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Sport lokal Vom Balljungen zum Präsidenten
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21:36 10.08.2018
Auf dem roten Sand zu Hause: Harald Nemanoff ist seit 70 Jahren auf den Plätzen von GW Stadthagen unterwegs. Quelle: dak
STADTHAGEN

Nach 40 Jahren an der Spitze des Vereins legt er sein Amt im März 2019 jedoch endgültig nieder und hält einen Rücktritt vom Rücktritt für völlig ausgeschlossen: „Ich will nicht im Amt sterben.“

Angefangen hatte alles 1948. Damals, als GW noch Am Lindengarten angesiedelt war, verdiente er sich als Balljunge einige Pfennige dazu. „Bälle suchen gehörte damals zum Alltag“, erinnert sich Nemanoff. Seine erste offizielle Tätigkeit war dann 1965 die Rolle als Jugendwart. Ab 1978 war er schließlich als Präsident des Vereins tätig. Seitdem hat Nemanoff, der hauptberuflich als Realschullehrer in Lindhorst arbeitet, für reichlich Veränderung gesorgt: So war er zum Beispiel für den Umzug der Tennis-Anlage vom Lindengarten an die Schachtstraße sowie den Bau des neuen Klubhauses und der Tennishalle verantwortlich. Auch dürfte sich ausgezahlt haben, dass mit ihm all die Jahre eine konstante Führung die Geschicke des Vereins gelenkt hat.

Aber nicht nur äußerlich sieht es bei GW gut aus, auch die Zahlen stimmen. Mit 360 Aktiven ist der Klub der mitgliederstärkste Tennisverein im Landkreis. Durch den Bau der Tennishalle hat der Verein außerdem eine sichere Einnahmequelle. „Sechs Schaumburger Vereine nutzen die Halle im Winter – und zahlen dafür natürlich Miete“, sagt Nemanoff. Positiv kommt hinzu, dass der Verein kürzlich, passend zum runden Geburtstag, die letzte Rate für den Bau der Halle zurückgezahlt hat. 1,3 Millionen Mark hatte GW in den neunziger Jahren für deren Bau aufgenommen.

Sorge bereitet Nemanoff derweil, dass viele Vereine im Kreis – auch GW selbst – immer größere Schwierigkeiten haben, an Nachwuchs zu kommen. „Ich trag‘ ja nicht nur Grün-Weiß im Herzen, sondern auch den Tennissport. Und wenn ich sehe, dass viele Klubs solche personellen Probleme haben, dann tut mir das natürlich auch weh“, stellt Nemanoff klar. Die Nachwuchsgewinnung sei deshalb eine große Herausforderung für die Zukunft.

Wenn der 77-jährige das Zepter im März nächsten Jahre weitergibt, muss sich sein Nachfolger dieser und einigen anderen schwierigen Aufgaben stellen. Sein Thronfolger wird erst der vierte Präsident in der Vereinsgeschichte des TC GW sein. Jemanden für den Posten zu finden, stellt sich momentan jedoch noch als äußerst schwierig heraus, gibt Nemanoff zu. Es gebe schon ein paar Kandidaten aber konkrete Gespräche hätten noch nicht stattgefunden.

Der ehemalige Lehrer verrät, dass der GW-Etat mit dem eines „kleinen Betriebes“ vergleichbar und für einen Verein mit 360 Mitgliedern sehr hoch sei. Daher gebe es durchaus Überlegungen, die bisher ehrenamtliche Stelle in eine berufliche Vollzeitstelle umzuwandeln. „Das ist eigentlich nichts, was du mal nebenbei machst. Du findest auch keine Leute mehr dafür, die das zeitlich können und wollen.“

Wer der Nachfolger auch sein werde, er brauche eine starke Frau, sagt Nemanoff. „Ohne sie hätte ich das all die Jahre nicht hinbekommen.“ dak