Volltextsuche über das Angebot:

-2 ° / -10 ° Schneeschauer

Navigation:
Ästhetik statt Oberliga

Ästhetik statt Oberliga

VON JÖRG BRESSEM

 

Der Fußball unterliegt vielen unabänderlichen Gesetzmäßigkeiten. FIFA-Funktionäre sind immer bestechlich, Italien spielt immer defensiv, Bayern München wird immer Meister und der VfL Bückeburg ist nach einem seiner Oberligaabstiege auf Bezirksebene immer einer der ganz großen Titelfavoriten.

Voriger Artikel
Engwer schießt Möllenbecker in den Tabellenkeller
Nächster Artikel
VfL Bückeburg

Geht das immer so weiter?

In der kommenden Landesligasaison vielleicht nicht. Denn der neue VfL-Trainer Heiko Thürnau hat andere Pläne und will sich nicht sofort unter Aufstiegsdruck setzen lassen. Für ihn sind ästhetische Gesichtspunkte derzeit wichtiger. Der VfL Bückeburg wurde nach seinem Geschmack viel zu oft für seine schmucklose Spielweise kritisiert. „Ich möchte, dass wir ansehnlichen, schnellen und modernen Kombinationsfußball spielen“, sagt er. „Das hat für mich allerhöchste Priorität.“

Dass der VfL Bückeburg absteigen würde, stand schon im letzten Winter fest. Das rettende Ufer war nur noch mit einem Fernglas zu erkennen. Die Mannschaft durchlebte zwar in der Rückrunde ein kleines Hoch und bewies, dass sie als abgeschlagener Tabellenvorletzter fußballerisch völlig unterbewertet dasteht, musste am Ende aber mit nur 25 Punkten zum dritten Mal den bitteren Rückweg in die Landesliga antreten. Anschließend blieb fast unbemerkt, dass dieser Abstieg vermeidbar gewesen wäre. Weil es mit dem 1. FC Germania Egestorf/Langreder einen zweiten Aufsteiger in die Regionalliga gab und weil mit dem BV Cloppenburg nur eine Mannschaft in die Oberliga herunter kam, rettete sich bereits der Drittletzte TB Uphusen. Rückblickend war der VfL Bückeburg vom Leistungsvermögen her nur einen Wimpernschlag vom Klassenerhalt entfernt.

Ganz große Personalumschichtungen gab es beim kontinuierlich arbeitenden VfL eigentlich noch nie. Auch diesmal hielt sich die Fluktuation in Grenzen. Den größten Verlust stellt Dimitrios Nemtsis dar, der zum finanzkräftigen Bad Oeynhauser Landesligisten SV Eidinghausen-Werste übertrat und kein Geheimnis aus seinen monetären Beweggründen machte. Der VfL verlor mit ihm einen Hoffnungsträger im Angriff. Trotzdem fällt die Wechselbilanz des Landesligisten eindeutig positiv aus, weil mit Bennett Heine, Lennard Heine und Benjamin Hartmann mehr Qualität zu- als abfloss. Überraschend war vielleicht, dass Spieler wie Vito Caliandro und Ibrahim Khodr doch nicht zum VfL kamen, sondern zum überbevölkerten VfR Evesen übertraten. Quantitativ betrachtet benötigt Heiko Thürnau sie auch nicht unbedingt, weil er einen komfortablen 25-Mann-Kader beinander hat, für den auch Moritz Heine gemeldet wurde. Eine Mannschaft des VfL mit allen drei Heine-Brüdern ist deshalb in der kommenden Saison nicht ausgeschlossen.

Thürnau hat besonders in der Offensive neue Pläne. Weil er auf den Flügeln neue personelle Alternativen hat, wird Alexander Bremer wahrscheinlich gemeinsam mit Tobias Versick in der Spitze spielen. Für den ehemaligen Mindener eine Rolle, in der er früher viele Tore schoss. Das Angebot im Mittelfeld ist prächtig. Nils Rinne, Pascal Könemann, Bennett Heine, Marcel Buchholz, Pascal Herting, Josef Khodr, Bastian Könemann, Lennard Heine und Benjamin Hartmann werden sich um die vier Arbeitsplätze streiten müssen.

