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„Dschungelcamp“-Garten

Von falschen Schlangen und echten Nattern „Dschungelcamp“-Garten

Normalerweise spielen in meiner heimischen Garten-Realität nur überdimensionale Spinnen eine Rolle mit Kreisch-Effekt. Neulich hat sich das sonst so idyllische Terrain allerdings in ein gefühltes „Dschungelcamp“ verwandelt.

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Der Gartenschlauch ist ein widerspenstiges Tier und weist manchmal Eigenschaften einer Schlange auf.

Quelle: Anke Weber

Anke Weber

Nach einem sonnigen Tag jammerten mich die Blumen mit hängenden Köpfen an. Seufzend ergab ich mich dem stillen Flehen der Pflanzen und betrat die Arena. Eine Riesen-Schlange forderte mich zum Kampf heraus. Der Gartenschlauch kann ein sehr widerspenstiges Wesen sein! Mein Hund hatte schon im Welpenalter entdeckt, dass sich im Gras ein ernst zu nehmender Gegner kringelt, der sich um Beine schlingen und mit Wasser spritzen kann. Noch immer macht der Rüde einen großen Bogen um das gummiartige Tier in seinem Revier, das er damals mit spitzen Baby-Zähnen zur Strecke gebracht hatte. Seitdem quillt das Wasser unberechenbar auch aus der Mitte des Schlauches hervor. Obwohl ich die Stellen mehrfach ausgebessert habe, überrascht der Gartenschlauch von Zeit zu Zeit mit gemeinen Attacken. So auch an diesem Abend. 
Im Wirrwarr lag der Schlauch auf einem Haufen. Offenbar hatte meine Motivation nach der letzten Bewässerung nicht mehr für Aufräumarbeiten ausgereicht. Frei von jeglicher Logik startete ich zuerst die Gartenpumpe. Es röhrte und sprutzelte und der Gartenschlauch wand sich unter dem Wasserdruck wie eine Schlange. Beim ersten Griff ins Gewirr war ich patschnass. Ich hatte eine Hunde-Biss-Stelle freigelegt. Vielleicht hätte ich doch erst den Schlauch entwirren und dann die Pumpe starten sollen. Fluchend versuchte ich, die gelbe Bewässerungs-Schlange unter Kontrolle zu bekommen. Während ich sie sortierend durch meine Hände gleiten ließ, spürte ich etwas Ekliges am Finger kleben. Eine Nacktschnecke! Angewidert spreizte ich die Hände, ließ den Schlauch fallen, bekam eine neue Ladung Wasser ab, versuchte das glitschige Tier zu entfernen und wurde von einer Blinden Fliege gestochen. Mit einem Anflug von Hysterie wischte ich das Insekt von meinem Bein und versuchte gleichzeitig, die Nacktschnecke an der anderen Hand im Gras abzustreifen.
Nachdem ich mich beruhigt hatte, griff ich mir die Spritzdüse und zerrte in Richtung Blumenbeet. Das riesige Gummi-Tier blieb in verschlungener Trotzigkeit liegen. Ergeben fädelte ich, verhedderte mich, stolperte und bekam eine neue Dusche ab. Dann, endlich, hatte ich sämtliche Knoten beseitigt und zog den Schlauch hinter mir her. Vor dem Beet ließ ich mich erschöpft im Schneidersitz auf den Rasen sinken. Nach der Gartenschlauch-Attacke fühlte ich mich, wie eine siegreiche Schlangen-Beschwörerin. Der Triumph währte nur wenige Sekunden, da meldeten meine Augen plötzlich höchste Alarmstufe. Sie hatten ein sich schlängelndes Etwas entdeckt, das nicht mein Schlauch war. Es dauerte einen Moment, bis ich erkannte, was ich sah: Zu meinen Füßen verschwand eine Ringelnatter in einem Steinhaufen. So hatte ich das mit der Schlangen-Beschwörerin aber nicht gemeint!

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Neue SN-Kolumne: Mein Landleben
  • Landleben ist trendy . Neuerdings hat sogar der Stadtmensch seine Liebe zum Land entdeckt und blättert sich sehnsüchtig durch die Hochglanz-Magazine. Anmutig schimmern da die Tautropfen auf prallen Beeren und die hochwertige Rosenschere mit Holzgriff liegt im aufgeräumten Schuppen.
  • Etwas anders stellt sich das Landleben in den Augen unserer Autorin Anke Webe r dar. Die SN-Journalistin hat schon immer auf dem Land gelebt und sieht in jeder üppig blühenden Blume auch den Dreck unter den Fingernägeln. Ihre Eindrücke vom Leben zwischen Steinhuder Meer, Deister und Wesergebirge schildert sie ab sofort jeden Sonnabend in der neuen SN-Kolumne „Mein Landleben“.