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Hannover 96 "Wir müssen wach werden"
Sportbuzzer Hannover 96 "Wir müssen wach werden"
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00:15 14.09.2016
Von Heiko Rehberg
Dafür gab es Rot: Salif Sané wischt Gegenspieler Stefan Kutschke mit der Hand durchs Gesicht. Quelle: dpa

„Jetzt sind wir wirklich in der Liga angekommen“, sagte Trainer Daniel Stendel. „Wir wären gern länger ungeschlagen geblieben.“ Dass das nicht klappte, hatte sich seine Mannschaft weitgehend selbst zuzuschreiben, auch wenn Stendel fand, dass „die Niederlage in Ordnung geht“.

Dynamo Dresden lieferte Sonntag die Blaupause für alle Teams, die noch gegen 96 antreten müssen. Die Gäste ließen sich nicht einschüchtern vom beeindruckend dominanten Beginn der „Roten“. Sie antworteten mit Zweikampfstärke und gewannen vor allem fast alle Duelle in der Luft. Und sie suchten nach zehn Minuten auch immer wieder die Lücken, die eine offensiv agierende Elf wie 96 immer bietet. Dresden war allerdings der erste Gegner, der daraus etwas machte.

„Wir müssen wach werden“, sagte Stendel nach der Partie. Es war gemeint als Warnung an seine Spieler, die spätestens jetzt wissen, warum die 2. Liga als unberechenbar und unangenehm gilt. 96 hatte, abgesehen vom Start, keinen guten Tag erwischt. Relativ schnell ging die Leichtigkeit verloren, und rund um den Strafraum fehlte fast immer eine überraschende Idee.

Zum hannoverschen Pech kam das Dresdner Glück, zwei Traumtore zu erzielen, die „so nicht jede Woche fallen“ (Stendel). Das 1:0 vom starken Marvin Stefaniak war ein Schlitzohr-Freistoß, der in 99 von 100 Versuchen nicht im Tor landet (18. Minute), auch wenn 96-Torwart Philipp Tschauner half, als er die richtig stehende Mauer noch einmal umdisponierte. Das 2:0 des ehemaligen 96er Florian Ballas war ein herrlicher Distanzschuss, für den er in seiner Zeit in Hannover vermutlich einen lebenslangen Vertrag erhalten hätte. Das Kuriose an den beiden Traumtoren: Kurz zuvor hätten eigentlich die „Roten“ treffen müssen. Drei Minuten vor dem 0:1 ließ der erneut glücklose Niclas Füllkrug eine große Chance aus. Zwei Minuten vor dem 0:2 schoss Sebastian Maier in seiner einzigen auffälligen Szene den Ball an die Latte. Es gehört nicht viel Phantasie dazu, um sich vorzustellen, dass die Begegnung einen anderen Verlauf genommen hätte mit einem Füllkrug- und einem Maier-Treffer. Selbst wenn Kenan Karaman in der 83. Minute zugeschlagen hätte, als er allein aufs Tor zulief, wäre noch eine Wende möglich gewesen.

Zur Geschichte der Torchancen gehört auch der Hinweis, dass Dynamo sogar mehr und bessere Möglichkeiten besaß. Zweimal Aias Aosman (14. und 21. Minute), einmal Pascal Testroet (51. Minute) nach einem leichtsinnigen Ballverlust von Salif Sané, dazu Gelegenheiten für Akaki Gogia (69.) und Stefan Kutschke (74.): Das war auch Stendel viel zu viel, wie er hinterher bemängelte. Ohne Torwart Tschauner hätte 96 fünf oder sechs Gegentore kassiert. Ärgerlich war zudem, dass 96, als noch genug Zeit war, wenigstens ein Unentschieden zu retten, einen Mann weniger auf dem Platz hatte. Sané, eine Halbzeit lang der Leuchtturm in der 96-Defensive, dann langsam abrutschend in leichtsinnige Arroganz, ließ sich in der 79. Minute zu einer Roten Karte provozieren. „Hilfreich war das nicht für uns“, sagte Stendel mit für ihn ungewohntem Sarkasmus.

Kommenden Sonntag geht es zu Arminia Bielefeld, danach kommt der Karlsruher SC. Gegen die zwei noch sieglosen Clubs muss die 96-Mannschaft beweisen, wie lernfähig sie ist. Und dass sie Niederlagen nicht umwerfen.

 

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