Nach fast 30 Jahren in der Jugendarbeit ist der Sprung in den Herrenbereich eine Herausforderung. „Ich hatte mich nie mit diesem Gedanken befasst, vor allem mit Blick auf meine Aufgaben im Nachwuchsbereich, in denen ich verwurzelt war“, erzählt Thürnau. Als er schließlich doch als Trainer der Ersten zusagte, habe das auch seinen Grund in einem Wunsch nach Veränderung und einer neuen Herausforderung gehabt. Über Thürnaus zukünftige Personalpolitik wurden in den letzten Wochen allerlei Theorien aufgestellt. Er werde an der bisherigen Mannschaft aus Timo Nottebrocks Zeiten festhalten, meinten die einen. Nein, er werde die alten Spieler abservieren, prognostizierten die anderen. „Beides ist total falsch“, versichert Thürnau. Für ihn entscheide allein die Leistung und ob die Spieler den Fußball umsetzen, der ihm vorschwebt.

 

Thürnau mag keine Stammplätze vergeben, deshalb lässt er sich bei jeder Personalie immer ein sprachliches Hintertürchen offen. Selbst Torwart Patrick Spilker genießt bei ihm keine dauerhafte Jobgarantie. Thürnau formuliert es so: „Er geht als Nummer Eins in die Saison.“ Auch die kaum wegzudenkenden Niko Werner und Jan Steininger sind in der Innenverteidigung des VfL nicht automatisch gesetzt. Thürnaus vorsichtige Sprachdefinition: „Sie haben Vorteile.“ Dass „Bubi“ Bremer im Angriff eine unverzichtbare Rolle spielt, ist bei Thürnau allenfalls zu spüren, wenn er sagt: „Er ist ein wichtiger Faktor, weil er die Bälle im Zentrum gut verarbeiten kann.“ Bremer war in der letzten Saison trotz vieler Verletzungen mit elf Treffern der beste Bückeburger Torjäger, das versteht sich fast von selbst. Wenn jetzt in der Landesliga wieder mehr Bälle vor das gegnerische Tor kommen, wenn der VfL wieder Druck aufbaut, dann kann Bremer als klassischer Strafraumstürmer und genialer Verwerter mal wieder vor einer großen Saison stehen.

Obwohl Thürnaus Schwerpunkt in der kommenden Saison nicht zwingend auf die Meisterschaft ausgerichtet ist, stützt er die frühere Aussage seines Fußballchefs Uwe Völkening, nach der die Oberliga eines Tages die dauerhafte fußballerische Heimat des VfL sein müsse. „Wenn ich unseren Nachwuchs berücksichtige, wenn ich unsere Strukturen sehe, dann sind wir im Herrenbereich mit der Landesliga tatsächlich unterbewertet“, bestätigt Thürnau. Natürlich werde auch er daran arbeiten, dass der VfL seinen Platz in der niedersächsischen Elite wiederfindet.

Doch zunächst müssen Hürden wie der Vizemeister SV Bavenstedt, der heimstarke Tabellendritte TuS Sulingen, Kurt Beckers ewiger Mitfavorit SV Ramlingen-Ehlershausen und der Heeßeler SV überwunden werden, der in der Landesliga die beste Rückrunde spielte, dessen Fusion zum Großverein „Grün-Weiß Burgdorf-Heeßel“ aber scheiterte. Becker spricht aus, was alle denken: „Der VfL Bückeburg gehört als Oberligaabsteiger in diesen Favoritenkreis.“ Auch Thürnau will sich trotz des Systemwechsels nicht vor einer Prognose drücken: „Unter den ersten fünf Mannschaften werden wir wohl sein.“

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben
Mehr aus Sportbuzzer-Zulieferung

Tippen Sie die Bundesliga-Ergebnisse an jedem Spieltag und gewinnen Sie tolle Tagestipppreise. Auf den Gesamtsieger der Saison 2017/18 wartet ein attraktiver Hauptgewinn. mehr

Die besten Quoten für Hannover 96 findest du bei SmartBets.