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19:36 27.09.2018
Bild aus harmonischeren Tagen: die Fußballerinnen des SC Deckbergen-Schaumburg mit Trainer Florian Schuba. Unten: Spielerin Teresa Rovelli mit Schuba, dessen Vertrag überraschend nicht verlängert wurde. Quelle: seb
Deckbergen/Schaumburg

Doch Svenja Althoff, Teresa Rovelli, Christine Becker und vier andere Spielerinnen der Fußballfrauenmannschaft des SC wollen kein Blatt mehr vor den Mund nehmen. Sie haben sich an diese Zeitung gewandt, um ihre Sicht darzustellen.

Der Zwist zwischen ihnen und dem Vorstand des SC Deckbergen-Schaumburg begann im Frühjahr dieses Jahres mit einer Hiobsbotschaft für die Mannschaft: Der Vertrag des langjährigen Trainers Florian Schuba wird zum 30. Juni auslaufen und nicht verlängert. „Neuausrichtung oder Trainerbeben?“, titelte diese Zeitung im April. Für die Frauen war klar: Letzteres. Das Team habe so erfolgreich gespielt wie nie, mit Aussicht auf Aufstieg in die Oberliga. Schuba war es, der in den vergangenen zehn Jahren diesen Erfolg geformt habe. Er selbst war es, der die (für die Mannschaft überraschende) Entscheidung des Vorstandes den Frauen mitteilte.

„Wir haben sofort das Gespräch mit dem kompletten Vorstand gesucht“, erzählt Teresa Rovelli. Dem Team sei nicht ein einziges vernünftiges Argument für diese Entscheidung genannt worden, nur der Wunsch nach „frischem Wind“ in der Mannschaft. „Keine der Spielerinnen hat sich verstanden gefühlt“, kritisiert Rovelli. Die Argumente der Mannschaft seien am Vorstand abgeprallt, die Entscheidung habe bereits festgestanden, alternative Lösungsverschläge seien nicht durchgedrungen. Sogar der Abteilungsleiter – seit vielen Jahrzehnten ehrenamtlich im Verein tätig – und der Kapitän seien in diesem Schritt übergangen worden.

Stattdessen: Gegenvorwürfe. Dass die Fußballerinnen des SC doch sowieso nicht aktiv am Vereinsleben teilnehmen würden. Als haltlos bewerten Rovelli, Althoff und Becker dies: Ob bei der Sportwerbewoche, beim Nachwuchstraining, bei Veranstaltungen der Tischtennissparte – überall seien die SC-Spielerinnen aktiv dabei gewesen.

„Stört den Vorstand etwa, dass wir so erfolgreich sind?“, fragen sich die drei Frauen. Dabei habe sich der Vorstand nie für die Frauenfußballmannschaft interessiert, Sponsoren und Trikots habe man sich selbst besorgt.

Der plötzliche Trainerwechsel habe für einen „Riss“ in der Mannschaft gesorgt, sagen die Frauen, „das hat uns zerstört“, sagt Rovelli. Sie, Althoff, Becker und vier andere Spielerinnen (Laila Lüttke, Annabel Böhme, Hatixhe Beciri und Lena Hoffmann) sind aus Protest mittlerweile aus dem Verein ausgetreten.

„Und das, obwohl viele von uns dem Verein Jahre unseres Lebens und unserer Freizeit gewidmet haben“, sagt Althoff. Vom Vorstand habe es keinerlei Versuche gegeben, die Spielerinnen zum Bleiben zu überreden. „Das war sehr verletzend“, sagt Christine Becker. Als habe man die ganzen Jahre für den Verein „weggeschmissen“. Mehr noch: Als sich die drei am vorvergangenen Wochenende das Heimspiel des SC ansehen wollten, wollte man Eintritt von ihnen, den ehemaligen Spielerinnen, kassieren. Auf expliziten Wunsch des Vorstandes, erinnern sie sich.

Für sie ist die Zeit beim SC vorbei: „Es ist viel kaputtgegangen.“ Am meisten tue es ihnen für die Mannschaft leid. Momentan spielt sie auf dem drittletzten Tabellenplatz.

„Die Entscheidung hatte gute Gründe“

Auf die Vorwürfe der Spielerinnen angesprochen, reagiert der Vorsitzende des SC Deckbergen-Schaumburg, Dirk Bredemeier, mit großem Unverständnis: „Das ist eine Entscheidung, die für uns abgeschlossen ist. Das ist aufgewärmter Kaffee.“ Eine solche Entscheidung wie die um Florian Schuba zu treffen, sei „ganz normal“, so Bredemeier, den diese Zeitung per Telefon im Urlaub erreicht.

Der Schritt habe „gute Gründe“ gehabt, mehr wolle er dazu nicht sagen. Die sieben Spielerinnen seien aus eigenen Stücken aus dem Verein ausgetreten – dass sie sich nun, Monate nach der Entscheidung, mit dem Thema an die Zeitung wenden, könne er nicht verstehen. Nähere Stellung wolle er dazu nicht beziehen. Jetzt, nach dem Trainerwechsel, laufe alles „normal“ in der Mannschaft. mld