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Sportbuzzer-Zulieferung Der Landesliga entkommen
Sportbuzzer Sportbuzzer-Zulieferung Der Landesliga entkommen
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16:45 08.08.2016
Der FC Stadthagen hat für die neue Saison eine schlagkräftige Mannschaft zusammengestellt. Quelle: uk

Der paradoxe Fall, dass es Mitschker tatsächlich in die Landesliga geschafft, aber keine Mannschaft gehabt hätte, trat aber nicht ein – glücklicherweise, muss man heute fast sagen.

Der FC Stadthagen wurde auf den letzten Metern von der SpVgg. Bad Pyrmont abgefangen. „Wären wir vorne gewesen, hätten wir Pyrmont ohnehin um den Aufstieg bitten müssen“, verrät Mitschker. „Denn ohne konkurrenzfähige Mannschaft hätten wir uns die Landesliga nicht angetan.“

Mitschker hatte für den Aufstieg in die Landesliga einen Zwei-Jahres-Plan entworfen. Erst Aufbau und Konsolidierung, dann der Angriff auf die Spitze. Eigentlich funktionierte das Konzept auch ganz gut. Drei Spieltage vor Saisonende war der FC vorne, der VfR Evesen längst abgeschüttelt. Doch aus der Tiefe des Raumes kommend zogen die Pyrmonter am FC vorbei, der sich mit der Heimpleite gegen die Bückeburger Reserve und der Niederlage im Gipfeltreffen zwei entscheidende Schlappen leistete. Mitschkers Truppe wurde am Ende Vizemeister, mit zwei Punkten Rückstand auf die Spielvereinigung, die vom elften Tabellenplatz aus ihre imposante Aufholjagd startete. „Aufgrund der vielen Personaldiskussionen war bei uns in den letzten Wochen der Saison ziemlich viel Unruhe drin“, berichtet Mitschker. „Ich habe mich in dieser Phase gewundert, dass die Ergebnisse immer noch gut waren.“

Selten wurde eine Mannschaft derart umgekrempelt wie der FC in diesem Sommer. Dass Lennard Heine nach dem Nottebrock-Abschied zum VfL Bückeburg zurückkehrt, stand frühzeitig fest. Auch Vito Caliandro und Ibrahim Khodr standen auf der Heimkehrerliste, strandeten am Ende aber genauso wie Tanis Niemeier und Selim Kilinc beim finanzkräftigeren VfR Evesen. Nur Benjamin Hartmann zog es aus Gründen der sportlichen Herausforderung zum VfL Bückeburg. In Richtung SW Enzen entstand ein zweites Personalleck. Fabian Stapel wurde dort neuer Trainer und nahm Bjarne Mücke, Kevin Wöbbeking und Tim Schwarze mit. Auch Guiliano Maione verließ Stadthagen wieder. Er will sich an seinem Wohnort Hannover einen neuen Verein suchen.

Der Stadthäger Trainer ließ sich nicht entmutigen, übernahm mit Christos Christou, Louis Tegtmeier, Jan Carganico und Torwart Jonathan Reuther einen großen Teil aus der Nienstädter Konkursmasse und bastelte eine schlagkräftige Bezirksligatruppe zusammen, die nicht mehr so stark ist wie die verflossene, die aber voll konkurrenzfähig ist.

Was mit dem FC Stadthagen passiert wäre, wenn Mischker im Sommer die Nerven verloren und hingeschmissen hätte, ist kaum auszudenken. Weil der Verein derzeit in einer Führungskrise steckt, weil Frank Mickosch als neuer Manager nun plötzlich doch nicht zur Verfügung steht, wäre der Traditionsverein womöglich einen ähnlichen Weg wie der SV Nienstädt 09 gegangen. Nun aber scheint alles wieder in bester Ordnung zu sein. Beim Blick auf die Neuzugänge kann Mitschker dem Umbruch sogar positive Aspekte abgewinnen: „Als bekannt wurde, was bei uns personell passiert, sind wir wieder für Spieler aus dem Umland interessant geworden.“ Mit Niclas Herbold und Fabian Golombek kamen zwei neue Leute aus Rodenberg. Mitschker hofft, im Winter auf diesem Feld noch mal fündig zu werden, um den Kader auch mengenmäßig wieder auf stabile Beine zu stellen.

