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Sportmix Trainer Klopp am schwarz-gelben Abgrund
Sportbuzzer Sportmix Trainer Klopp am schwarz-gelben Abgrund
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07:29 02.12.2014
 Der BVB schlittert auf die 2. Liga zu – doch Jürgen Klopp verliert noch nicht die Hoffnung auf ein gutes Ende. Quelle: dpa
Dortmund

Eines muss man Jürgen Klopp lassen: Dieser Mann hat das Rollenspiel perfektioniert. Wo er am Sonntagabend als ratloser Trainer von Borussia Dortmund in der Frankfurter Arena nach Erklärungen für den Niedergang eines ambitionierten Fußball-Bundesligisten suchte, gab er gestern Abend bereits den allerbestens gelaunten Plauderer vor ausgesuchten Zuhörern beim Vortrag „Motivation & Führung“ im „Frankfurter Hof“. Etliche ausgesuchte Führungskräfte aus der deutschen Wirtschaft, aber auch zahlreiche Jugendfreunde aus Frankfurter Zeiten kamen dabei in den Genuss, außergewöhnliche Ausführungen des 47-Jährigen am Tag nach der 0:2-Niederlage bei Eintracht Frankfurt und dem Sturz auf den letzten Tabellenplatz zu erhalten.

Schon skurril: Da plaudert der Trainer eines Tabellenletzten über Motivation und Führungsstärke. „Wenn ich etwas zusage, dann tue ich das auch. Ich habe mir aber am Morgen nicht gesagt, dass es geil ist, schon wieder nach Frankfurt zu fahren“, erläuterte Klopp in seinem launigen Eingangsstatement vor 260 Zuhörern. Was aber ist mit seiner Mannschaft los? „Es gibt 28 Spieler und damit 28 Gründe“, sagte Klopp. „Meine Mannschaft lebt extrem davon, dass sie zusammenarbeitet, aber wenn diese Zusammenarbeit nicht stattfindet, haben wir ein Problem.“ Dazu führte er Gegentore an, „die an Lächerlichkeit nicht zu überbieten sind“. Wie der überforderte Matthias Ginter vor dem 0:2 am unmotiviert herauseilenden Keeper Roman Weidenfeller vorbei köpfte, „passt ins Kuriositätenkabinett“, wie der Coach beklagte. „Es ist unwichtig, wie gut du kicken kannst, wenn du dir so ins Gebälk haust.“ Dazu habe die Liga Blut geleckt, den Borussen ein Bein zu stellen. „Unser größtes Problem sind die elf Punkte. Und die anderen sind wie die Löwen: Ein angeschossenes Tier wird weggemacht.“

Nicht nur einmal schaffte es der von ZDF-Moderator Bela Rethy interviewte Entertainer Klopp, die Zuhörer im voll besetzten Festsaal zum Lachen zu bringen – dem Trainer Klopp wäre zu wünschen, dass er seine Spieler auch so schnell erreicht. Klopp insistierte, er sehe aber „Licht am Ende des Tunnels – ich habe nicht zum ersten Male in meinem Leben Probleme“. Von Abnutzungserscheinungen wollte er indes nichts wissen, sondern versicherte fast trotzig: „Wir sind in einer Extremsituation. Die Spieler hängen an meinen Lippen. Die Jungs wollen gemeinsam zurückschlagen.“

Sein Verein legte Wert auf die Feststellung, dass der Trainer den von seinem alten Frankfurter Kumpel Sven Müller eingefädelten Termin als Privatmann abgemacht hatte – übrigens bereits seit einigen Monaten. Dennoch zeugte es von Mut, am Tiefpunkt der 2008 begonnenen Ära beim BVB über Motivation zu reden. Zu einem vergleichbaren Zeitpunkt war die Borussia zuletzt vor 29 Jahren Tabellenletzter.
„Wir müssen uns nichts vormachen. Wir sind mitten im Abstiegskampf angekommen“, stellte Sportdirektor Michael Zorc am Tag zuvor fest. Zudem empfahl der 44-Jährige, Rechenspiele zu unterlassen, die einen Vorstoß in vordere Regionen möglich erscheinen lassen. Da spürt einer, dass sich die Stimmung in Dortmund gedreht hat. In Frankfurt wendeten sich nämlich erstmals die Anhänger ab – aus echter Liebe ist enttäuschte Liebe geworden, weil selbst der „Blut-Schweiß-Tränen“-Appell von Vorstandschef Hans-Joachim Watzke verpuffte.

Die Eintracht machte vor, wie echte Arbeiter sich den Punkte-Lohn verdienen. Bei der Borussia werden aktuell hingegen wohl einige Künstler zu viel entlohnt: Protagonisten wie der Armenier Henrikh Mkhitaryan probieren es auch im Abstiegskampf lieber mit Außenrist statt mit Vollspann. Und wie der verstörte Japaner Shinji Kagawa um sich selbst kreiselt, ist dem einst so vorbildlichen Dortmunder Kollektiv nicht dienlich. Damit rückte auch Klopp in die Kritik.

Spätestens nach dem Champions-League-Finale 2013 galt der  charismatische Vordenker als der begehrteste Fußballlehrer auf dem internationalen Markt, und deswegen dehnte der Klub den Kontrakt mit Klopp gleich voller Euphorie bis 2018 aus. Doch nach den jüngsten Misserfolgen wird mit ihm sogar öffentlich die Variante einer freiwilligen Demission durchgespielt.
Doch Klopp will kämpfen: „Ich habe hier die Verantwortung und solange keiner kommt und sagt, wir haben jemanden, der es besser macht, kann ich doch nicht gehen. Es gibt sicher keine Tendenzen dazu.“ Und: „Wenn ein Trainerwechsel das Glück zurückbringt, dann soll mich jemand anrufen und mir eine Garantie geben – aber so leicht ist es nicht.“ Gestern erneuerte er seine Ansicht. Mehr noch: Er sei sogar ein „besserer Trainer als 2012“.

Kumpel Zorc erteilt ohnehin Rückendeckung: „Wir sind komplett überzeugt, dass wir mit Jürgen da rauskommen.“ Schon das Heimspiel gegen die TSG Hoffenheim am kommenden Freitag wird indes zum Charakter- und Stresstest für Trainer und Mannschaft, der am Sonntagabend die tiefe Verunsicherung in allen Mannschaftsteilen anzusehen war. Aber wie sagte Klopp nun am Montagabend? „Unsere Motivation ist, aus dieser Krise wieder eine geile Zeit zu machen. Die größten Geschichten der Menschheit sind, sich wieder aus etwas rauszuwühlen.“

Von Frank Hellmann

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