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Mein Landleben Es ist wieder da
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00:21 01.04.2018
Brot und Käse – ein schlichter Wunsch. Quelle: Anke Weber

Zuerst ließ meine Tochter sich auf ihr Bett plumpsen und feierte die kuschelige Decke und ihren frischen Geruch. Jeder Urlauber kennt dieses Gefühl, endlich wieder im eigenen Bett schlafen zu dürfen. Dieser Moment war keine Überraschung, zumal sich meine Tochter monatelang mit anderen Menschen verschiedene Zimmer geteilt hatte. In den folgenden Stunden erfreute sie sich allerdings auch an Dingen, die sonst nur wahrgenommen werden, wenn sie kaputt sind. Da war zum Beispiel der Wasserkocher, den sie mit einer liebevollen Begrüßung bedachte, da Wasserkocher in Brasilien nicht zur Standardausstattung einer Küche gehören.

 Bereits ihre Vorfreude hatte äußerst gewöhnlichen Gegenständen gegolten – der Toilette und dem entsprechenden Papier. Beides lässt in Brasilien offenbar Wünsche offen. Weil das Toilettenpapier in dem südamerikanischen Land in einen Eimer neben der Toilette geworfen wird, empfand mein Kind auch die einwandfrei arbeitende Spülung als Gewinn.

Erst am nächsten Tag machte es sich Gedanken über die Mengen an Papier, die in deutsche Kläranlagen gespült werden. Wer hätte außerdem gedacht, dass Warmwaschprogramme einer Waschmaschine bei Zwanzigjährigen Begeisterungsstürme auslösen könnten? Oder dass es überhaupt ausschließlich kalt waschende Waschmaschinen gibt? Vom Luxus verwöhnt, erschien mir diese brasilianische Sparausgabe einer Waschmaschine, von der meine Tochter berichtete, völlig absurd.

 Aus Brasilien mitgebracht hatte meine Tochter außerdem einen scheinbar unstillbaren Hunger auf Käse und Brot. Die Ruhe auf dem Land wurde im Vergleich zum Lärm in Rio ebenfalls geschätzt. Dabei hatte sie unseren Wohnort im Wald früher immer als abgeschieden bemängelt. Alle zwei Minuten umarmt wird seit ihrer Ankunft auch der Hund. Ich glaube, er ist schon etwas genervt. Ich noch lange nicht. Es ist ganz schön, vom eigenen Kind mal so intensiv gefeiert zu werden.

 Und obwohl ich selbst gar nicht fort war, freue ich mich plötzlich auch über den Wasserkocher und die luxuriöse Waschmaschine. Natürlich hat meine Tochter mir auch etwas mitgebracht. Zwei Armbänder und einen Pullover. Aber vor allem einen Koffer voller Dankbarkeit.

Anke Weber