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Sportmix „Mach ihn, mach ihn! Er macht ihn!“
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00:20 02.01.2015
Annahme, Schuss, Weltmeister: Mario Götze bei seinem entscheidenden Treffer im WM-Finale gegen Argentinien. Quelle: dpa
Hannover

Eine Viertelstunde vor Anpfiff im Estádio do Maracanã klingelt das Handy von ARD-Finalreporter Tom Bartels. Entgegen seiner Gewohnheit geht Bartels zu diesem späten Zeitpunkt ran. Es meldet sich DFB-Pressesprecher Uli Voigt. Er brüllt: „Kramer spielt.“ Bartels ist verwirrt. „Erzähl mir jetzt keinen Unsinn!“, fordert er. Auf dem Spielberichtsbogen steht Sami Khedira. Aber Voigt bleibt dabei. Minuten später singt der Gladbacher Christoph Kramer auf dem Spielfeld die Nationalhymne. Khedira hatte sich beim Aufwärmen verletzt. Das Finale, das der deutschen Nationalmannschaft den vierten Weltmeistertitel sichern soll, beginnt mit einer Überraschung.

3. Minute: Marcos Rojo foult Thomas Müller. Es ist auch die Härte, die dieses Finale bestimmen wird. Freistoß also. Fünf Treffer nach ruhenden Bällen hat das DFB-Team bislang im Turnier erzielt – dieser bleibt in der Mauer hängen.

5. Minute: Der erste Angriff der Deutschen über die rechte Seite von Kapitän Philipp Lahm – was noch keiner ahnt: Nach dem Finale wird er aus der Nationalmannschaft zurücktreten („Es geht auch ohne mich“) – endet in der argentinischen Abwehr. Die Südamerikaner verteidigen besser als die brasilianischen Gastgeber, die Deutschland im Halbfinale mit 7:1 zerlegt hat. Argentiniens Coach Alejandro Sabella über diese Show: „Fußball ist der unlogischste Sport von allen. Das macht ihn so schön.“

9. Minute: Superstar Lionel Messi lässt Mats Hummels, der nach der WM in ein Formtief fallen und mit dem BVB gegen den Abstieg kämpfen wird, stehen. Aber Bastian Schweinsteiger fängt die Flanke im Strafraum ab.

16. Minute: Der Beginn einer Szene, die das Zeug hat, eine dieser Fußballlegenden zu werden, die noch in 50 Jahren Thema in der Kneipe sind. Miroslav Klose, WM-Rekordtorschütze mit 16 Treffern, visiert mit einem Einwurf Kramer an. Der wird von Ezequiel Garay gecheckt und bleibt benommen liegen. Dann rappelt er sich auf – irgendwie. Bartels sagt heute: „Ich hätte nicht gedacht, dass er wieder zurückkommt.“

19. Minute: Kramer irrt mit glasigem Blick über das Spielfeld. „Von der halben Stunde, die ich auf dem Platz stand, habe ich kein einziges Bild mehr in Erinnerung. Ich wusste nicht mal, dass ich nach dem Zusammenprall noch weitergespielt habe“, sagt er hinterher.

21. Minute: Toni Kroos will den Ball zu Neuer köpfen. Higuain geht dazwischen und allein auf den deutschen Torwart zu. Der hat ihm mit seinen Leistungen im Turnier wohl so viel Respekt eingeflößt, dass er den Ball am Tor vorbeischießt. Bartels: „Eine entscheidende Szene.“

30. Minute: Higuain trifft nach einer Flanke Lavezzis ins Tor von Neuer. 0:1? Lavezzi blickt zum Linienrichter. Abseits! Kein Tor. Fast wäre der Wunsch von Argentiniens Trainer Sabella in Erfüllung gegangen, der auf ein früheres Tor gehofft hatte: „Aber bitte eins für uns!“

31. Minute: Was macht eigentlich Kramer? „Kurz nach der Attacke von Garay kam er zu mir und fragte, ob dies das WM-Finale sei“, berichtet Schiedsrichter Nicola Rizzoli. Kramer fragt sogar ein zweites Mal. Rizzoli bestätigt: „Das ist das Finale.“ Kramer: „Danke, das war sehr wichtig für mich.“ Er muss raus, André Schürrle kommt. Bartels live: „Das kann der goldene Wechsel sein, oder einer, der nicht funktioniert.“ Es ist noch lange hin bis zur 113. Minute ...

45.+1 Minute: Der muss sitzen! Nach einer Kroos-Ecke kommt Benedikt Höwedes angeflogen, schmeißt sich in den Ball – aber der klatscht an den Pfosten.

Halbzeit: In der Pause rückt das DFB-Team zusammen. „Die Mannschaft“, wie es während des Turniers getauft wurde, gibt es nur im Komplettpaket. Keine Einzelgänger, keine Superstars. „Auch die Leute, die nicht gespielt haben, haben so einen Zusammenhalt in die Mannschaft gebracht. Das ist der Grund, warum wir Weltmeister geworden sind“, wird Neuer später sagen.

56. Minute: Neuer klärt an der Strafraumkante mit einer Faust gegen Higuain. Dem geht es jetzt ein bisschen wie Kramer vorhin. Rizzoli entscheidet auf Foul von Higuain, Tom Bartels plädiert auf kein Foul. „Ich habe sechsmal überlegt, wie ich den Zweikampf bewerte“, sagt er heute. Deutschland hätte sich über einen Elfmeter nicht beschweren dürfen. „Für mich war es nur wichtig, dass ich als Erster an den Ball komme, um die Situation zu klären“, erzählt Neuer Wochen später. DFB-Torwarttrainer Andreas Köpke hatte ihn schon vor dem Spiel wegen seiner wagemutigen Strafraumausflüge als „besten Libero seit Franz Beckenbauer“ bezeichnet.

