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Magie der Wintersonnenwende

Landlebenkolumne Magie der Wintersonnenwende

Diese Woche war Wintersonnenwende. Und das bedeutet, dass es langsam aber sicher wieder heller wird. Früher, als es das christliche Weihnachtsfest noch nicht gab und sich die Menschen nach der Natur gerichtet haben, wurde die Wiederkehr des Lichts groß gefeiert.

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In den Rauhnächten nach der Wintersonnenwende wird geräuchert.

Quelle: Anke Weber

LANDKREIS. Und das wollte ich dieses Jahr auch mal machen. Außerhalb des Dorfes, wo es keine Straßenlaternen und Weihnachtsbeleuchtung gibt, wird die Sehnsucht nach Licht nämlich von Woche zu Woche größer. Deshalb wollte ich die dunkelste Nacht des Jahres mit vielen Kerzen erhellen und das zurückkehrende Licht begrüßen – quasi mit einem Lichterfest.

Außerdem wollte ich das Fest mit Räucherwerk – ein Geschenk meiner Freundin – zelebrieren. Denn mit der Wintersonnenwende beginnen auch die Rauhnächte, in der unsere Vorfahren zum Schutz gegen das Böse und zur Reinigung der Häuser geräuchert haben. In dieser magischen Zeit sollen sogar die Tiere sprechen und so ein Gespräch mit meinem Hund interessiert mich schon lange.

Tierische Morsezeichen

Tatsächlich war es dann aber das Tier in der Zwischendecke, das durch aufgeregtes Getrappel zu mir sprach. Dieses Tier, vielleicht ein Marder, wohnt in einem verborgenen Winkel meines Hauses und macht bei Einbruch der Dunkelheit Lärm. Normalerweise läuft es von einer Seite des Hauses über meinen Kopf hinweg zur anderen Seite. Aber an jenem Abend rannte es kreuz und quer – seine Aufregung war geradezu spürbar. Wahrscheinlich tierische Morsezeichen. Oder ein Notruf. Ich brauchte eine Weile, bis ich dieses ungewöhnliche Verhalten mit der heruntergerutschten Dachziegel in Verbindung brachte. Diese hatte mein Mann wenige Stunden zuvor an die ursprüngliche Stelle gerückt. Eine kleine Dach-Reparatur mit Folgen. Vermutlich hatte er dem Tier das Tor zur Außenwelt verschlossen.

Ein echter Lichtblick

Ich kokelte noch einen Moment mit dem Räucherwerk herum. Aber irgendwie kehrte die Besinnlichkeit nicht so richtig ein, weil das Tier über mir stark randalierte. Also holte ich die Taschenlampe, stellte die Leiter ans Haus und machte die Dach-Reparatur rückgängig. Dann ging ich wieder ins Wohnzimmer, warf das noch qualmende Räucherwerk in den Ofen und lauschte. Als es ganz still war, rannte das Tier von der einen Seite des Hauses auf die andere. Ich hörte das Geräusch einer verrutschenden Dachziegel. Dann war es still und ich wusste, das Tier war wieder auf gewohntem Weg ins Freie gelangt. Ich bin mir noch nicht sicher, wie ich meinen Dachboden jetzt vor Regen schütze. Aber für das Tier muss meine Aktion ein echter Lichtblick gewesen sein. Und so soll es ja sein, wenn man ein Lichterfest feiert.

Anke Weber

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Neue SN-Kolumne: Mein Landleben
  • Landleben ist trendy . Neuerdings hat sogar der Stadtmensch seine Liebe zum Land entdeckt und blättert sich sehnsüchtig durch die Hochglanz-Magazine. Anmutig schimmern da die Tautropfen auf prallen Beeren und die hochwertige Rosenschere mit Holzgriff liegt im aufgeräumten Schuppen.
  • Etwas anders stellt sich das Landleben in den Augen unserer Autorin Anke Webe r dar. Die SN-Journalistin hat schon immer auf dem Land gelebt und sieht in jeder üppig blühenden Blume auch den Dreck unter den Fingernägeln. Ihre Eindrücke vom Leben zwischen Steinhuder Meer, Deister und Wesergebirge schildert sie ab sofort jeden Sonnabend in der neuen SN-Kolumne „Mein Landleben“.