Volltextsuche über das Angebot:

8 ° / 7 ° Regenschauer

Navigation:
Die Laub-Strategie

Mein Landleben Die Laub-Strategie

Seit Tagen frage ich mich, welche Strategie ich in diesem Jahr anwenden soll. Es geht um Laub. Zuerst wehten nur ein paar Blättchen spielerisch um das Haus herum. Doch dann kam der Frost. Mein Haus ist von Bäumen umgeben und das Ablösen der Blätter gleicht jetzt eher einem Rieseln – und nicht mehr einem Tröpfeln. Das heißt, ich muss dringend die Strategie-Überlegungen zu Ende bringen.

Voriger Artikel
Kampf dem Blattwerk
Nächster Artikel
Windige Heinzelmännchen

Laub: Eine bunte Herausforderung versammelt sich rund um Haus und Schuppen.

Quelle: Anke Weber

Von Anke Weber

Schon seit Tagen habe ich das veränderte Straßenbild in den umliegenden Dörfern beobachtet. Es hatte sich eine Art Laubhark-Bewegung in Gang gesetzt, der sich niemand entziehen konnte. Denn welch‘ Unmensch müsste man sein, wenn der Nachbar den Bürgersteig von Blätter-Massen befreit, während man selbst mit einer Tasse Tee in der Hand aus dem Küchenfenster schaut? Sicher, rein praktisch betrachtet, könnte der Wind dafür sorgen, dass sich das Laub vor der eigenen Tür auf Dauer Richtung Nachbar-Tür bewegt. Für gute Gartenzaun-Stimmung sorgt diese Haltung aber vermutlich nicht. Und so wurde einträchtig an den Straßenrändern gekehrt.
Ich wohne etwas abseits, das Grundstück ist eingezäunt und deshalb muss ich mich nur mit meinen eigenen Blättern beschäftigen. Aber wann ist der richtige Zeitpunkt, das Laub vom vorderen Teil des Gartens mit der Schubkarre zu seinem Bestimmungsort in den hinteren Teil des Gartens zu befördern? Am vergangenen Wochenende unternahm ich einen ersten Versuch und fing probehalber mit dem Laubharken an. Die Sonne schien und das Harken machte Spaß. Wohlgemerkt: das Harken! Doch nur dreimal gekratzt und schon war die Schubkarre voll. Das trockene und noch recht wellige Laub nahm so viel Platz ein, dass der Abtransport einen Großteil der Zeit beanspruchte. Bereits nach zwanzig Minuten gab ich auf.
Und jetzt kommt das Problem: Wenn das Laub die richtige Konsistenz hat, nämlich nass, platt, und damit schwer und fest in der Karre liegend, dann ist Regenwetter angesagt. Laubharken ist dann zwar effizient aber eklig. Schon beim bloßen Gedanken fühle ich die nass-lappigen Handschuhe klamm und kalt an meinen Händen kleben. Ich könnte auch einen Mittagspausen-Sport aus dem Laubharken machen. Licht, frische Luft und etwas Bewegung, jeden Tag eine halbe Stunde. Ein guter Plan. Aber mein innerer Schweinehund stöhnt auf. Schnell eilen die Naturliebhaber in mir herbei und jubeln: liegenlassen! Das mögen Igel, Insekten und andere Kleintiere. Ja, hatte ich nicht im Frühjahr eine Blindschleiche unter einem Laubhaufen gefunden? Die braucht doch Schutz!
Genussvoll nehme ich die Tasse Tee und schaue aus dem Fenster. Vielleicht sollte ich mich der Fraktion der Wartenden anschließen. Ganz nach dem Motto: Laub-Beseitigung lohnt sich erst, wenn das letzte Blatt gefallen und Weihnachten längst vorbei ist. Mit etwas Glück liegt dann Schnee und ich sehe die Blätter sowieso nicht mehr.

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben
Neue SN-Kolumne: Mein Landleben
  • Landleben ist trendy . Neuerdings hat sogar der Stadtmensch seine Liebe zum Land entdeckt und blättert sich sehnsüchtig durch die Hochglanz-Magazine. Anmutig schimmern da die Tautropfen auf prallen Beeren und die hochwertige Rosenschere mit Holzgriff liegt im aufgeräumten Schuppen.
  • Etwas anders stellt sich das Landleben in den Augen unserer Autorin Anke Webe r dar. Die SN-Journalistin hat schon immer auf dem Land gelebt und sieht in jeder üppig blühenden Blume auch den Dreck unter den Fingernägeln. Ihre Eindrücke vom Leben zwischen Steinhuder Meer, Deister und Wesergebirge schildert sie ab sofort jeden Sonnabend in der neuen SN-Kolumne „Mein Landleben“.