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Hannover 96 „Ich weiß, dass ich Gas geben muss“
Sportbuzzer Hannover 96 „Ich weiß, dass ich Gas geben muss“
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19:21 07.06.2016
Von Jörg Grußendorf
Torhüter Ron-Robert Zieler im Dress der Fußball-Nationalmannschaft. Quelle: Fredrik von Erichsen
Hannover

Herr Zieler, Sie hören sich so entspannt an. Wo erwische ich Sie denn gerade?
Ich mache Urlaub auf Mykonos, sitze im Schatten und gucke aufs Meer. Ist echt schön hier.

Dann haben Sie ja genügend Zeit, über die turbulenten Wochen nachzudenken, die hinter Ihnen liegen: Abstieg mit 96, Ihr EM-Aus und der schnelle Transfer nach Leicester. Worüber machen Sie sich denn mehr Gedanken, über die Vergangenheit oder die Zukunft?
Ich bemühe mich schon, nach vorn zu schauen. Ich freue mich einfach auf Leicester City, auf die Premier League, auf die Champions League.

Der Transfer zum Überraschungsteam aus Leicester ging Ende Mai ziemlich rasch über die Bühne. Lange überlegen mussten Sie dabei anscheinend nicht?
Nein, bestimmt nicht lange. Ein Angebot vom englischen Meister bekommt man nicht alle Tage. Außerdem lief Ende Mai meine Option aus, für eine bestimmte Ablöse (3,5 Millionen Euro, d. Red.) den Verein wechseln zu können. Wir hätten uns später sicherlich auch anders mit 96 geeinigt, aber so war es natürlich einfacher.

Bei Leicester City haben Sie harte Konkurrenz im Kampf um die Nummer 1. Eine Situation, die Sie bei den „Roten“ seit Jahren nicht kannten.
Das ist eine interessante Aufgabe. Wenn man zu einem Top-Verein geht, dann muss man sich einem Konkurrenzkampf stellen. Auf dem Niveau sind die Clubs meistens doppelt gut besetzt. Kasper Schmeichel hat, wie auch die anderen Jungs bei Leicester, eine starke Saison gespielt. Man hat mir in den Gesprächen aber einen offenen Zweikampf versprochen.

Mit welchem Gefühl gehen Sie in dieses Duell?
Ich nehme die Herausforderung an. Ich weiß, dass ich Gas geben muss. Ich weiß aber auch, was ich kann.

Das haben Sie in der vergangenen Saison trotz des 96-Abstiegs Woche für Woche bewiesen. Trotzdem wurden Sie als Mitglied des Weltmeisterteams 2014 nicht für die EM nominiert. Wie stark nagt das am Selbstvertrauen?
Sie können sich vorstellen, dass ich wahnsinnig enttäuscht gewesen bin. Letztlich muss ich die Entscheidung akzeptieren und nach vorne blicken.

Das hört sich reichlich routiniert an.
Ich habe schon zwei Tage gebraucht, aber irgendwann musste ich es einfach abhaken. Zumal das Gespräch mit Andy Köpke (der Bundestorwarttrainer, d. Red.) nicht so schlecht verlaufen ist, wie man vielleicht annehmen könnte.

Wie denn?
Er hat mich für eine starke Saison gelobt. Er meinte, er könne mir nichts vorwerfen. Im Gegenteil: Er hat mir bescheinigt, dass ich sogar noch einen Schritt nach vorn gemacht habe.

Nominiert wurden Sie dennoch nicht. Was ging Ihnen denn durch den Kopf, als Ihr Konkurrent Marc-André ter Stegen sich gegen die Slowakei beim Gegentor einen derartigen Klops erlaubt hat?
Das sollte man nicht so hoch hängen. Dass er solch' ein Ding kassiert, heißt ja nicht gleich, dass er ein schlechterer Torwart ist. Das gibt mir jetzt auch keine Genugtuung. Im Gegenteil. Es war ein undankbares Spiel für ihn.

Was bedeutet das EM-Aus für Ihre Zukunft in der Nationalmannschaft?
Das wird man sehen. Ich werde weiter versuchen, mich anzubieten. Für mich beginnt ein ganz neuer Lebensabschnitt. Jetzt zählt erst einmal Leicester, da will ich meine Leistung bringen. Der Rest kommt dann von ganz alleine.

Werden Sie die deutschen EM-Spiele im TV gucken?
Natürlich, und ich werde kräftig die Daumen drücken, dass es mit dem Titel klappt.

Die zweite große Enttäuschung für Sie war der Abstieg. War er, im Nachhinein betrachtet, vermeidbar?
Zu erst einmal: Dieser Abstieg tut weh. Und er wäre vermeidbar gewesen. Wir sind in einen Negativtrend hineingeraten, aus dem wir erst gar nicht und dann viel zu spät wieder herausgekommen sind. Die letzten Spiele haben gezeigt, dass es unnötig war, dass viel mehr in der Mannschaft steckt.

Hätten Führungsspieler wie Sie nicht viel eher eingreifen müssen?
Wir hatten schon in dem ganzen Jahr einige Mannschaftssitzungen, in denen wir die Lage klar und deutlich angesprochen haben.

Es ist Hannover 96 jetzt gelungen, Manuel Schmiedebach zu halten, mit dem Sie ja sechs Jahre zusammengespielt haben ...
Das ist eine ganz wichtige Personalie. „Manu“ hat sein Bundesligaformat oft genug bewiesen. 96 braucht für den geplanten Wiederaufstieg gestandene Spieler wie ihn, damit die 2. Liga nur ein kurzer Zwischenstopp bleibt. Hannover und diese tollen Fans gehören einfach in die Bundesliga.

Interview: Jörg Grußendorf

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