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Sportmix „Wie die Vollidioten“
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00:24 24.12.2014
Ratlos an der Linie: Dortmunds Trainer Jürgen Klopp beim 1:2 seiner Mannschaft im Bremer Weserstadion. Quelle: dpa
Bremen

Nicht alle Dortmunder Anhänger, die hoch oben aus der Westkurve des Weserstadions ihre Lieblinge mal wieder ausdauernd unterstützt hatten, sind am Sonnabend direkt aus Bremen weggefahren. Viele der schwarz-gelben Sympathisanten hatten für den Hinrunden-Kehraus noch eine Übernachtung in der Hansestadt gebucht, was eingedenk des sehenswerten Weihnachtsmarktes um Roland und Rathaus ja auch keine schlechte Idee gewesen ist. Nur wohin mit all dem Frust kurz vor dem Fest? Viele haben dann beschlossen, sich einfach mit dem glücksseligen Bremer Volk zu verbrüdern, was speziell auf der Amüsiermeile Schlachte zu ulkigen Szenen führte: BVB-Gefolgschaft, die Werder-Lieder grölte. Oder: Humor ist, wenn man trotzdem lacht. In einer der größten Sinnkrisen der Klubgeschichte.

Der Champions-League-Achtelfinalist überwintert nach dem 1:2 auf einem Abstiegsplatz - das hat es lange nicht gegeben. „Wir haben die beschissenste Hinrunde unseres Lebens gespielt“, sagt Trainer Jürgen Klopp nach dem 1:2 gegen Werder - der zehnten Pleite im Liga-Betrieb -, „dass wir nun wie die Vollidioten dastehen, geschieht uns recht.“ Der Coach führt aus, dass jede Form der Kritik angebracht sei. „An vielen Orten im Lande wird die Stimmung dramatisch besser sein als in Dortmund: Es gibt für alle nur eine einzige gute Nachricht: Die Vorrunde ist vorbei!“

Doch ist es damit abgetan? Welche Mitschuld trägt der Übungsleiter, wenn ein limitierter Tabellenletzter so aufgebaut wird, wie es Dortmund mit Bremen tat? Klopp gibt zu, dass ein Sieg an der Weser „aus einer bescheidenen Hinrunde keine Weltklasse-Halbserie gemacht hätte.“ Und so ein Abstiegsplatz habe etwas Gutes, „es kann nicht mehr weiter nach hinten gehen“. Wenn das der Ansatz des Trainers ist, erklärt es möglicherweise den traumtänzerischen Auftritt seiner Spieler, von denen sich einige kurz vor dem Fest nicht mehr schmutzig machen wollten.

Die Debatte, ob die Mitstreiter den Abstiegskampf nicht richtig angenommen hätten, will Meinungsmacher Mats Hummels nicht führen. „Leidenschaft und Einstellung sind nicht das Problem“, sagt der Verteidiger, dessen Kopfball (69.) nicht genügte, um den durch Davie Selke (3.) und Fin Bartels (62.) verursachten Rückstand zu drehen. Der grandios enttäuschte Weltmeister („Die Angst vor dem Abstieg ist da“) hockte als einziger nach Schlusspfiff lange verzweifelt auf dem Rasen, weil er nicht glauben konnte, wie sich in der Fremde Nackenschlag an Rückschlag reiht. „So wie wir spielen, stehen wir zu Recht da unten drin“, gibt Hummels zu Protokoll und warnt vor der Annahme, mit der Rückkehr verletzter Spieler trete Besserung ein: „Dafür gibt es keine Garantie.“

Ein erstaunlicher Satz in der verbalen Aufarbeitung, weil sich sein Vordenker längst dazu verstiegen hat, dass fehlende oder verkürzte Vorbereitung die Malaise begründe. „Keiner der Spieler hat das für die Bundesliga notwendige Training durchgeführt“, erläutert Klopp, „wir aber leben vom Training. Sonst fehlt uns die defensive Stabilität“. Er verspricht mehr Wehrhaftigkeit für 2015. „Wir werden uns einiges erarbeiten, und dann wird es schwerer, uns zu schlagen. Wir werden ein erbitterter Jäger sein.“

Natürlich wisse Klopp, dass der Rückrundenauftakt mit dem Auswärtsspiel in Leverkusen kein Selbstgänger werde, aber eines könne er versprechen: „Man kann im Abstiegskampf stabiler sein - und das werden wir zu 100 Prozent hinkriegen.“ Persönliche Konsequenzen schloss der Einpeitscher erneut aus. Es sei eine Herausforderung, „als Trainer einer vermeintlichen Spitzenmannschaft den Abstiegskampf zu bestehen.“ Die Kämpfernatur: „Das Ding ist nicht vorbei. Ich glaube fest daran, dass Licht am Ende des Tunnels angeht.“ Dann aber muss das Ballgeschiebe bald ein Ende haben, mit dem sich die Borussia zuletzt auswärts begnügte. Wo sind bloß Punch und Power hin? Dem mehrheitlich verunsicherten Aufgebot soll im Winter wohl keine Blutauffrischung von außen zugeführt werden.

Der Trainer wird sich final noch mit BVB-Boss Hans-Joachim Watzke und Sportchef Michael Zorc besprechen, aber Klopp gab zu Protokoll, dass Aktionismus keinen Sinn mache. „Stand heute ist es eine Katastrophe - aber es geht weiter.“ Ein Motto, das sich die Fans bei der letzten Auswärtsfahrt des Jahres längst zu eigen gemacht hatten.

Von Frank Hellmann

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