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Hannover 96 "Clubchef Zingler ist der Gegenentwurf zu Martin Kind"
Sportbuzzer Hannover 96 "Clubchef Zingler ist der Gegenentwurf zu Martin Kind"
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00:15 18.10.2016
In der Alten Försterei herrscht eine englische Stadionatmosphäre. Quelle: Hannibal Hanschke/dpa
Hannover

Sebastian Fiebrig lebt in Berlin und bloggt seit 2009 bei „Textilvergehen“, einem Blog über seinen Lieblingsverein Union Berlin, dem er seit mehr als 20 Jahren treu ist. „Ich habe früher als Sportjournalist über Hertha und Union berichtet und kann davon nicht lassen“, beschreibt der 37-Jährige seine Passion. Außerdem ist er Redakteur bei „BuzzFeed“, einem 2006 in den USA gegründeten Medienportal. Dort wird eine Mischung aus Ticker, Blog und Online-Magazin praktiziert. Ein unvergessliches Erlebnis für Fiebrig war das DFB-Pokalhalbfinale 2001 gegen Borussia Mönchengladbach. Der damalige Drittligist aus Berlin gewann mit 6:4 nach Elfmeterschießen und erreichte sensationell das Endspiel. „Der Platz war eigentlich nicht bespielbar“, erinnert sich Fiebrig, „ich habe damals die Uni geschwänzt, um mit anderen Fans den Platz vom Schnee zu befreien.“

Herr Fiebrig, was verbinden Sie mit dem Gedanken an Spiele gegen Hannover 96?

Natürlich das allererste Zweitligaspiel von Union. Das war am 30. Juli 2001 gegen Hannover und endete 1:1. Ich dachte: Wenn alle Zweitligaspiele so sind, dann wird das eine ganz tolle Saison. Ich war auch beim Rückspiel in Hannover (3:2 für die „Roten“, d. Red.). Dann gab es aber noch ein Testspiel im Winter 2010. Hannover verlor mit 1:2, und Jörg Schmadtke (seinerzeit 96-Manager, Anm. d. Red.) hinterher die Nerven. Wir hatten damals noch Umkleidecontainer, und er wusste nicht, dass man draußen alles hören konnte, was drinnen gesagt wurde. Er brüllte, und die Journalisten schrieben fleißig mit. (Der Wortlaut lautete: Das hat kein Niveau. Das ist Betriebssport. Ich kann da bis auf zwei, drei Ausnahmen die ganze Reihe durchgehen, Anm. d. Red.)

Was ist an Union Berlin besonders?

Zunächst ist unser Präsident Dirk Zingler kein gewöhnlicher Clubchef. Er ist zwar Unternehmer, aber auch Fan und stand früher in der Kurve. Dirk Zingler ist damit so etwas wie der Gegenentwurf zu Martin Kind. Und er sorgte dann aber beim Stadionneubau für etwas Einzigartiges, weil er die Fankultur erhalten wollte. Deswegen besteht fast das ganze Stadion nur aus Stehplätzen. Zudem haben mehr als 2000 Union-Fans 140.000 kostenlose Arbeitsstunden beim Neubau geleistet. Das hat dem Verein Millionen gespart.

Vor der Saison wurde Jens Keller als neuer Trainer vorgestellt. Eine gute Wahl?

Für eine Konsolidierung hielt ich ihn für nicht schlecht. Und die war nötig. 2014, als der damalige Trainer Uwe Neuhaus nach sieben Jahre aufhörte, befand sich Union zweimal im Umbruch: Norbert Düwel (2010 bis 2013 Ko-Trainer Hannover 96, Anm. d. Red.) scheiterte kommunikativ. Nachfolger Robert Lewandowski schied mit Burn-Out aus. Allerdings wusste ich bei Jens Kellers Verpflichtung noch nicht, welche Art von Fußball er spielen lassen wird.

Welche Art Fußball lässt er spielen? Worauf muss sich Hannover 96 einstellen?

Auf eine läuferisch starke Mannschaft. Außerdem lässt sie dem Gegner nicht viel Zeit. Bei gegnerischem Ballbesitz wird von Anfang bis Ende gnadenlos angelaufen. Und das Zentrum ist bei Union extrem passsicher.

Vor allem durch Felix Kroos?

Er ist jetzt Kapitän, was mich überrascht hat. Er ist auf jeden Fall jemand, der im Mittelfeld für Passsicherheit sorgt. Von seiner Qualität her verkörpert er gehobenes Zweitligaformat. Ein Manko ist aber seine Verletzungsanfälligkeit.

Mit Collin Quaner stellt Union den aktuell Führenden der Torschützenliste.

Und straft mich damit Lügen. Ich habe Neuzugang Philipp Hosiner, Steven Skrzybski und Sören Brandy deutlich vor ihm gesehen. Und kann jetzt offiziell zugeben, keine Ahnung von Fußball zu haben (lacht).

Union ist Sechster nach acht Spieltagen. Lohnt sich da ein Blick auf die Tabelle?

Ich schaue deswegen auf die Tabelle, weil ich Union gern in der Spitzengruppe sehe. Wenn Platz 2 oder 3 rausspringt, ist das wunderbar. Wird man Vierter oder Fünfter, greift man nächstes Jahr wieder an.

Das heißt, man will hoch in der „Alten Försterei“?

Auch wenn man sich in der 2. Liga wohlfühlt, will man sportlich so hoch spielen, wie es möglich ist. Man kann ja mal ein Jahr auf Urlaub in die Bundesliga gehen (lacht).

Wie geht es eigentlich Emanuel Pogatetz?

Er hat in der Rückrunde 2016 unsere Defensive stabilisiert. Jetzt ist er nur noch Innenverteidiger Nummer vier. Für ihn ist das, glaube ich, aber völlig in Ordnung. Er könnte jederzeit eingreifen.

Wie sehen Sie Hannover 96? Haben Sie mit der schnellen Eingewöhnung in der 2. Liga gerechnet?

Dass Hannover klarer Aufstiegsfavorit ist, überrascht mich nicht. Aber ich habe mit mehr Anpassungsschwierigkeiten gerechnet.

Wie geht das Spiel aus? Ihr Tipp, bitte.

Für mich ist Union der Favorit und gewinnt 2:0. Dennoch wird Hannover Braunschweig schnell einholen.

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