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Mehr als eine Trainerstation

FUSSBALL Mehr als eine Trainerstation

Torben Brandt wird im November 40 Jahre alt und hat die Fußballschuhe eigentlich an den Nagel gehängt. Beim Firat-Cup des TuS SW Enzen musste der langjährige Spielertrainer des SV Nienstädt 09 aber aus personellen Gründen noch einmal auf dem Spielfeld aushelfen.

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Der 39-jährige Torben Brandt (rechts) kann es noch und stoppt seinen ehemaligen Spieler Tim Schwarze.

Quelle: uk

FUSSBALL. Wir haben uns mit dem Coach des Mindener Bezirksligisten FT Dützen unterhalten – natürlich auch über die Situation beim SV Nienstädt 09, dem die Spieler davongelaufen sind.

 

 

Steht Torben Brandt wieder auf dem Spielfeld?

 

 

Ich habe anderthalb Jahre nicht mehr gespielt. Wir waren heute nur zu wenig Spieler. Wir haben noch eine Altherrenmannschaft in Dützen. Aber das ist nicht so meins, weil ich dann zu Hause zusätzlich noch einen Tag mehr freibekommen müsste. Familie, zwei Kinder, Firma. Wer Kicker ist, hat natürlich immer Bock, aber das geht natürlich auch nicht so, wie man das gern hätte.

 

 

Wie geht es Ihnen sonst so in Minden?

 

 

Gut. Ich wohne in Barkhausen, meine Praxis ist in Kutenhausen. Deshalb hat sich alles verlagert. Aber wie ich auch heute gesehen habe, ist man über die B 65 doch ruckzuck wieder in Schaumburg. Deshalb hatte ich auch damals in Nienstädt überhaupt keinen Stress. Aber für die Familie ist es so schon besser. Ich hatte ja eigentlich eine Pause einlegen wollen. Aber dann kam die Option mit Dützen. Das ist eine gute Adresse mit gutem Vereinsleben und zwei Plätzen, einer davon Kunstrasen. Ich habe 25 Spieler im Kader und dahinter noch 22, die in der Reserve in der Kreisliga A spielen. Das ist Luxus.

 

 

Gibt es Unterschiede zum Schaumburger Fußball?

 

 

Im Prinzip kann man das eins zu eins übertragen. Aber es ist schon so, dass bei uns einige Vereine sehr aktiv sind, weil wir den Raum Bünde mit drin haben. Da sind einige Vereine von Rödinghausen angefixt, um sich dort in der Reserve zu bedienen, die ja immerhin in der Oberliga spielt. Viele Sponsoren haben immer das Ziel, in der Landesliga angreifen zu wollen. Deshalb gibt so sechs Vereine, die sehr guten Fußball spielen, weil sie auch eine sehr gute individuelle Klasse haben.

 

 

Welche Rolle spielt das Geld?

 

 

Da stecken sehr viele finanzielle Mittel drin. Aber diese Ausreißer gibt es ja in Schaumburg auch. Es machen aber nicht alle wie der VfR Evesen. Ich würde uns mit Vereinen wie dem FC Stadthagen vergleichen, die im kleinen Rahmen investieren, damit sie ihre Mannschaft halten können. Die Jugendarbeit wird in unserem Raum von uns und dem SV Kutenhausen/Todtenhausen betrieben, andere bedienen sich daran und sind, wie Union Minden, darauf angewiesen, weil sie keine eigene Jugend haben. Mit Andreas Schwemmling haben sie jetzt den langjährigen Trainer von RW Maaslingen geholt. Der hat das Ganze schon sehr aufgeblasen, überlässt nichts dem Zufall und wird auch etwas aufbauen. In diesen Ligen ist es ja so: Entweder du hast einen Unterbau oder du hast Geld. Wenn du beides nicht hast, hast du ein Problem.

 

 

Wie kam es zum Abstieg der FT Dützen?

 

 

Dützen hat ein paar Jahre Landesliga gespielt, musste dann vorletztes Jahr runter, weil ein paar externe Spieler den Verein verlassen haben. Mit Sascha Schumann hat das Urgestein und langjährige Rekordtorschütze aufgehört. Der war eine prägende Figur, so ein Typ wie Klaus Kramer (Fußballlegende des VfL Bückeburg, Anm. d. Red.). Es wird vielleicht noch zwei Jahre dauern, bis der Umbruch vollzogen ist. Ich habe auch fünf A-Jugendliche mit hochgezogen, das macht schon Spaß. Ein Vereinsleben so wie bei uns hat schon eine Nachhaltigkeit.

 

 

Der Raum Minden ist eine Handball-Region. Macht sich das im Fußball bemerkbar?

 

 

Ich habe nicht die Zahlen im Kopf. Unser Verein hat 500 Mitglieder, das ist schon mal nicht so wenig. Wir sind in allen Jugendklassen mindestens einmal vertreten und bei den ganz jungen Kickern wie der E-Jugend auch mit drei oder vier Mannschaften. Unser Kunstrasenplatz zieht, wie in Kutenhausen oder bei Weser Leteln, die Kinder an. Das war damals in Bückeburg nichts anderes.

 

Das wäre doch auch etwas für den SV Nienstädt 09 gewesen?

