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Sportmix Nach Prügelattacke: Team wird nicht aufgelöst
Sportbuzzer Sportmix Nach Prügelattacke: Team wird nicht aufgelöst
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00:23 12.12.2014
Von Carsten Schmidt
Quelle: Symbolbild
Hannover

Michael Cichon spricht. Leise, langsam, traurig. „Es gab so viele Anfragen in den vergangenen Tagen, Anrufe, E-Mails, auch sehr unschöne“, sagt der stellvertretende Fußball-Spartenleiter des Mühlenberger SV (MSV). Die C-Junioren des Vereins, 13, 14 und 15 Jahre alt, haben den Stadtteilverein aus Hannover ins Zwielicht gesetzt, weil sie an einer Prügelattacke auf einen Schiedsrichter beteiligt gewesen sein sollen. „Das ist unentschuldbar“, sagt Cichon. „Aber es gibt unterschiedliche Schilderungen von Zeugen, wir wollen nicht vorschnell urteilen.“

Um das Zwielicht zu erhellen, suchte die Mühlenberger Klubführung auch das Gespräch mit den Jugendlichen, das am Dienstagabend stattfand. Bereits am Montag hatte sie ein erstes Zeichen gesetzt und dem mutmaßlichen Anstifter der Schlägerei Hausverbot erteilt. Aber ein Rückzug einer ganzen Mannschaft hätte für Cichon den Geschmack einer Kollektivsanktion. „Wir können doch Spielern, die nicht mitgeprügelt haben oder noch nicht einmal vor Ort waren, nicht das Training bei uns verbieten“, sagt er. Man wolle auch nichts übers Knie brechen, zumal das nächste Punktspiel der C-Junioren erst in drei Monaten stattfindet.

„Vom Sport spricht im Augenblick niemand“

Cichon sagt, viele C-Jugendliche könnten gar nicht einschätzen, welche Welle sie losgetreten haben. Und erst recht nicht haben sie im Blick, dass solche Negativschlagzeilen auch andere Fußballer im Verein treffen. „Unsere F-Jugend spielt am Wochenende in der Halle“, sagt Cichon. „Natürlich werden wir uns in den Pausen manches anhören und auch Stellung beziehen müssen.“ Dabei glänzen die „Kleinen“ als Tabellenführer ihrer Spielklasse, ebenso wie die 1. Männermannschaft in der Bezirksliga 2. „Vom Sport spricht im Augenblick aber niemand“, sagt Cichon.

Es würde sich lohnen, aber auch sportlich über jene C-Junioren zu sprechen, die so sehr das Klischee einer Mannschaft aus einem „Problemviertel“ mit Hochhäusern, Zuwanderern und einkommensschwachen Haushalten bedienen. Der Mühlenberger SV mit seinen 18  Sparten hält dort ein wichtiges Freizeitangebot vor. Tätig sind – meist im Ehrenamt – Männer wie C-Jugend-Trainer Oliver Zorn, der über seinen Neffen in die Fußballsparte gekommen ist. „Oliver hat viel mit den Kindern unternommen, Ausflüge nach Hamburg und in den Heidepark“, sagt Cichon. Er hebt hervor, dass Zorn vor zwei Jahren mit sechs Kickern angefangen hat, „zuletzt waren es 25“. Der SV Arminia, Gegner am Wochenende, bricht ebenfalls eine Lanze für die Ehrenamtlichen in Mühlenberg: Man solle trotz der schlimmen Vorfälle nicht auch noch die wenigen Personen verurteilen, die nach Feierabend versuchten, Schwachstellen unserer Gesellschaft aktiv zu begegnen.

Mutmaßlicher Angreifer stellt sich

Der mutmaßliche Anstifter zu den Angriffen auf einen 18-jährigen Fußball-Schiedsrichter hat sich der Polizei gestellt. Es handelt sich um einen 16-Jährigen, der die C-Junioren des Mühlenberger SV am Sonnabend zum Punktspiel bei Arminia Hannover III begleitet hatte. Der Jugendliche wird beschuldigt, dass er die treibende Kraft zu der Prügelei in der Pause war, an der auch Mühlenberger Spieler beteiligt gewesen sein sollen. Darüber gibt es aber widersprüchliche Zeugenaussagen. „Wir prüfen jetzt, ob es noch weitere Personen gibt, die in diesem Zusammenhang als Tatverdächtige infrage kommen“, sagte ein Behördensprecher. Der 18-jährige Schiedsrichter hatte bei den Attacken Gesichtsverletzungen erlitten.

tm

„Disziplin, Ordnung und Respekt haben nachgelassen"

Die MSV-Fußballer kündigten zudem an, dass sie genauer auf „Helfer und Begleiter“ im jeweiligen Mannschaftsumfeld achten wollen. Allerdings gebe es in Mühlenberg nur wenige Eltern, die zur Mitarbeit im Verein bereit seien. „Wir haben schon Schwierigkeiten, genügend Fahrzeuge für Auswärtsspiele zu finden“, sagt Cichon. Daher sei man froh über jeden, der anpackt.

Der Verein stellt sich aber nicht nur dem schwierigen Umfeld. Die Fußballer haben die Stadt Hannover um professionelle Hilfe durch Sozialarbeiter gebeten – etwa für ein Anti-Aggressions-Training. „Natürlich versuchen wir auch selbst, die Kinder und Jugendlichen zu Fairness anzuleiten“, sagt Cichon. Aber die Trainer könnten nicht in zwei Übungseinheiten pro Woche das reparieren, was andernorts vernachlässigt wurde. „Disziplin, Ordnung und der Respekt haben gegenüber früheren Zeiten nachgelassen“, sagt Cichon.

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