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Bioabfall vor der Küchentür

Mein Landleben Bioabfall vor der Küchentür

Vor einigen Tagen habe ich meine Freundin aus Berlin in Hannover getroffen. Wir saßen in einem Lokal und haben uns – erstaunlicherweise – über Kompost unterhalten. Begonnen hatte das Gespräch mit unserem Putzverhalten. Meine Freundin erwähnte, dass der Bioabfall-Behälter unter der Spüle ständig verdreckt aussehe, obwohl sie die Bioabfälle sehr zielsicher dort hineinkippe. Ein wunderliches Phänomen, wie sie fand.

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Faulheit gibt Igel, Katze und Wind eine Chance – über Nacht entsteht vor der Küchentür Chaos.

Quelle: Anke Weber

Mit Bioabfall-Behältern unter der Spüle kannte ich mich nicht aus, mit wunderlichen Phänomenen im Zusammenhang mit Biomüll aber sehr wohl.
Ich habe einen Komposthaufen. Den Biomüll sammele ich tagsüber in einer Schale vor der Küchentür. Im besten Fall wird er am Abend zum Komposthaufen getragen. Im besten Fall! Dieser tritt leider nicht immer ein. Entweder regnet es gerade oder es ist schon – besonders seit der Zeitumstellung – zu dunkel. Meine Freundin amüsierte sich ein bisschen über meine Schüssel vor der Küchentür. Dieses Vorgehen kannte sie nur von ihrer Tante und fand es wohl etwas altmodisch oder schrullig. Jedenfalls sprachen wir recht lange über Bioabfall, Behälter unter der Spüle und Komposthaufen. So lange, dass ich darüber nachdenke, mir einen Bioabfall-Behälter unter der Spüle anzuschaffen. Obwohl ich auf dem Land wohne. Wie angenehm wäre es, sich den täglichen Gang zum Komposthaufen zu ersparen. Erst kürzlich bin ich in der Dunkelheit in meinen Holzclogs umgeknickt, weil ich auf dem Weg zum Kompost auf einen dicken Ast getreten war. Ein Bioabfall-Behälter unter der Spüle könnte schlimme Unfälle vermeiden. Außerdem würde ich nicht mehr diese Sauerei vor der Küchentür ertragen müssen. Sie entsteht durch reine Faulheit, zugegeben. Denn manchmal lasse ich meine Bioabfall-Schüssel einfach an der Tür stehen und verschiebe das Ausleeren auf den nächsten Morgen.
Diese Entscheidung endet jedes Mal chaotisch. Wahrscheinlich ist es der Igel. Vielleicht auch eine Katze. In den seltensten Fällen war es der Wind allein. Die Schüssel vor meiner Küchentür steht morgens niemals dort, wo ich sie abgestellt hatte. Wie durch Geisterhand bewegt sie sich über Nacht stets ein paar Meter weiter. Meistens kippt sie dabei um und der komplette Bioabfall verteilt sich vor der Tür. Das ist nicht schön. Meistens sogar ekelhaft. Besonders, wenn Flüssigkeiten im Spiel waren. Eierschalen zum Beispiel, aus denen Eiweiß herausgelaufen ist. Igel oder Katzen mögen offenbar Eiweiß. Häufig sammele ich also am frühen Morgen Eierschalen, Zwiebelschalen oder Tomatenstückchen ein. Das könnte ich mir wirklich ersparen. Wenn ich, wie meine Freundin, einen Bioabfall-Behälter unter der Spüle hätte. Oder wenn ich, wie ihre Tante, meine Kompost-Schüssel regelmäßig abends ausleeren würde.
Ich weiß noch nicht, wofür ich mich entscheiden werde. Aber den Rest meines Lebens werde ich an meine Freundin denken, wenn es um Bioabfall oder Kompost geht.

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Neue SN-Kolumne: Mein Landleben
  • Landleben ist trendy . Neuerdings hat sogar der Stadtmensch seine Liebe zum Land entdeckt und blättert sich sehnsüchtig durch die Hochglanz-Magazine. Anmutig schimmern da die Tautropfen auf prallen Beeren und die hochwertige Rosenschere mit Holzgriff liegt im aufgeräumten Schuppen.
  • Etwas anders stellt sich das Landleben in den Augen unserer Autorin Anke Webe r dar. Die SN-Journalistin hat schon immer auf dem Land gelebt und sieht in jeder üppig blühenden Blume auch den Dreck unter den Fingernägeln. Ihre Eindrücke vom Leben zwischen Steinhuder Meer, Deister und Wesergebirge schildert sie ab sofort jeden Sonnabend in der neuen SN-Kolumne „Mein Landleben“.