Auf der Torwartposition bahnt sich beim FC Stadthagen ein Generationswechsel an. Weil Ciro Miotti mit seinen Eiscafés beruflich eingebunden ist und er erst in der kälteren Jahreszeit wieder mehr zur Verfügung steht, machen sich Reuther und Herbold Hoffnungen, ihn beerben zu können. In der Abwehr gibt es unverrückbare Positionen. Innenverteidiger Timo Kuhnert gehört dazu, Joscha Obst auch. Er fällt aber noch studienbedingt aus. Ab Oktober wird Sebastian Grohs nach seiner Verletzung wieder zur Verfügung stehen und dann wohl zur Stammkraft werden. Jan Carganico kann im offensiven Mittelfeld mit seiner Technik als Vorbereiter zu einem Schlüsselspieler für den FC werden. Auf welcher Position Eric Naroska, der in der letzten Saison mit 22 Treffern der erfolgreichste Torschütze war, zukünftig spielt, muss sich noch finden. Denn ganz vorne wird wahrscheinlich Ylli Syla zum Einsatz kommen, der sich beim FC fit hielt, sporadisch schon in der letzten Saison immer mal wieder mittrainierte und jetzt zum Comeback überredet wurde. „Auf den Außenpositionen haben wir mit Hartmann und Heine natürlich Federn gelassen“, räumt Mitschker ein. Beim Testspiel in Dützen spielte Stadthagen mit einem kompletten Nienstädter Mittelfeld. Links Tegtmeier, rechts Christou, in der Mitte Carganico, der mit seiner feinen Technik glänzte, aber kein Typ ist, der andere in schwierigen Lagen mitreißen kann.

In der Vorbereitung sind alle optimistisch, auch Mitschker. Der Urlaub schuf Distanz, in den Trainingseinheiten danach hatte er ein gutes Gefühl, behielt aber den Blick für die Schwachstellen beim FC. Die erste Elf hat ohne Zweifel ausreichend Güte, dahinter aber wird es eng. Der Kader ist zu klein, deshalb weiß Mitschker, dass nicht viel passieren darf in Richtung Verletzung oder andere Katastrophen. Bleibt der FC davon verschont, will der Stadthäger Coach „im oberen Bereich“ mitspielen. „Unsere Qualität ist zu hoch, um etwas anderes anzukündigen“, meint er. Er sehe seine Mannschaft irgendwo im Bereich fünfter oder sechster Platz.

Es sieht also nicht so düster für den FC Stadthagen aus, wie man noch vor einigen Wochen befürchten musste, was vielleicht auch daran liegt, dass die Führungskrise behoben zu sein scheint. Dietmar Meier-Brahm, der seit vielen Jahrzehnten dabei ist, scheint bereit zu sein, Verantwortung als Vorsitzender zu übernehmen. Er hält dem FC Stadthagen die Treue. Das war zuletzt nicht selbstverständlich.

VON JÖRG BRESSEM

Neben Toren werden im Fußball allerlei andere Parameter dokumentiert – Ballbesitz zum Beispiel. Würde im Schaumburger Fußball gemessen, über welchen Verein mit Abstand am meisten diskutiert wird, dann wäre der VfR Evesen mit mindestens 80 Prozent ganz weit oben.

08.08.2016

Duran Gök.

Torhüter:

Jannik Willers, Artur Schneider.

Abwehr:

Yusuf Bicakci, Selim Kilinc, Timon Paasch, Bojan Zecevic, Marco Menze, Ferit Tarak, Ugur Cakir.

08.08.2016

Steffen Mitschker

Ko-Trainer:

Dirk Strauchmann, Christos Christou

Torhüter:

Ciro Miotti, Jonathan Reuther, Niclas Herbold

Abwehr:

Timo Kuhnert, Simon Ulbrich, Jan-Luca Bövers, Joscha Obst, Sebastian Grohs, Pascal Holz, Mario Graetz

Mittelfeld:

Louis Tegtmeier, Renke Mücke, Carl Hesse, Christos Christou, Jan Carganico, Fabian Golombek

Angriff:

Eric Naroska, Ylli Syla

Zugänge:

Niclas Herbold, Fabian Golombek (beide SG Rodenberg), Jonathan Reuther, Louis Tegtmeier, Christos Christou, Jan Carganico, Mario Graetz (alle SV Nienstädt 09), Ylli Syla (2.

08.08.2016