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Sportmix „Das deutsche Team ist reif für den Titel“
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11:12 27.12.2014
Martin Schmitt (links) und Sven Hannawald haben um die Jahrtausendwende einen Skisprungboom in Deutschland ausgelöst. Quelle: dpa (Archiv)

Sven Hannawald (40) und Martin Schmitt (36) sorgten einst mit spektakulären Erfolgen für einen Boom im Skispringen. Gemeinsam holten sie 2002 Olympiagold im Team. Schmitt wurde außerdem viermal Weltmeister, zweimal Gesamtweltcupsieger, konnte aber nie die Vierschanzentournee gewinnen. Der zweimalige Skiflug-Weltmeister Hannawald wurde genau dort zur Legende, als er vor 13 Jahren als bislang einziger Sportler alle vier Springen gewinnen konnte. Im Interview erzählen die beiden Stars, wie sie die 63. Vierschanzentournee erleben und welche Chancen die deutschen Flieger in diesem Jahr haben.

Herr Schmitt, Herr Hannawald, sind sie noch ein bisschen sehnsüchtig, wenn morgen die Vierchancentournee beginnt?
Martin Schmitt: Mir fehlt ganz sicher nichts, auch wenn ich nach 18 Teilnahmen in Serie das erste Mal nicht als Springer dabei bin. Ich werde im Auslauf stehen und die vier Springen analysieren. Die Anfrage von Eurosport kam früh, und ich  hatte ein gutes Gefühl dabei. Ich mag die Übertragungen, das Fachliche steht im Vordergrund. Damit ich nicht aus der Routine komme, wird auch Silvester in Garmisch ablaufen wie immer. Ich gehe nicht all zu spät ins Bett, damit ich beim Neujahrsspringen fit bin. (lacht)
Sven Hannawald: Ich bin wie in den letzten Jahren wieder bei Sky im Studio, diesmal allerdings auch an den Qualifikationstagen. Bisher ist nicht geplant, dass ich an den Schanzen live vor Ort bin, aber das kann sich ändern, wenn es in Sachen deutsche Erfolge spannend wird.

Haben Sie das Gefühl, dass die deutschen Flieger nach den mageren Resultaten der vergangenen Jahre diesmal eine bessere Rolle spielen können?
Hannawald: Auf jeden Fall. Ganz speziell Severin Freund. Ihm merkt man an, dass er aus dem letzten Winter viel mitgenommen hat. Er geht viel souveräner mit der Situation und dem Druck um. Mich beeindruckt, wie stabil sein Flugsystem ist. Selbst bei schwierigsten Windbedingungen wie in Nischni Tagil hat er sich durchgesetzt. Severin ist bei der Tournee definitiv ein Siegkandidat.
Schmitt: Für die ganze Mannschaft war Teamgold in Sotschi extrem wichtig. Jetzt ist mal ein Titel auf der Habenseite. Das gibt Sicherheit, Vertrauen und Selbstbewusstsein. Bei Olympia gab es die Rückmeldung: Wir sind die Besten. Und das bleibt im Hinterkopf. Das ganze Team ist reif dafür, dass wieder mal ein Deutscher um den Tournee-Sieg mitspringt. Das ist ja ein Entwicklungsprozess. Man braucht die Erfahrung über viele gute Ergebnisse, dieses Selbstbewusstsein kann man nicht herzaubern. Und genau das hatten uns die Österreicher die letzten Jahre voraus. Deren Stärke hat sich über die Jahre entwickelt. Aber jetzt hat sich das Blatt gewendet. Severin Freund gehört definitiv zu den Favoriten, wenn er in Topform antritt.

Wer sind für Sie die Favoriten?
Schmitt: Da gibt es einige. Severin hat einen sehr guten Formaufbau und findet immer besser zu seinem Sprung. Auch Gregor Schlierenzauer hat in die Spur zurückgefunden. Simon Ammann hatte einen Superauftakt und will natürlich auch einmal die Tournee gewinnen. Dann sind da noch Koudelka und Fannemel.
Hannawald: Anders Fannemel ist einer – er ist ein toller Flieger, der durch sein System weite Sprünge stehen kann. Gregor Schlierenzauer ist zuletzt auch immer besser in Form gekommen. Anders Bardal und Roman Koudelka sind auch zu beachten. Und ein Kamil Stoch hat sich wegen seiner Verletzung nicht gezeigt. Er kann sich ganz anders auf die Tournee vorbereiten. Er ist einer der Überraschungskandidaten.

Aber Angst, dass jemand wie Sie alle vier Springen gewinnt, brauchen Sie bei der Ausgeglichenheit in diesem Winter nicht zu haben, Herr Hannawald
Hannawald: Das weiß man vorher nie. Bei mir ist vorher auch niemand davon ausgegangen. Solche Dinge entwickeln sich. Auf der einen Seite ist es leichter als früher geworden, so eine Siegesserie zu starten, weil die Windverhältnisse ins Ergebnis eingerechnet werden. Auf der anderen Seite ist die Konkurrenz viel enger. Die Grundvoraussetzung ist mal, dass du das erste Springen gewinnen musst. Und es wird von Station zu Station schwieriger, es beginnt im Kopf zu rattern, und das sind ja keine Kasperlspringen. Die Tournee ist einfach eine andere Baustelle, das kannst du nicht trainieren.

Herr Schmitt, Sie haben die Tournee nie gewinnen können. Würden Sie einen ihrer WM-Titel dafür hergeben, wenn Sie tauschen könnten?
Schmitt: Natürlich hätte ich die Tournee gern gewonnen. Aber ich würde nichts dagegen eintauschen. Jeder Erfolg wurde mit so viel Einsatz und Leidenschaft errungen. Ich bin zufrieden, wie es ist.

Was sagen Sie beide eigentlich zu den Erfolgen von Noriaki Kasai im Alter von 42? Er hat ja kürzlich noch einen Weltcup gewonnen.
Schmitt: Nori ist einfach ein Phänomen. Niemand hätte wohl vor ihm gedacht, dass man mit 42 Jahren noch in der absoluten Weltspitze mitspringen kann. Aber er ist die Ausnahme. Ansonsten geht es ab Mitte 30 schon bergab.
Hannawald: Noriaki Kasai wird bei der Tournee da sein, wenn andere ihre Chance auslassen. Er ist immer für die Top 6 gut. Ich habe einen Heidenrespekt vor ihm, dass er auch in dem hohen Alter noch in der absoluten Weltspitze mithalten kann. Ich drücke ihm immer mit die Daumen, weil das einer der Mitkonkurrenten aus meiner Zeit ist, die immer noch dabei sind.

Sie sind beide wesentlich jünger als Kasai. Haben Sie überhaupt keine Lust auf ein Comeback?
Hannawald: Meine innere Stimme sagt mir, dass das überhaupt keinen Sinn machen würde. Ich bin zufrieden, wie es ist.
Schmitt: Nein. Es ist gut so, wie es ist. Ich genieße die Rolle als Zuschauer in einem Sport, in dem du mit 17 und auch mit 42 gewinnen kannst.

Interview: Lars Becker

Bei der 63. Vierschanzentournee hoffen die deutschen Skispringer auf einen Höhenflug. Drei Asse können vorne mitmischen. Für den ganz großen Wurf soll Topmann Severin Freund sorgen. „Wir wollen um den Sieg springen“, sagt Bundestrainer Schuster.

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