75. Minute: Messi zielt aufs lange Eck. Glücklicherweise aufs ganz lange. Vorbei. Hinterher sagt er bittertraurig: „Gemangelt hat es im Abschluss. Wir hatten drei Chancen, meine, die von Pipa (Higuain) und die von Rodrigo (Palacio), aber wir konnten sie nicht nutzen. Es ist bitter, so zu verlieren.“

76. Minute: Löw malmt mit dem Unterkiefer und scheint sich zu fragen: „Ob ich Götze einwechsle?“

85. Minute: In dieser Minute sind 1986 und 1990 die Finals zwischen den heutigen Kontrahenten entschieden worden. Doch heute gibt es keinen Jorge Burruchaga, keinen Andreas Brehme – und kein Tor in der 85.

87. Minute: Jetzt will Löw Edeljoker Götze bringen, redet auf ihn ein, legt einen Arm um den Münchner. Heute wissen wir, was er sagte: „Zeig‘ der Welt, dass du besser bist als Messi!“

88. Minute: Götze ersetzt Klose. Götze erzählt nach dem Finale, dass Klose ihm schon in der Pause gesagt hatte, dass er „heute ein Tor machen werde“. Klose selbst wird eine Stunde später zu Protokoll geben: „Ich schlafe erst ein paar Nächte und werde dann eine Entscheidung treffen, ob ich im Nationalteam weitermache.” Er wird nicht weitermachen.

90.+3 Minute: Verlängerung. Sieben Spiele in den Knochen, samt der 90 Final-Minuten. Jetzt gewinnen die, die am zähesten sind. Bundestrainer Jogi Löw später: „Es war uns immer klar, dass Argentinien alles mobilisieren wird. Die Spieler sind weit über die Grenzen gegangen. Sie haben so viel gegeben wie noch nie, um das zu holen, das sie noch nie hatten.“

96. Minute: Tom Bartels hält eine Lobrede auf Mario Götze: „Er ist ein begnadeter Fußballer.“ Wenig später wird sich zeigen, warum ...

97. Minute: Hummels, was ist mit Hummels los? Er verschätzt sich total. Aber Rodrigo Palacio lupft frei am Tor vorbei. Jérôme Boateng hinterher cool: „Wir hatten mehr Luft, deshalb wusste ich, dass wir es noch schaffen.“

102. Minute: Mascherano tritt Schweinsteiger brutal um. Der steht wieder auf.

109. Minute: Im Kopfballduell schlägt Agüero Schweinsteiger ins Gesicht. Der Münchner blutet, muss mit einem Cut unter dem rechten Auge behandelt werden. Kevin Großkreutz wartet schon an der Seitenlinie, könnte für Schweinsteiger kommen. Doch der Münchner steht auf. Mal wieder. Er läuft zur Mittellinie und stürmt zurück auf den Platz, noch mit Blut im Gesicht. Hinterher sagt er: „Das gehört dazu. So ein Spiel spielt man nicht so oft in seinem Leben.“ Es ist das Spiel seines Lebens.

113. Minute: Jaaaaaaa! Mario Götze trifft zum 1:0 – und wie. Schürrle („Ich habe den Ball mit letzter Kraft zur Mitte geflankt und Mario ist perfekt gestanden“) flankt von links. Götze lässt den Ball von seiner Brust abperlen und vollendet weltklasse mit links. Bartels brüllt: „Der kommt an. Mach ihn! Mach ihn! Er macht ihn! Marioooo Götze, das ist doch Wahnsinn!“ Götze steht nun in einer Reihe mit Helmut Rahn, Gerd Müller und Andreas Brehme. TV-Experte Mehmet Scholl nach dem Spiel: „Liebe Kinder, ihr könntet jetzt anfangen zu üben. Aber selbst, wenn ihr noch sieben Jahre oder länger übt, gelingt euch so ein Tor nicht.“ Götzes Schuh, der für 2 Millionen Euro versteigert wird, steht heute im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund.

120. Minute: Löw bringt zur Absicherung Per Mertesacker für Özil. Auch Merte wird hinterher aus der Nationalmannschaft zurücktreten – sich aber vorher wohl noch drei Tage in die Eistonne legen.

120.+1: Pfeif! Ab! Schweinsteiger foult Messi. Freistoß Argentinien – drüber. „Ein Nervenspiel. Ich habe so gezittert und wurde immer besorgter“, sagt Bundespräsident Joachim Gauck nach dem Spiel.

124. Minute: Schiedsrichter Rizzoli pfeift ab. Deutschland ist Weltmeister, „zurück im Fußballhimmel“, wie Bartels 35 Millionen TV-Zuschauern zuruft. Schweini („Meine Beine sind im Arsch, aber mein Kopf ist okay“) weint und umarmt Löw („Wenn ich später im Schaukelstuhl sitze auf meiner Veranda oder im Garten, da wird man immer wieder dran denken“), Klose feiert rührend mit seinen Kindern auf dem Rasen, Müller ist es schnurzegal, nicht Torschützenkönig zu sein: „Des interessiert mi ois ned, der Scheißdreck! Weltmeister sama, den Pott hama!“ Und Tom Bartels? Ist nach dem Finale erst mal eine Woche krank.

Von Sebastian Harfst, Eric Zimmer und Manuel Becker

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