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Sport lokal Tim Insinger auf dem Sprung in die Basketballbundesliga
Sportbuzzer Sport lokal Tim Insinger auf dem Sprung in die Basketballbundesliga
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00:21 29.10.2018
Durchsetzungsstark: Tim Insinger (weißes Trikot) hat als Center meist die Hoheit unter dem Korb. Quelle: Neddermann
Vechta

Wer Tim Insinger sieht, bringt ihn direkt mit einer Sportart in Verbindung: Basketball. Mit seinen 2,08 Metern ist er quasi wie gemacht für das Spiel unterm Korb.Und das beweist er auch, denn mittlerweile steht der gebürtige Helpser kurz vor seinem Debüt in der Bundesliga bei Rasta Vechta.

Der Basketball wurde Insinger in die Wiege gelegt. Sein Vater war selbst erfolgreicher Spieler beim TV Bergkrug, und auch seine Mutter war dem Basketball-Fieber erlegen, spielte selbst und trainierte die Jugend. Unter anderem Tims Bruder und natürlich auch Insinger selbst. „So mit sechs oder sieben Jahren habe ich damals angefangen. Ich hatte ja auch keine Alternative, weil meine ganze Familie gespielt hat“, scherzt der 21-Jährige.

Talent früh erkannt

Insinger startete direkt in der U10-Mannschaft seiner Mutter durch. Sein großes Talent bemerkte er mit zwölf Jahren, als er zum Training der Niedersachsen-Auswahl nach Hannover eingeladen wurde. Für ihn selbst war das aber mit wenig Begeisterung verbunden: „Ich habe damals noch nicht gemerkt, was das für eine Chance war. Mir hat es keinen Spaß gemacht und ich wollte lieber weiter zuhause mit meinen Freunden spielen.“

Beim TVB durchlief Insinger sämtliche Jugendmannschaften. Dabei blieb sein Talent natürlich nicht unbemerkt. 2013 folgte eine neue Einladung – diesmal zu den sogenannten Try Outs der Nachwuchs-Bundesligamannschaft (NBBL) der Neustadt Shooters. „Der Trainer war direkt von mir begeistert.“ Und dieses Mal war Insinger es auch. In der Saison 2013/14 spielte der Helpser das erste Mal in der NBBL und erarbeitete sich direkt einen Stammplatz. Ein Kinderspiel war es aber nicht: „Die NBBL war schon eine Herausforderung. Bis dato hatte ich noch nie in meinem Leben Krafttraining gemacht. Ich habe nie darauf geachtet, an Muskeln zuzulegen – das ist bis heute noch ein Problem von mir.“

Die ganz Großen klopfen an

Durchsetzen konnte er sich dennoch in der Nachwuchsbundesliga. Und das blieb natürlich nicht ohne Beachtung. „Über Facebook bekommt man dann des Öfteren mal ein Angebot – von Scouts. Egal ob es aus Griechenland, Italien oder den USA ist.“ Bei Insinger war auch ein Angebot für ein College-Team aus den USA dabei. „Da kam man schon mal ins Grübeln“, gibt der 21-Jährige zu. Letztendlich hat er sich aber immer dagegen entschieden.

Bis dann eine Einladung von Alba Berlin – einer der Spitzenvereine im deutschen Basketball – kam. Der damals 18-Jährige fuhr nach Berlin zu den Try Outs, überzeugte direkt und erhielt ein Angebot. Doch auch dieses Mal siegte die Vernunft. „Ich stand damals kurz vor meinem Abitur. Zusammen mit meinen Eltern entschied ich, das erst mal fertigzumachen. Das war schon echt eine harte Entscheidung.“

Das Angebot von Alba war vom Tisch, Insinger spielte weiter für Neustadt, wechselte von der NBBL in die erste Herrenmannschaft, die in der zweiten Regionalliga spielte. Über seinen damaligen Trainer kam dann der Kontakt zu seinem jetzigen Verein: Rasta Vechta. „Ich wollte studieren, aber natürlich nicht auf Basketball verzichten. In Vechta ging beides.“ Der Trainer der zweiten Herren in Vechta, die in der ersten Regionalliga aktiv sind, Hanno Stein, lud den Helpser direkt zum Probetraining ein. Er war begeistert und bot ihm einen Platz in seinem Team an. Auch den Studienplatz für Sport und Englisch auf Lehramt ergatterte der Basketballer.

Vorbereitung für die Bundesliga

In Vechta überzeugte Insinger direkt: Bereits nach seiner ersten Saison 2016/17 wurde er zum Spieler des Jahres im Verein gewählt. Nach der zweiten Saison gelang ihm dann der ganz große Sprung in den vorläufigen Bundesligakader von Rasta Vechta. „Schon während der letzten Saison war der Trainer der Bundesligamannschaft, Douglas Spradley, öfter bei unserem Training dabei, hat uns beobachtet. Im Sommer hatte ich dann ein Reflektionsgespräch mit Hanno Stein, in dem ich das Thema Bundesliga ansprach.“

Stein war jedoch nicht überzeugt. Aus seiner Sicht war es wichtig, dass Insinger viel Spielzeit bekam und seinen Körper entwickelt. Spradley war jedoch anderer Meinung und lud den Spieler ein, in der Vorbereitung für die Bundesliga dabei zu sein.

Seit Anfang August war der Schaumburger daher zweimal pro Tag in der Halle, gab Vollgas. Doch dann der Schock: Nach knapp zwei Monaten der Vorbereitung verletzte sich Insinger. „Im Training der Regionalligamannschaft bin ich umgeknickt und habe mir einen Kapselanriss und eine Bänderdehnung zugezogen.“ Damit fiel das Talent zweieinhalb Wochen aus. Für ihn bedeutete das zunächst das Aus für die Bundesliga „Der Kader wurde noch mal verstärkt. Damit war ich raus.“

Einen ungünstigeren Zeitpunkt für eine Verletzung gibt es kaum. Vor allem deshalb, weil Insinger in seiner ganzen Karriere noch nie durch eine ernsthafte Verletzung ausfiel. „Das war natürlich echt ärgerlich, aber man kann es nicht ändern. Jetzt heißt es für mich: wieder ranarbeiten.“ Dass er in dieser Saison sein erstes Mal in der Bundesliga spielt, damit rechnet Insinger nicht mehr. Auch wenn er bereits eine Spiellizenz besitzt. Als Center sammelt er in der Regionalliga aber weiter wertvolle Erfahrungen und arbeitet sich körperlich wieder ran.

Die Wurzeln nicht vergessen

Sein Traum ist es, so lange es geht, mit dem Basketball Geld zu verdienen. „Mir geht es dabei nicht wirklich um die Liga. Aber erst mal möchte ich natürlich mein Studium abschließen.“ Dass er dafür zwei bis drei Semester mehr einplanen muss, sei vollkommen in Ordnung. „Mein Fokus liegt halt auf dem Basketball.“

Aber auch seine Heimat Schaumburg verliert Insinger nicht aus den Augen. Hin und wieder besucht er Spiele des TVB, um seine alten Mitspieler und seinen Bruder anzufeuern. „Aber ich bin echt ein anderes Niveau gewöhnt. Da schlägt man doch manchmal schon die Hände über den Kopf zusammen.“

von Isabell Remmers