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Sport lokal Nicolai Riechers läuft auf und davon
Sportbuzzer Sport lokal Nicolai Riechers läuft auf und davon
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16:25 07.03.2018
Nicolai Riechers läuft von Erfolg zu Erfolg. Quelle: pr

Im Jahr 2017 absolvierte der Schaumburger seinen ersten Marathon – in Berlin. Der 24-Jährige schaffte die 42,195 Kilometer in 2:29,33 Stunden. Zuvor habe er die lange Distanz gemieden, „weil man nicht zu früh damit anfangen soll. Die Zeit hat mich extrem glücklich gemacht“, freut sich Riechers darüber, die Schallmauer von zweieinhalb Stunden gleich bei der Premiere unterboten zu haben. Damit war er mehr als fünf Minuten schneller als Joachim Voigt (VT Bückeburg) bei seinem 1986 in Duisburg aufgestellten Kreisrekord (2:36,21 Stunden).

Ohne Marathonzeit angetreten, sollte Riechers ganz hinter in der Gruppe H starten. Aber durch gute Kontakte wurde es dann doch die Gruppe A. Zwölf Wochen bereitete sich Riechers auf die Königsdisziplin vor, absolvierte 170 bis 180 Kilometer in der Woche. Um sich an die lange Distanz zu gewöhnen, waren die Läufe schon mal bis zu 37 Kilometer lang. Im Schnitt ist der Leichtathlet dann mit 15 Stundenkilometern unterwegs, „das schaffen andere auf so einer Distanz nicht mal mit dem Fahrrad.“ Aber auch auf anderen Strecken gab es Erfolge: Beim Halbmarathon in Barcelona verbesserte Riechers seine Bestzeit auf 1:09,39 Stunden und wurde 26. der Gesamtwertung. In Hannover verbesserte er diese Zeit noch einmal um acht Sekunden. Über 5000 Meter wurde der Schaumburger bei den Norddeutschen Meisterschaften in Berlin in 15:07,64 Minuten Sechster.

Trainiert wird jeden Tag. „Fünf davon bin ich in der Woche allein unterwegs. Jedes zweite Wochenende geht es dann zu gemeinsamen Einheiten nach Osnabrück“, erzählt der Industriemechaniker, der für OTB Osnabrück startet. Dann werde es im Training noch intensiver, „allein würde ich das nicht schaffen“. Es gibt dort Trainingspläne, medizinische Unterstützung durch Trainer Michael Karsch – oder einfach einen guten Zusammenhalt. „Mir gefällt es dort sehr gut, ich habe Freunde gefunden. Auch wenn wir nicht immer zusammen trainieren können, pushen wir uns gegenseitig“, erklärt der Läufer, der seine Saison-Grundlagen im Winter im gemeinsamen Trainingslager in Portugal legt. Auch in Schaumburg gibt es Hilfe, ohne die Riechers seinen Sport nicht betreiben könnte. „Um Verletzungen aus dem Weg zu gehen, bin ich auf dem Fahrrad unterwegs oder gehe schwimmen.“ Für bessere Stabilität und Kraft trainiert Riechers im „Looms“-Studio, bekommt Rat und Tat von der SGS-Physiopraxis. Auch der Arbeitgeber Bahr-Modultechnik ist als Sponsor im Boot. „Ich weiß das sehr zu schätzen, von meinem Sport allein könnte ich nicht leben“, weiß Riechers. Also wird erst nach dem Acht-Stunden-Job trainiert. Manchmal mit einem weinenden Auge, denn ich kenne aus der Laufszene viele Studenten und auch Profis, die da einen Vorteil haben“, so Riechers, der aber kein Profi sein möchte: „Man wird dann zu abhängig davon.“

Sich selbst ordnet Riechers in die Kategorie 2. Bundesliga ein. „Das ist mein Niveau. In Niedersachsen bin ich, egal ob in der Halle oder beim Crosslauf, immer unter den besten drei bis fünf dabei.“ Erfolg sei kein Glück, „man muss viel dafür tun“, weiß der Lyhrener und will auch weiterhin Gas geben. Privat wird er dabei von Freundin Milena unterstützt, die ebenfalls aus der Leichtathletik kommt, und viel Verständnis für die zeitintensive Sportart aufbringt. „Manchmal versucht sie mich zu bremsen“, erzählt Riechers, der sich gut selbst motivieren kann, täglich die Laufschuhe zu schnüren.

Der nächste Marathon ist bereits geplant, wieder in Berlin. „Da sind viele Zuschauer, die Strecke ist gut.“ Diesmal reicht es auch ohne Beziehungen für die Gruppe A. Um in der Elitegruppe zu starten, muss sich Riechers noch ein paar Minuten verbessern. „Aber meine besten Zeiten werde ich erst im Alter von 28 oder 29 Jahren laufen.“ uk