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Enten-Zähmung

Koexistenz am Gartenteich Enten-Zähmung

Eines Abends saß mein Mann auf der Terrassen-Mauer, blickte zum Gartenteich und gab merkwürdige Geräusche von sich. Eine irritierende Mischung aus Quaken und Grunzen. Gleichzeitig hielt er seine Hand abwehrend nach hinten, um dem Hund und mir zu signalisieren, dass wir keinesfalls näher kommen sollten.

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Vergnügliche Ablenkung

Das Zähmen neuer Gartenbewohner erfordert Geduld.

Quelle: Weber

In der anderen Hand hatte er Toastbrot. Das fand der Hund interessant. Weil ich den Grund für das Benehmen meines Mannes bemerkte, zog ich mich mit dem Rüden ins Haus zurück. Durch das Fenster sahen wir zu, wie mein Mann, Geräusche imitierend, Brot-Brocken auf den Rasen warf und zwei Erpel auf ihn zuwackelten. Seine neuen gefiederten Freunde nahmen das Fress-Geschenk an. Zuerst noch etwas zögernd, später zutraulicher werdend.

Weil der Hund ein angestammtes Recht auf Gartenzeit hat, begannen wir bald mit der Hund-Enten-Annäherung. Die Dogge hat sich schon recht freundlich im Umgang mit Katzen, Schildkröten, Pferden und Kaninchen gezeigt. Wir waren zuversichtlich, dass der Rüde auch zu einer Freundschaft mit Federvieh bereit war. In dieser Phase fütterte mein Mann die Enten auf dem Rasen, und ich beruhigte den Hund auf der Terrasse. Stocksteif – und jederzeit zum Sprung bereit – beobachtete er die Enten, blieb aber dennoch bei mir. Diese Prozedur wiederholten wir, wann immer die Enten einflogen. Aber es war Glückssache, ob wir die Ankunft der Enten bemerkten und den Hund ruhigstellen konnten oder ob er neugierig zum Wasser lief, um die Enten zu beäugen und diese so aufschreckte. Wir glaubten, dass die Erpel den unruhigen Garten bald meiden würden.

Während wir Menschen noch über eine Lösung für Hund und Federvieh nachdachten, löste die Dogge das Problem selbst. Der Rüde buddelte immer wieder im Kies des Baches. Ein Knochen-Versteck, vermuteten wir. Doch plötzlich hatte er das Gesuchte gefunden. Es leuchtete gelb, als er es in die Luft warf, noch im Fall wieder auffing und das Ding mit der Pfote attackierte. Es quietschte, als er es mit den Zähnen aufnahm und wie eine Beute schüttelte. Es war ein sehr überschwängliches Wiedersehen, das der Rüde mit seiner Quietsche-Ente feierte. Und seit dieses gelbe Plastiktier wieder aufgetaucht ist, können die beiden Erpel in Ruhe das Brot aus der Hand meines Mannes fressen. Der Hund hat jetzt eine eigene Ente.

Von Anke Weber

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Neue SN-Kolumne: Mein Landleben
  • Landleben ist trendy . Neuerdings hat sogar der Stadtmensch seine Liebe zum Land entdeckt und blättert sich sehnsüchtig durch die Hochglanz-Magazine. Anmutig schimmern da die Tautropfen auf prallen Beeren und die hochwertige Rosenschere mit Holzgriff liegt im aufgeräumten Schuppen.
  • Etwas anders stellt sich das Landleben in den Augen unserer Autorin Anke Webe r dar. Die SN-Journalistin hat schon immer auf dem Land gelebt und sieht in jeder üppig blühenden Blume auch den Dreck unter den Fingernägeln. Ihre Eindrücke vom Leben zwischen Steinhuder Meer, Deister und Wesergebirge schildert sie ab sofort jeden Sonnabend in der neuen SN-Kolumne „Mein Landleben“.