kassiert. Wie sind denn diese Serien zu erklären?

Das ist schwer zu erklären, spiegelt sich aber natürlich direkt in der Tabelle und in den Punkten wider. Wenn man hinten gut steht, ist das die Grundvoraussetzung für Erfolg. Heute haben wir das in der ersten Halbzeit auch nicht so schlecht gemacht. Aber letztlich hätte uns eben das 2:1 sehr gut getan. Dann wäre das Spiel anders gelaufen. Und daran müssen wir jetzt arbeiten.

Aufgezeichnet von Björn Franz     

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