 

 

 

 

 

 

Das habe ich damals mal angeregt. Es wäre eine Top-Lösung gewesen, den B-Platz vorne als Kunstrasenplatz anzulegen. Dann hätte es einen riesigen Zulauf gegeben und die Samtgemeinde-Vereine hätten einfach mal zusammenarbeiten müssen. Das ist fast zehn Jahre her, da wurde ich ja fast weggejagt aus dem Vereinsheim. Das war zu der Zeit, als wir gerade in die Landesliga aufgestiegen sind. Mit dem TuS Sülbeck hatten wir mit Steffen Mitschker als Trainer einen sehr guten Kreisligisten. Und Liekwegen war mit einem starken Spieler Jens Cording und einer sehr guten Mannschaft auch in der Kreisliga. Da hätte man in Nienstädt prägend etwas setzen können – wenn man sich einig gewesen wäre. Aber wenn jeder Angst hat, wer seine Würstchen verkaufen darf, dann ist das halt ein Problem.

 

 

Aber das scheint sich zumindest für den SV Nienstädt 09 erledigt zu haben, oder?

 

 

Ja, jetzt ist es so, dass man keine Trümpfe mehr in der Hand hält, jetzt müssen sie sich beugen.

 

 

Es gibt Kritiker, die behaupten, Torben Brandt sei einer der Totengräber des SV Nienstädt 09. Was antworten Sie solchen Leuten?

 

 

Wer sich verteidigt, klagt sich an, heißt es ja immer so schön. Aber das lasse ich nicht gelten. Ich habe jahrelang davor gewarnt, dass diese Situation irgendwann mal kommen muss und kommen wird.

 

 

Was hätte der Verein denn anders machen können?

 

 

Nur ein Beispiel: Der Verein hätte sagen können: Trainer, hier hast du sieben junge Spieler, bau die bitte ein. Das muss eine Art Vorgabe sein. Nach dem Motto: Die Mannschaft holt jetzt nicht der Trainer, sondern der Verein. So war man aber immer Einzelkämpfer, hat die Gespräche geführt und hat natürlich – wie jetzt vielleicht auch Steffen Mitschker beim FC Stadthagen – eine gewisse Verbundenheit mit den Spielern.

 

 

 

 

Führt das zu Abhängigkeiten?

 

 

Das ist schon ein Problem bei manchen Vereinen, dass man sich, bewusst oder unbewusst, von einer Person abhängig macht, die dann den Ton vorgeben kann. Dann ist es eine Frage des Charakters, wie es die Person macht. Da hatten wir mit Klaus Rinne (ehemaliger Vorsitzender des SV 09, Anm. d. Red.) ein sehr gutes Niveau, und da lasse ich auch nichts drauf kommen.

 

 

Der SV Nienstädt 09 stand lange für erfolgreichen Fußball. Erinnern Sie sich gern an diese Zeiten?

 

 

Wir hatten eine tolle Mannschaft. Ich hatte damals den Traum, mit Mitte Zwanzig Spielertrainer zu sein und den einen oder anderen Spieler zusammenzutrommeln. Wir hatten dann einfach gute Jahre, und man muss auch mal Danke sagen dürfen für die schöne Zeit. Es gab viele Freundschaften. Über die schönen Zeiten habe ich kürzlich noch mit meinem sterbenden Kumpel gesprochen (Attila Boyraz, Anm. d. Red.), als ich an seinem Bett stand. Das waren prägende und schöne Jahre und dafür muss man sich nicht entschuldigen.

 

 

Bekommt ein Trainer automatisch zu viel Macht, wenn er lange bei einem Verein ist?

 

 

Dann darf man als Verein einen Trainer nur drei, vier Jahre einsetzen und sagen: Jetzt kommt der nächste. Wenn man aber sagt: Jetzt haben wir erst mal Ruhe, macht mal – dann wird es schwierig. Ein Punkt ist immer das Thema Ehrenamt. Wie geht man das an? Wenn das auf der persönlichen Prioritätenliste erst an neunter Stelle kommt, wird es schwierig. Da hätte ich persönlich nicht die Ruhe, wenn alles zusammenbricht.

 

 

Man gewinnt den Eindruck, dass Nienstädt für Sie mehr war als eine beliebige Trainerstation?

 

 

Definitiv. Ich habe viele Abende zu Hause gesessen und mit mir gerungen, aktiv zu werden. Gerade in der Situation als Attila verstorben ist, habe ich schon darüber nachgedacht, was wirklich wichtig ist. Ich hatte immer das Ziel, dass das, was ich mache, auch wahrgenommen wird. Dass man vielleicht polarisiert, aber dass man vor allem für etwas steht.

 

 

Sie haben ernsthaft mit sich gerungen?

 

 

Ich war immer bereit, zu helfen, wenn es Ideen gebraucht hätte und habe das auch angeboten. Ich hatte immer ein offenes Ohr, hätte Optionen gewusst. Ich habe auch gesagt, dass sie nicht abmelden müssen. Es wäre sicher noch etwas gegangen. Man hätte noch eine Mannschaft basteln können, auch nach der Wechselfrist. Aber es hat sich gar nichts gerührt. Das ist schade, das ist traurig.

 

 

Interview: Uwe Kläfker

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