Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Sportbuzzer-Zulieferung Teamgeist statt Stars
Sportbuzzer Sportbuzzer-Zulieferung Teamgeist statt Stars
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:55 08.08.2016
TSV-Ko-Trainer Felix Dyck (links) mit den Neuzugängen des TSV Hagenburg.
Anzeige

Wenn der ehemalige Trainer Christoph Lempert, wenn die Abwehrmauer mit David Oltersdorf und Pierre Eckwerth, wenn der einstige Torjäger Steffen Dreier, die Sturmhoffnung Rouven Bräunig und der erfolgreichste Torschütze Tungrancan Singin gehen, dann hat Trainer Patrick Glawe wichtige Eckpfeiler der Mannschaft verloren, dann ist die Statik womöglich dahin. „Bitte nicht nervös werden“, sagt sein neuer Ko-Trainer Felix Dyck. „Für uns ist die Welt nicht zusammengebrochen. Ja, wir haben Erfahrung und sicher auch Qualität verloren, aber wir stecken das weg.“ Der Plan: Statt auf Stars setzt der Bezirksligist jetzt auf den Teamgeist der jungen Eigengewächse. Heimlich hofft man beim TSV Hagenburg, dass es den pausierenden Spielern Lempert und Oltersdorf schon bald wieder in den Beinen juckt.

Der TSV Hagenburg legte in der vergangenen Saison eine wilde Fahrt hin. Entgegen aller optimistischen Prognosen stand die Mannschaft im Winter in der Abstiegszone und war extrem knauserig mit Toren. Acht Treffer in 15 Spielen – eine erbärmliche Ausbeute. Trainer Glawe schien das aber nicht besonders zu beunruhigen. Er kündigte eine Aufholjagd an und wurde bestätigt. Die Hagenburger wurden am Ende Tabellensiebter, entwickelten sich zur drittbesten Rückrundenmannschaft und gingen mit 56 Toren ins Ziel.

Auf dem Papier gehen die Seeprovinzler eindeutig geschwächt in die neue Saison. Schon qualitativ schlugen die sieben Abgänge massiv zu Buche. Gut nur, dass Trainer Glawe den Weg zum Sportplatz des TSV Kolenfeld kannte und dort alte Kontakte nutzte. Drei seiner Neuzugänge spielten bisher beim Wunstorfer Kreisligisten. Trotzdem wird es schwer sein, die riesigen Lücken zu füllen, zumal der TSV Hagenburg auch in der Vorsaison Probleme hatte, als ausschließlich mit jungen, eigenen Leuten gespielt wurde. Erst als auch erfahrene Kräfte wieder mitmischten, erst als man im Winter Spieler wie Singin holte, ploppte der TSV in der Tabelle nach oben wie ein Ball, den man unter Wasser drückt und plötzlich loslässt. Während die Abgänge des Familienmenschen Lempert, des beruflich stark eingebundenen Oltersdorf und von Singin, der es in der Oberliga beim 1. FC Wunstorf versuchen will, noch halbwegs nachvollziehbar sind, bleiben andere Abgänge rätselhaft. Bräunig zum Beispiel war nach schwierigem Beginn in Hagenburg gerade auf einem guten Weg, den er jetzt abbrach.

Ko-Trainer Dyck hat aus dem Wechselgeschehen des Sommers auch einen positiven Aspekt herausgearbeitet: „Der TSV Hagenburg hat kein Eigengewächs verloren. Unser Konzept, vornehmlich auf heimische Spieler und auf den Nachwuchs zu setzen, wurde gestärkt.“ Trotz dieser Sicht führt kein Weg daran vorbei, dass der in den letzten Jahren stets aufwärts strebende TSV Hagenburg eine schwere personelle Delle davongetragen hat. Die Zweite spielt zwar weiterhin in der Kreisliga, was sehr respektabel ist, und auch die Jugendarbeit funktioniert. In der Spitze muss der TSV mit seiner Bezirksligamannschaft aber aufpassen, nicht den Anschluss zu verlieren. Die Mannschaft war in der letzten Saison blutjung, und sie ist jetzt noch jünger geworden. „Mit Niclas Kretschmann und Jonas Nolte haben wir starke eigene Spieler hinzubekommen“, glaubt Dyck, für den beim TSV eine neue Tätigkeitsbeschreibung erfunden wurde – „mitspielender Ko-Trainer.“ Er kann mit seiner Oberliga- und Landesligaerfahrung als verlängerter Arm von Glawe auf dem Platz ein Orientierungspunkt für die Mannschaft werden.

Leitwölfe gibt es beim TSV nur noch ganz wenige. Das junge Rudel muss selbst zurechtkommen. Daniel Beißner bildet eine Ausnahme. Er ist einer der überragenden Torwarte in der Bezirksliga und für die jungen Leute in der Abwehr ein sicherer Rückhalt. Ansonsten wird es dünn. Der ehemalige Nienstädter Marc-Philipp Drewes bringt Erfahrung mit, hatte leistungsmäßig aber schon in der vergangenen Saison Probleme, den Anschluss zu finden. Spielern wie Marvin Fieberg und Sebastian Walter fällt unter diesen Umständen automatisch eine Führungsrolle zu. Auch vom erfahrenen Michael Huntemann muss in der neuen Konstellation mehr erwartet werden als nur Tore.

Als bisheriger Trainer der Kreisligamannschaft trat Dyck in der Funktion als Spieler kaum in Erscheinung, weil er meinte, an der Linie besser aufgehoben zu sein. Aber er bringt aus seiner Zeit beim Oberligisten MTV Gifhorn und anderen Vereinen aus dem Wolfsburger Umfeld eine Menge mit, wurde im Nachwuchs von Eintracht Braunschweig ausgebildet und ist ein Linksfuß. Der 26-Jährige wohnt mit Partnerin und Kind in Wunstorf.

Die Hagenburger sind einer der großen Gewinner der diesjährigen Staffelneuordnung. Während der TSV früher meist am Rande der Landkarte war und von Stuhr bei Bremen bis Boffzen an der Oberweser viel von der Welt sah, liegt er nun mitten in der Landkarte der Bezirksliga. Doch das ist nur der eine Aspekt, denn Boffzen war zwar weit, eignete sich aber als Absteiger und Punktelieferant. Die neue Staffel scheint ausgeglichener zu sein. Wenn der TSV Hagenburg einen einstelligen Tabellenplatz als Saisonziel ausgibt, dann ist das angesichts der Umbrüche optimistisch und äußerst ehrgeizig. „Es ist aber auch realistisch“, meint Dyck. Man kenne die Gegner, sei gut informiert und habe Vertrauen in die entwicklungsfähige Mannschaft, in der noch Potenziale aktivierbar seien. Dabei beruft er sich dabei auf ein prominentes Beispiel: „Auch Mainz 05 verliert Jahr für Jahr gute Spieler und kommt irgendwie immer wieder zurück. Weil es in der Mannschaft passt.“

Christian Vaas.

Ko-Trainer:

Afrim Sulejmani, Gordon Seymour.

Torhüter:

Markus Peter-Barbknecht, Luis Böhm, Nasser Mirza.

08.08.2016

Patrick Glawe.

Ko-Trainer:

Felix Dyck. Torhüter:

Daniel Beissner, Dorian Wöltje.

08.08.2016

Trainer:

Timo Nottebrock

Torhüter:

Jan Kölling, Maximilian Schmidbauer.

08.08.2016
Anzeige