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Sportmix "Ich denke, Steffi Graf ist stolz auf mich"
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12:57 09.09.2016
Angelique Kerber Quelle: dpa
New York

Den historischen Moment erlebte die neue Nummer eins der Tennis-Welt im Fitnessraum vor dem Fernseher. Ungläubig schaute sich Angelique Kerber die letzten Ballwechsel des US-Open-Halbfinals zwischen Serena Williams und Karolina Pliskova im zweiten Obergeschoss des Arthur-Ashe-Stadiums an. Als Williams beim Matchball einen Doppelfehler servierte, verabschiedete sich die Amerikanerin nicht nur aus dem Turnier, sondern beförderte mit ihrem Scheitern 19 Jahre nach Steffi Graf auch wieder eine Deutsche auf den Tennis-Thron.

"Ich glaube, ich habe in dem Moment gar nichts gedacht. Wir waren da zu dritt und haben ein paar Sekunden geschwiegen, und dann habe ich gesagt: Okay, jetzt ist es passiert", erzählte Kerber kurz vor Mitternacht in den Katakomben des größten Tennisstadions der Welt.

Und es war so viel passiert an diesem 8. September 2016 im New Yorker Stadtteil Queens, dass sich Kerbers Mama Beata nach dem Final-Einzug ihrer Tochter und der Übernahme von Platz eins in der Weltrangliste völlig nassgeschwitzt vor Anspannung erst einmal einen Becher Whiskey-Cola auf der South Plaza in Flushing Meadows gönnen musste.

"Ich bin sprachlos. Unglaublich, dass beides an einem Tag passiert. Ich bin so stolz auf sie", sagte die Mutter der jetzt offiziell und schwarz auf weiß dokumentierten besten Tennisspielerin der Welt.

Vor fünf Jahren noch stand die Linkshänderin aus Kiel kurz davor, alles hinzuschmeißen und ihre Karriere wegen Erfolglosigkeit zu beenden. Doch dann erreichte sie 2011 bei den US Open als Weltranglisten-92. das Halbfinale - und begann einen Triumphmarsch, der sie im New Yorker Spätsommer auf den Tennis-Gipfel führte.

"Der Tag ist heute gekommen, ich bin die Nummer eins der Welt, was immer ein Traum von mir war", sagte Kerber nach ihrem 6:4, 6:3 im Halbfinale gegen die Dänin Caroline Wozniacki und vor dem Endspiel gegen die doppelte Williams-Bezwingerin Pliskova am Samstag (22.00 Uhr MESZ).

Gegen die Tschechin hatte Kerber eine Woche vor den US Open im Finale von Cincinnati verloren und die erste Chance auf Platz eins der Weltrangliste verpasst. Nun bietet sich der mit 28 Jahren ältesten Nummer-eins-Debütantin die Chance zur Revanche. Pliskova allerdings spielt derzeit in der Form ihres Lebens und beförderte vor Serena auch schon deren ältere Schwester Venus aus dem Turnier.

Allzu sehr wollte sich Kerber dann aber doch noch nicht mit ihrem dritten Grand-Slam-Finale in diesem Jahr befassen. Nach dem Triumph bei den Australian Open und dem Endspiel-Einzug in Wimbledon wollte die Norddeutsche die Krönung ihrer Wahnsinns-Saison auch zumindest für ein paar Stunden genießen. "Die nächste deutsche Nummer eins nach Steffi zu sein, ist eine Ehre für mich. Es ist einfach unglaublich", sagte Kerber, die selbst die ausschweifenden Frage-Monologe eines italienischen Reporters mit Langmut und Lächeln ertrug und auf besonderen Wunsch sogar einmal auf polnisch antwortete.

Die Wandlung der Angelique Kerber vom mental-wackligen und öffentlich-schüchternen jungen Mädchen zur neuen Spitzenkraft im internationalen Tennis manifestiert sich nicht nur auf dem Platz. Kerber ist gereift, körperlich topfit und psychisch so stabil wie die sturmerprobte neue Dachkonstruktion über dem Arthur-Ashe-Stadium.

Dass sie nun tatsächlich 19 Jahre nach Steffi Graf von Montag an die beste Tennisspielerin auf der WTA-Tour sein wird, muss sie erst einmal sacken lassen. "Ich brauche ein bisschen Zeit, um das alles zu verarbeiten", sagte Kerber. Nur die deutsche Legende Graf war vor Kerber als deutsche Tennisspielerin die weltweite Nummer eins.

377 Wochen lang führte Graf die Wertung an, am 31. März 1997 verlor sie die Position an die Schweizerin Martina Hingis. "Das schwarz auf weiß zu sehen, dass ich die Beste der Welt bin und dass mir das auch nie mehr jemand wegnehmen kann, das ist schon was ganz Besonderes", sagte Kerber. "Ich denke, Steffi ist stolz auf mich."

dpa

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