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Eiszeit

Es ist Advent Eiszeit

Alles ist erleuchtet. Auf dem Weihnachtsmarkt prosten sich die Menschen mit Glühwein zu und ihr heißer Atem formt weiße Wölkchen. Das Leben kann so schön sein. Aber irgendwie kommt die Adventsstimmung bei mir dieses Jahr nicht auf.

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Eiskristalle verzaubern für kurze Zeit.

Quelle: Weber

Mein Landleben. Und das, obwohl ich von meiner Nachbarin schon reichlich mit selbst gebackenen Keksen beschenkt worden bin, Holz für den Winter habe, gesund bin und mein Leben auf dem Land einfach wunderbar finde. Dabei gehöre ich grundsätzlich zu den Menschen, die sich an kleinsten Kleinigkeiten erfreuen.

Zum Beispiel habe ich gerade ein neues Geräusch entdeckt: das Sirren flippender Steine auf dünnem Eis. Faszinierend. Wie die sonnige Eis-Verzauberung nach einer frostigen Nebel-Nacht, wenn die Welt wie bezuckert scheint. Eiskristalle verwandeln dann Stacheldrahtzäune in glitzernde Wunderwerke. Romantisch. Doch neuerdings drängt sich mir beim schönsten Winter-Anblick die Tatsache auf, dass sich unter dem zuckrigen Rand immer noch Stacheldrahtzäune verbergen. Was ist also passiert?

Selbst als rosabebrillte Optimistin kann ich in meiner schönen Landleben-Blase nicht mehr die Augen vor dem Weltgeschehen verschließen. Das ganze Jahr über war mir schon mulmig. Die Entwicklungen im fernen Amerika und der nicht ganz so fernen Türkei sind beängstigend. Aber noch waren die Würfel in Amerika nicht gefallen. Es gab noch Hoffnung.

Gruselstimmung

Bis dieser Mann, dem ständig die Sicherungen durchbrennen und der permanent seine Mitmenschen beschimpft, tatsächlich zum nächsten Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt wurde. Mir wurde noch mulmiger. Rechtspopulismus heißt das Wort, das jetzt so häufig wie kein anderes benutzt wird. Mir ist schlecht. Der Spruch, Geschichte wiederhole sich, lehrt mich mehr denn je das Gruseln. Dann, am vergangenen Wochenende, wenigstens am europäischen Horizont ein kleiner Lichtschweif – danke Österreich. Und gleich wieder eine Folge-Frage. Was wird unsere Bundestagswahl 2017 bringen?

Die letzten Überlebenden des Nationalsozialismus sind noch nicht gestorben. Wir treffen Weihnachten auf sie, wenn wir im Kreis unserer Familien die Lichter am Tannenbaum bewundern. Es sind unsere Väter, Mütter, Großeltern, Tanten, Onkel und Nachbarn. Also fragen wir sie, wie es damals war. Und ob das irgendwer wieder haben möchte.

Ich jedenfalls liebe mein Leben in diesem demokratischen Land. Ich weiß es zu schätzen. Mit all seinen Werten. Und wenn ich mit einem Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt meinen Freunden zuproste, weiß ich schon, was ich sagen werde: Auf die Freiheit. Anke Weber

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Neue SN-Kolumne: Mein Landleben
  • Landleben ist trendy . Neuerdings hat sogar der Stadtmensch seine Liebe zum Land entdeckt und blättert sich sehnsüchtig durch die Hochglanz-Magazine. Anmutig schimmern da die Tautropfen auf prallen Beeren und die hochwertige Rosenschere mit Holzgriff liegt im aufgeräumten Schuppen.
  • Etwas anders stellt sich das Landleben in den Augen unserer Autorin Anke Webe r dar. Die SN-Journalistin hat schon immer auf dem Land gelebt und sieht in jeder üppig blühenden Blume auch den Dreck unter den Fingernägeln. Ihre Eindrücke vom Leben zwischen Steinhuder Meer, Deister und Wesergebirge schildert sie ab sofort jeden Sonnabend in der neuen SN-Kolumne „Mein Landleben“.