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Sport lokal Familie Angelucci ist mit dem Laufvirus infiziert
Sportbuzzer Sport lokal Familie Angelucci ist mit dem Laufvirus infiziert
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17:26 06.07.2012
Familie Angelucci ist mit dem Laufvirus infiziert: Vater Andreas, Tochter Carolina und Mutter Natalie wollen gemeinsam in Berlin starten. Quelle: pr
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Von Carolina Angelucci

Leichtathletik. Der Laufvirus hat zuerst Andreas Angelucci erwischt, der nach seinem 40. Geburtstag das starke Gefühl verspürte, dass sich etwas ändern müsste. Sport hatte er neben seiner Arbeit nie wirklich machen können, da ihm als Selbstständiger oft die Zeit fehlte. Als dann irgendwann seine Frau Natalie zu ihm meinte, dass Sport auch seiner Figur mal ganz gut tun würde, fasste er sich ein Herz und fing an zu laufen.

 Anfangs waren es nur wenige Kilometer, doch als Natalie dann auch ab und zu mit ihm lief, wurden die Strecken länger. Mit der Zeit fiel Andreas das Laufen nicht mehr schwer und er wollte sich größere Ziele setzen, bis er eines Tages im Internet von dem Marathon in Hannover las, der jedes Jahr im Frühjahr stattfindet. Somit war sein erstes großes Ziel, einmal die Strecke von 42,195 Kilometern zu absolvieren, gefunden. Da auch sein Umfeld bald bemerkte, dass ihm das Laufen sichtlich gut tat, fing Andreas an, seine Ernährung umzustellen. Sein Motto lautete: Mehr „Grün und Rot“, dafür weniger fettiges Essen. Außerdem verzichtete er von nun an vollkommen auf Alkohol, was auch etliche Kalorien einsparte. Dadurch verlor er über 10 Kilogramm an Gewicht, wodurch er sich mehr und mehr fitter fühlte.

 Am großen Tag prallte die Sonne dann gnadenlos auf den Asphalt, was für die meisten Läufer Gift ist. Der Marathon fiel Andreas schwer, das konnte jeder von seinen mitgereisten Freunden und Verwandten sehen. Die letzten Kilometer wurden dann zur Charakterfrage, da sein Lauf eher einem Watscheln ähnelte, doch er wollte nicht aufgeben. Bei Kilometer 38 versuchten seine Kinder Alexander und Carolina ihn zu „ziehen“ und ihm dadurch das Laufen einfacher zu machen. Die Ziellinie überquerte ein sichtlich erschöpfter Andreas Angelucci nach über fünf Stunden, doch die Zeit war nur nebensächlich. Am Ende musste er direkt mit dem Auto aus dem Zielbereich abgeholt werden, da er weder aufstehen noch gehen konnte. Dennoch hatte ihn das Laufvirus jetzt endgültig gepackt. Nach ein paar Tagen der Schonung hatte Vater Andreas schon sein nächstes Projekt in Angriff genommen: Berlin. Die Hauptstadt und Marathon-City mit mehr als 50 000 Teilnehmern, ist für jeden Laufbegeisterten das Erlebnis schlechthin. Die Idee für das Training lautete, durch das längere Tageslicht im Sommer mehr Kilometer zu laufen. Also wurden die Kilometer verdoppelt und die Läufe häufiger.

 In Berlin erwartete die Familie neben Sightseeing und Marathonmesse ein gut „durchorganisiertes“, buntes Chaos aus Franzosen, Spaniern, Italienern, vielen Dänen und sogar Brasilianern und Argentiniern. Zudem standen an der Strecke rund eine Million Menschen, sodass es nie langweilig wurde. Neben all dem Sprachenwirrwarr wurde dort jedem eins bewusst: Die Welt ist ein Dorf. Am Ende erreichte Andreas eine persönliche Bestzeit von 4:35 Stunden und war glücklich.

 Auch Mutter Natalie wird in diesem Jahr die Strecke hautnah miterleben und an deren Ende das Brandenburger Tor passieren. So ist es geplant. Bereits im vergangenen Jahr war sie die letzten 12 Kilometer neben ihrem Mann mitgelaufen. Im Jahr zuvor, als sie ihren ersten Halbmarathon in Paderborn absolvierte, wurde sie vom VfL Bückeburg zur Sportlerin des Jahres gewählt. Durch all die Läufe hat die Familie Angelucci schon viele Städte erkundet: Berlin, Hamburg, Köln, Magdeburg, Wolfsburg oder Rom im letzten Jahr hießen einige der Stationen. Natalie hat gleichzeitig mit ihrem Mann angefangen zu laufen, jedoch ging es ihr nur um gutes Wohlbefinden. Als die beiden dann 2008 in den VfL Bückeburg eintraten, wurden sie herzlich aufgenommen. Der Lauftreff Bückeburg trifft sich zwei bis drei Mal die Woche und die Strecken variieren zwischen acht und zwölf Kilometern. Das ganze Jahr hindurch wird gelaufen – ob bei Schnee, Regen oder sehr warmen Temperaturen.

 Auch Tochter Carolina rückte nach zwei Jahren nach, sodass ab dem Zeitpunkt drei Familienmitglieder bei heimischen Läufen vertreten waren. Die 19-Jährige will in diesem Jahr ihr Sportstudium beginnen und hofft, dass die konditionelle Verfassung durchs Laufen eine Hilfe ist. Als Training für den Halbmarathon ist sie in Springe neben ihrem Vater 22 Kilometer mitgelaufen und hat so bereits die 20-Kilometer-Marke geknackt. Genau wie ihre Mutter hat auch sie sich für dieses Jahr ein großes Ziel gesteckt: Ein Halbmarathon soll absolviert werden.

 Ein Leben ohne Laufen kann sich Familie Angelucci nicht mehr vorstellen. „Laufen macht einfach glücklich. Die Läufer untereinander sind immer freundlich und aufgeschlossen, was keiner von uns mehr missen möchte“, sagt Natalie Angelucci. Die VfL-Läufer sind eine tolle Gemeinschaft, die sich einmal wöchentlich nach dem Training zum gemütlichen Beisammensein trifft. Als Leitmotiv für die Gruppe gilt: Wer läuft, ist auch im übrigen Leben gut im Rennen.

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